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Deutschland will viel Geld in die Beseitigung eines der größten Engpässe bei der Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs investieren. Das Bundesverkehrsministerium stellt über einen Zeitraum von vier Jahren 1 Milliarde Euro für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrische schwere Nutzfahrzeuge bereit. Gefördert werden Ladestationen auf Betriebshöfen und an öffentlich zugänglichen Standorten sowie Netzanschlüsse, Batteriespeicher und Lade- und Lastmanagementsysteme.
Der Umfang des Programms verdeutlicht ein Thema, das auch für Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Entwicklung elektrischer Lkw ist nur ein Teil des Übergangs weg vom Diesel. Gleichzeitig muss Europa eine Energieinfrastruktur aufbauen, die eine wachsende Zahl schwerer Nutzfahrzeuge zuverlässig auf der Straße hält.
Unternehmen wie die E.ON SE (ISIN: DE000ENAG999) investieren bereits in diesen entstehenden Markt. Doch konventionelles, stationäres Laden ist möglicherweise nicht das einzige Modell. Das australische Unternehmen Janus Electric Holdings Limited (ISIN: AU0000395626) verfolgt einen anderen Ansatz: Bestehende Dieselfahrzeuge werden auf Elektroantrieb umgerüstet und ihre Batterien innerhalb von rund vier Minuten ausgetauscht.
Deutschland stellt 1 Milliarde Euro für elektrische Lkw bereit
Der schwere Straßengüterverkehr ist für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar, steht jedoch zugleich unter zunehmendem Druck, seine Emissionen zu reduzieren.
Das neue deutsche Förderprogramm setzt an einem der praktischen Hindernisse dieses Übergangs an. Die Bundesregierung will nicht nur die Ladestationen selbst fördern, sondern auch die für deren Betrieb erforderlichen Netzanschlüsse und Energiemanagementsysteme.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bezeichnete eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur als Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung der Elektromobilität im schweren Straßengüterverkehr.
Für Förderaufrufe im Jahr 2026 wurden zunächst 200 Millionen Euro bereitgestellt. Sie richten sich an Ladeinfrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen, größere Unternehmen sowie öffentlich zugängliche Ladestandorte. Weitere Förderrunden sind über die vierjährige Laufzeit des Programms geplant.
Für Logistikunternehmen ist dies von großer Bedeutung. Die Elektrifizierung eines Betriebshofs umfasst weit mehr als den Kauf von Ladestationen. Netzkapazität, Energiespeicher, Lastmanagement und die operative Frage, wann und wie lange die Fahrzeuge stillstehen können, beeinflussen ebenfalls die Wirtschaftlichkeit.
E.ON nimmt den europäischen Lademarkt ins Visier
Das deutsche Programm ist Teil eines weitaus größeren europäischen Ausbaus der Ladeinfrastruktur.
E.ON führt gemeinsam mit Eldrive und ZSE das Konsortium DRIVE-E Global an. Das Projekt erhält eine EU-Kofinanzierung in Höhe von 45 Millionen Euro, um bis Ende 2027 insgesamt 1.400 öffentliche Ladepunkte in 13 europäischen Ländern zu installieren.
Davon sind 430 Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen, die jeweils eine Ladeleistung von mindestens 350 kW bieten sollen. Geplant sind mehr als 250 Standorte in Ländern wie Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden, Schweden, Polen und Tschechien.
Die Ladeinfrastruktur-Tochter von E.ON betreibt nach Angaben im Zusammenhang mit dem DRIVE-E-Projekt bereits mehr als 6.000 öffentliche Ladepunkte in elf europäischen Ländern.
Die Investitionen zeigen, wie viel physische Infrastruktur Europas Übergang zur Elektromobilität erfordert.
Schwere Lkw stellen dabei eine besonders anspruchsvolle Herausforderung dar.
Warum Lkw die Rechnung beim Laden verändern
Nutzfahrzeuge unterscheiden sich grundlegend von Pkw. Ihre Batterien sind größer, ihr Energiebedarf ist höher und ihr wirtschaftlicher Wert hängt in besonderem Maße von ihrer Auslastung ab.
Ein Lkw, der an einer Ladestation wartet, transportiert keine Fracht.
Das bedeutet nicht, dass konventionelles Laden nicht funktionieren kann. Fahrzeuge in planbaren Einschichtbetrieben können auf den Betriebshof zurückkehren und dort über Nacht aufgeladen werden. Auch leistungsstarke öffentliche Ladestationen entlang der wichtigsten europäischen Güterverkehrskorridore dürften zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Bei stark ausgelasteten Lkw stellt sich jedoch eine andere Frage: Könnte die Batterie geladen werden, während das Fahrzeug mit einer zweiten Batterie weiterarbeitet?
Genau dieses Modell verfolgt Janus Electric.
Anstatt einen vollständig neuen Lkw zu produzieren, rüstet Janus geeignete Dieselfahrzeuge der Klassen 6 bis 8 auf batterieelektrischen Betrieb um. Das integrierte System kombiniert Umrüstungstechnologie, austauschbare Batterien, sogenannte Charge & Change-Stationen und Flottenmanagementsoftware.
