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Tourette-Syndrom zählt nicht zu den größten Märkten der Pharmaindustrie. Dennoch kommt derzeit Bewegung in die Entwicklung neuer Medikamente. Im Juni 2026 reichte Teva Pharmaceutical Industries (ISIN: US8816242098) bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einen Zulassungsantrag für Ecopipam zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Tourette-Syndrom ein. Zuvor hatte Teva den Entwickler Emalex Biosciences für 700 Millionen US-Dollar übernommen. Weitere bis zu 200 Millionen US-Dollar könnten bei Erreichen bestimmter kommerzieller Meilensteine hinzukommen.
Der Deal ist ein bemerkenswertes Signal. Denn trotz bestehender Behandlungsmöglichkeiten bleibt Tourette eine neurologische Erkrankung, bei der insbesondere Patienten mit anhaltenden und schweren Symptomen zusätzliche Therapieoptionen benötigen. Während Teva mit Ecopipam bereits die Zulassungsphase erreicht hat, verfolgt mit NeuroThera Labs ein deutlich kleineres Biotech-Unternehmen einen anderen pharmakologischen Ansatz - und hat dafür jetzt eine Phase-IIb-Studie in Deutschland gestartet.
Warum Tourette weiterhin eine therapeutische Herausforderung ist
Das Tourette-Syndrom ist durch motorische und vokale Tics gekennzeichnet, die sich hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad erheblich unterscheiden können. Neben verhaltenstherapeutischen Ansätzen kommen bei bestimmten Patienten Medikamente zum Einsatz.
Doch die Suche nach besseren Therapieoptionen ist keineswegs abgeschlossen. Genau das zeigt Tevas Engagement. Ecopipam ist ein selektiver Dopamin-D1-Rezeptor-Antagonist und unterscheidet sich damit von etablierten Wirkstoffen, die an anderen Teilen des Dopaminsystems ansetzen.
Teva hat Ecopipam nicht selbst von Grund auf entwickelt. Mit der Übernahme von Emalex Biosciences sicherte sich der Pharmakonzern den Wirkstoff und stärkte damit gezielt seine Neurologie-Pipeline. Der Kaufpreis von 700 Millionen US-Dollar zuzüglich möglicher Meilensteinzahlungen zeigt, welchen strategischen Wert ein fortgeschrittener Wirkstoffkandidat in einem vergleichsweise spezialisierten neurologischen Markt erreichen kann.
Für kleinere Biotech-Unternehmen ist das kein Bewertungsmaßstab. Es zeigt jedoch, dass auch große Pharmakonzerne in diesem Bereich weiterhin nach neuen Therapieansätzen suchen.
Ein anderer Ansatz - und ein anderer Entwicklungsstand
Hier kommt NeuroThera Labs Inc. (ISIN: CA64136J1012 | WKN: A41N05) ins Spiel. Das kanadische Clinical-Stage-Unternehmen entwickelt mit SCI-110 einen cannabinoidbasierten Wirkstoffkandidaten zur Behandlung des Tourette-Syndroms bei Erwachsenen.
SCI-110 kombiniert Dronabinol mit dem endocannabinoidähnlichen Palmitoylethanolamid, kurz PEA, in einer Darreichungsform. NeuroThera untersucht, ob die Kombination Tics und Begleitsymptome reduzieren kann und wie sich Sicherheit und Verträglichkeit darstellen.
Damit verfolgt das Unternehmen einen deutlich anderen Ansatz als Teva. Auch die Entwicklungsstadien sind nicht vergleichbar: Während Teva für Ecopipam bereits einen FDA-Zulassungsantrag für die pädiatrische Anwendung eingereicht hat, befindet sich SCI-110 noch in der klinischen Entwicklung.
Gerade deshalb dürfte für NeuroThera die jetzt laufende Phase IIb entscheidend werden.
