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Europa will aufrüsten, seine Industrie dekarbonisieren und gleichzeitig unabhängiger von China werden. Doch ausgerechnet bei den dafür notwendigen kritischen Rohstoffen droht die EU gegenüber den USA weiter zurückzufallen. Washington hat seit 2022 rund 40 Milliarden US-Dollar an vorläufiger Finanzierung für Mineralprojekte angekündigt und beteiligt sich inzwischen sogar direkt an heimischen Bergbauunternehmen. EU und Mitgliedstaaten haben dagegen in diesem Jahr rund 6 Milliarden Euro für Rohstoffprojekte zugesagt.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch: Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme - doch bei den Rohstoffen, ohne die viele dieser Systeme nicht gebaut werden können, bewegen sich die USA wesentlich aggressiver.
125 Milliarden Euro Aufträge - aber woher kommen die Rohstoffe?
Wie groß der industrielle Hochlauf bereits ist, zeigen Rheinmetall (ISIN: DE0007030009) und TKMS (ISIN: DE000TKMS001). Rheinmetall-Chef Armin Papperger erwartet für 2026 einen Auftragsbestand von mehr als 100 Milliarden Euro.
TKMS meldete nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 einen Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro. Einschließlich eines nach dem Bilanzstichtag zu erfassenden Auftrags über 6,3 Milliarden Euro für vier MEKO A-200 DEU-Fregatten steigt das Volumen auf mehr als 25 Milliarden Euro.
Allein bei diesen beiden deutschen Konzernen stehen damit Aufträge von über 125 Milliarden Euro im Raum.
Die entscheidende Frage verschiebt sich deshalb. Es geht nicht mehr nur darum, wer Panzer, Munition, U-Boote, Flugzeuge oder Raketen baut. Es geht zunehmend darum, woher die strategischen Materialien dafür kommen.
Washington handelt - Brüssel diskutiert
Genau hier wird der Unterschied zwischen den USA und Europa sichtbar. Während Brüssel in den vergangenen 18 Monaten Dutzende strategische Rohstoffprojekte für beschleunigte Genehmigungsverfahren ausgewählt hat, kritisiert die Industrie das Tempo.
Bernd Schäfer, CEO von EIT RawMaterials, brachte das Problem gegenüber der Financial Times auf den Punkt: Die Amerikaner nähmen eine Idee und setzten sie um, während Europa zögere, überadministriere und Zeit verliere.
Washington geht inzwischen deutlich weiter als klassische Förderprogramme. Die US-Regierung beteiligt sich an Bergbauunternehmen, unterstützt amerikanische Firmen bei internationalen Minenausschreibungen und versucht über das "Forum on Resource Geostrategic Engagement" neue Lieferketten aufzubauen, die China umgehen.
Für Europa erhöht das den Druck gleich doppelt: Die EU konkurriert nicht nur mit China um strategische Rohstoffe, sondern zunehmend auch mit den USA.
Seltene Erden werden zur Sicherheitsfrage
Besonders deutlich wird das bei Seltenen Erden. Neodym und Praseodym, kurz NdPr, werden für leistungsfähige Permanentmagnete benötigt. Diese wiederum finden sich in Elektromotoren, Sensoren, Radarsystemen und zahlreichen militärischen Anwendungen.
Weitere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium können dort wichtig werden, wo Magnete auch bei hohen Temperaturen ihre Leistungsfähigkeit behalten müssen.
Unternehmen wie Lynas Rare Earths (ISIN: AU000000LYC6) oder MP Materials (ISIN: US5533681012) zeigen bereits, welche strategische Bedeutung nicht-chinesische Lieferketten inzwischen besitzen. Doch bestehende Produzenten allein dürften langfristig nicht alle westlichen Ambitionen abdecken.
Damit stellt sich die nächste Frage: Wo könnten zusätzliche große Ressourcen außerhalb Chinas entstehen?
Araxá: 111 Millionen Tonnen im Fokus
Hier wird St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8) interessant. Das australische Unternehmen entwickelt in Brasilien das Araxá-Projekt mit Seltenen Erden und Niob.
Nach dem jüngsten Ressourcenupdate umfasst Araxá 111,2 Millionen Tonnen mit 3,57 Prozent TREO und 0,57 Prozent Nb2O5. Die enthaltenen Seltenen Erden stiegen gegenüber der vorherigen Schätzung um rund 38 Prozent auf 3,98 Millionen Tonnen TREO. Darin enthalten sind rund 760.000 Tonnen NdPr-Oxide.
Auch die Qualität der Ressourcenschätzung hat sich verbessert. Die Kategorien Measured & Indicated stiegen um 155 Prozent auf 75,2 Millionen Tonnen und machen inzwischen 68 Prozent der gesamten Ressource aus. Rund 520.000 Tonnen NdPr-Oxid befinden sich in diesen höher klassifizierten Kategorien.
MST Access sieht Araxá bei Gesamtressource, enthaltenem TREO in Measured & Indicated sowie NdPr in einer Größenordnung mit bekannten westlichen Projekten wie Mt Weld und Mountain Pass. Der Vergleich hat allerdings Grenzen: Araxá ist noch ein Entwicklungsprojekt und keine produzierende Mine.
Analyst hebt Bewertung auf 0,45 AUD
Nach dem Ressourcenupdate erhöhte MST Access seine Bewertung für St George von 0,34 auf 0,45 AUD je Aktie. Zum Zeitpunkt des Reports vom 20. August lag die Aktie bei 0,085 AUD. Zu berücksichtigen ist, dass das Research im Auftrag von St George erstellt und vergütet wurde.
Als nächste mögliche Katalysatoren nennt MST erste Wirtschaftlichkeitsstudien, metallurgische Arbeiten, den geplanten Start einer Pilotanlage und eine erste Ressourcenschätzung für East Araxá. Dort arbeiten derzeit fünf Diamantbohrgeräte.
Die Risiken bleiben erheblich. Metallurgie, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und Genehmigungen müssen weiter nachgewiesen werden. Eine große Ressource allein macht noch keine profitable Mine.
Doch genau hier schließt sich der Kreis zur neuen Rohstoffpolitik. Die USA setzen Milliarden ein, um sich kritische Mineralien zu sichern. China verfügt weiterhin über eine dominante Stellung in wichtigen Lieferketten. Europa wiederum benötigt immer mehr strategische Rohstoffe für Verteidigung und Energiewende, bewegt sich beim Aufbau eigener Lieferketten bislang aber langsamer.
Wenn Rheinmetall und TKMS Aufträge von mehr als 125 Milliarden Euro abarbeiten sollen, reicht es langfristig nicht, nur die Produktionskapazitäten für Waffen und Plattformen auszubauen. Europa muss auch die Rohstoffe sichern, aus denen sie entstehen. Projekte wie Araxá könnten deshalb an strategischer Bedeutung gewinnen - vorausgesetzt, sie schaffen den schwierigen Schritt von einer großen Ressource zu einem wirtschaftlich tragfähigen Bergbauprojekt.

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Quellen
https://hansa.news/tkms-order-book-grows-to-over-e25-billion/
https://rare-earth-mining.com/top-10-rare-earth-defence-applications/
https://www.stgm.com.au/
https://www.luxtimes.lu/europeanunion/eu-slips-further-behind-us-in-race-for-critical-minerals/160379092.html
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Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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