Nach Angaben des Unternehmens kann ein Batteriewechsel in etwa vier Minuten durchgeführt werden.
714.000 Kilometer und 3.800 Batteriewechsel
Die Technologie von Janus hat inzwischen eine beachtliche operative Laufleistung erreicht.
Nach Unternehmensangaben haben mit Janus-Technologie ausgestattete Lkw mehr als 714.000 Kilometer zurückgelegt, über 1.330 MWh Energie verbraucht und mehr als 3.800 Batteriewechsel absolviert.
Ein Beispiel liefert der Moorebank Intermodal Precinct in Australien. Im Mai 2026 versorgte dort eine einzelne Janus-Station mit zwei Wechselbuchten drei Kunden, die täglich insgesamt fünf Lkw einsetzten. Im Laufe des Monats wurden 82 Batteriewechsel durchgeführt und 28,4 MWh Strom geladen. Janus errechnet daraus eine Einsparung von rund 8.620 Litern Diesel. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Station ohne staatliche Subventionen betrieben.
Janus betont zudem, dass ein Batteriewechsel nicht für jeden Einsatz erforderlich ist. Weniger stark ausgelastete Fahrzeuge oder Lkw im Einschichtbetrieb können weiterhin konventionell über Nacht auf ihren Betriebshöfen geladen werden.
Damit könnte der Ansatz von Janus das konventionelle Laden ergänzen, anstatt es vollständig zu ersetzen.
112 Umrüstungen in Nordamerika werden zum nächsten Test
Die entscheidende Frage lautet nun, ob sich die Technologie im kommerziellen Maßstab etablieren lässt.
Janus verfügt derzeit über 112 Umrüstungsaufträge in Nordamerika, davon 87 in den USA und 25 in Kanada. Die fünf US-amerikanischen Flottenkunden des Unternehmens haben 87 Fahrzeugumrüstungen und 100 Batteriepakete bestellt. Daraus ergibt sich ein Bruttoauftragswert von rund 58 Millionen AUD.
Die US-Aufträge zeigen auch, warum die Infrastruktur für das Geschäftsmodell eine zentrale Rolle spielt. Vier neue Kunden in Kalifornien bestellten neben den Fahrzeugumrüstungen auch vier Janus Charge & Change-Stationen.
Die kalifornischen Aufträge stehen noch unter dem Vorbehalt einer erfolgreichen Bewilligung der entsprechenden staatlichen Fördermittel. Der Beginn der Produktion und Auslieferung wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Die Arbeiten sollen sich anschließend über das Jahr 2027 erstrecken.
Laden, Batteriewechsel - oder beides?
Deutschlands Förderprogramm über 1 Milliarde Euro sendet ein klares Signal. Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs wird enorme Investitionen erfordern - nicht nur in die Fahrzeuge selbst, sondern auch in die dahinterstehende Infrastruktur.
E.ON und andere große Energiekonzerne dürften am Ausbau der konventionellen Ladeinfrastruktur beteiligt sein. Netzverstärkungen, Megawatt-Ladesysteme, Betriebshofinfrastruktur und Energiespeicher könnten mit der zunehmenden Verbreitung elektrischer Lkw zu immer wichtigeren Investitionsfeldern werden.
Der Batteriewechsel stellt einen anderen Ansatz dar. Auch dieser ist mit Herausforderungen verbunden, darunter Investitionen in Wechselstationen, die Bereitstellung ausreichender Batteriebestände, eine hohe Auslastung und das Erreichen einer ausreichenden kommerziellen Größenordnung.
Die Chance für Janus hängt daher nicht davon ab, beweisen zu müssen, dass konventionelles Laden die falsche Lösung ist. Entscheidend ist vielmehr der Nachweis, dass bestimmte Anwendungen im Güterverkehr von einer zusätzlichen Alternative profitieren können.
Deutschland investiert 1 Milliarde Euro, um die Infrastrukturprobleme elektrischer Lkw zu lösen. Europa stellt weitere Millionenbeträge für den Ausbau grenzüberschreitender Güterverkehrskorridore bereit. Mit der Beschleunigung dieser Investitionen könnte der Markt letztlich erkennen, dass es keine universelle Einzellösung gibt, um elektrische Lkw dauerhaft in Bewegung zu halten.
Insbesondere für stark ausgelastete Flotten könnten konventionelles Laden und Batteriewechsel künftig zwei sich ergänzende Bestandteile derselben Transformation darstellen.

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Quellen
https://www.now-gmbh.de/en/news/pressreleases/one-billion-euros-for-the-development-of-charging-infrastructure-for-heavy-duty-vehicles/
https://www.eon.com/en/about-us/media/press-release/2025/euro45-million-in-eu-funding-eon-eldrive-and-zse-expand-european-charging-infrastructure-for-electric-trucks-and-cars.html
https://januselectric.com/
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Janus Electric Holdings Limited
Land: Australien
ISIN: AU0000395626
https://januselectric.com/
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