FRANKFURT (dpa-AFX) - Vor der US-Zinsentscheidung am Abend hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch etwas Auftrieb erhalten. Eine Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gilt dabei Experten zufolge bereits als eingepreist. Moderat positive Impulse gaben die etwas gesunkenen Ölpreise, wenngleich es keine wirklichen Fortschritte bei der Lösung der Konflikte im Nahen Osten gibt. Immerhin stellte US-Energieminister Chris Wright eine schnelle Wiederinbetriebnahme einer wichtigen Ölpipeline in Saudi-Arabien in Aussicht.
Der Dax notierte am frühen Nachmittag 0,4 Prozent im Plus bei 25.493 Punkten und bewegt sich damit weiterhin über der 100-Tage-Linie, die als Indikator für den mittel- bis längerfristigen Trend gilt. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legte um 0,5 Prozent auf 31.275 Zähler zu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um rund 0,6 Prozent aufwärts.
Die US-Notenbank Fed mit ihrem Chef Kevin Warsh steht im Fokus, nachdem die Kerninflation in der vergangenen Woche höher als erwartet ausgefallen war und die Erwartungen einer strafferen Geldpolitik verstärkt hatte. "Ob Kevin Warsh unbehelligt oder mit verbalen Blessuren vom Weißen Haus aus der Pressekonferenz heraustreten wird, das ist die eigentlich spannende Frage", heißt es weiter im Kommentar der Landesbank. Denn US-Präsident Donald Trump setzt sich schon lange für Leitzinssenkungen ein.
Zur Wochenmitte zogen die Aktien vieler Unternehmen an, die als Profiteure des KI-Booms gelten. Die Spanne reicht von Chipunternehmen über Zulieferer und Elektrotechnik- oder Energietechnikunternehmen bis zu Baukonzernen, die die physische Infrastruktur in Form von Rechenzentren bereitstellen. Noch am Montag hatten Warnungen vor einer zu schnellen Entwicklung dieser Technologie für teils heftige Kursverluste gesorgt. Auslöser waren eigenständige Hacking-Attacken durch KI, die Sicherheitsbedenken ausgelöst hatten.
Die Experten der Bank of America (BofA) zeigten sich nun generell optimistisch für den Sektor. Angesichts des sich ausweitenden Branchenzyklus erhöhten sie ihre Prognose für das Marktvolumen im Halbleiterbereich im Jahr 2030 auf 3,2 Billionen US-Dollar. Sie begründeten dies unter anderem mit einem stärkeren Wachstum in den Bereichen Speicher und Rechenzentren sowie mit einer deutlicheren Erholung in den Industriemärkten.
Die Papiere von Hochtief, Siemens Energy und Infineon stiegen um bis zu 2,5 Prozent und gehörten damit zu den Top-Werten im Dax. Im MDax verbuchten Aixtron, Suss Microtec, Siltronic und Jenoptik Kursaufschläge zwischen 2,5 und 4,0 Prozent.
Für die Titel von Elmos Semiconductor ging es um 4,9 Prozent nach oben, nachdem das Bankhaus Metzler sie von "Hold" auf "Buy" hochgestuft hatte. Die Gewinndynamik des Chipherstellers dürfte hoch bleiben, schrieb Analyst Veysel Taze. Für 2027 rechnet er mit einem beschleunigten Wachstum bei weiter steigender Profitabilität.
Papiere aus der Autobranche gerieten nach einer kritischen Analystenstudie unter Druck. Berenberg-Analyst Romain Gourvil sieht den Weg zu einer durchweg positiven Entwicklung im europäischen Automobilsektor weiterhin holprig. Das China-Geschäft, geopolitische Risiken und Inflationsdruck trügen zu schwachen Ertragsperspektiven, anhaltenden Überkapazitäten und einem zunehmenden Wettbewerb bei. Er sieht die Autoindustrie vor einer Phase, in der nicht mehr sinkende Gewinnerwartungen das Bild prägen, sondern regulatorische Bedingungen, Kostensenkungen und Produktdynamiken.
Die Vorzugsaktien von Volkswagen sackten als Schlusslicht im Dax um 2,9 Prozent ab. Der Abwärtsbewegung konnten sich auch die Papiere von BMW trotz einer Berenberg-Kaufempfehlung nicht entziehen und verloren 1,6 Prozent. Die Anteilsscheine von Mercedes-Benz und Porsche AG büßten 2,6 und 1,0 Prozent ein./edh/jha/
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
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