Deutschland wird zum wichtigen Prüfstein
Im Juli gab NeuroThera die Initiierung seines Phase-IIb-Studienzentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover bekannt. Die Studie hatte zuvor die regulatorische Freigabe des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie die Zustimmung der Ethikkommission der Medizinischen Hochschule Hannover erhalten.
Neben Hannover soll die Studie auch am Yale Child Study Center in New Haven und am Tel Aviv Sourasky Medical Center in Israel durchgeführt werden.
Das Studiendesign ist anspruchsvoll: Die Phase-IIb-Studie ist randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert und als Cross-over-Studie konzipiert. Erwachsene Patienten zwischen 18 und 65 Jahren sollen SCI-110 oder Placebo erhalten.
Als primärer Wirksamkeitsendpunkt dient die Veränderung der Tic-Schwere anhand der Yale Global Tic Severity Scale. Die entsprechenden Veränderungen sollen nach 12 und 26 Wochen gegenüber dem Ausgangswert untersucht werden. Gleichzeitig werden unerwünschte Ereignisse zur Beurteilung der Sicherheit erfasst.
21 Prozent weniger Tics - kann Phase IIb das Signal bestätigen?
Der wichtigste Ausgangspunkt für die neue Studie sind die Ergebnisse der vorausgegangenen Phase IIa.
Nach Angaben von NeuroThera zeigte diese Untersuchung über die gesamte Teilnehmergruppe hinweg eine durchschnittliche Reduktion der Tics von 21 Prozent, gemessen anhand des Total Tic Score der Yale Global Tic Severity Scale.
Für Anleger ist diese Zahl interessant, muss aber richtig eingeordnet werden. Ein positives Signal aus Phase IIa bedeutet noch nicht, dass SCI-110 seine Wirksamkeit in weiteren Studien bestätigen wird oder später eine regulatorische Zulassung erhält.
Genau darin liegt die Bedeutung der Phase-IIb-Studie. Sie soll zusätzliche Daten zu Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit liefern. Erst wenn sich frühere Ergebnisse unter kontrollierten Bedingungen bestätigen, würde sich die Grundlage für weitere Entwicklungsschritte verbessern.
Was Tevas Millionen-Deal für den Markt bedeutet
Teva und NeuroThera gegeneinanderzustellen wäre daher zu einfach. Teva ist ein globaler Pharmakonzern und Ecopipam befindet sich wesentlich weiter in der Entwicklung. NeuroThera ist ein kleines Clinical-Stage-Unternehmen, dessen Wirkstoffkandidat noch erhebliche klinische und regulatorische Hürden überwinden muss.
Interessanter ist die Gemeinsamkeit: Die Suche nach neuen Tourette-Therapien gewinnt wieder an Dynamik.
Tevas Übernahme von Emalex für 700 Millionen US-Dollar zuzüglich möglicher Meilensteinzahlungen zeigt, dass fortgeschrittene Neurologieprogramme für große Pharmaunternehmen strategisch interessant sein können. Gleichzeitig untersucht NeuroThera mit SCI-110 einen anderen Mechanismus und konzentriert sich in seiner aktuellen Studie auf erwachsene Patienten.
Damit verschiebt sich bei NeuroThera der Fokus von frühen klinischen Signalen auf deren Bestätigung.
Die entscheidende Zahl ist deshalb nicht allein die bereits gemeldete Tic-Reduktion von 21 Prozent. Entscheidend wird sein, ob SCI-110 dieses Signal in Phase IIb bestätigen kann und dabei ein überzeugendes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil zeigt.
Mit der Medizinischen Hochschule Hannover als einem der Studienzentren hat dieser nächste klinische Test nun auch einen wichtigen deutschen Schauplatz. Für NeuroThera dürfte das Ergebnis wesentlich darüber entscheiden, welchen Stellenwert SCI-110 künftig im zunehmend aktiven Markt für neue Tourette-Therapien einnehmen könnte.

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Quellen
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ISIN: CA64136J1012
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