An der Börse haben die möglichen Folgen der anstehenden Altersvorsorgereform bislang kaum Spuren hinterlassen. Dabei könnte das neue Altersvorsorgedepot für Finanzvertriebe, Plattformbetreiber und Asset-Manager zu einem bedeutenden Wachstumstreiber werden.
Das Altersvorsorgedepot soll im Januar 2027 die Riester-Rente ablösen. Vorgesehen sind flexiblere Anlagen, darunter reine Aktien-ETFs ohne Kapitalgarantie. Einzahlungen bis 360 Euro werden mit 50 Prozent bezuschusst, für weitere Beträge bis 1.440 Euro liegt die Förderung bei 25 Prozent. Damit sind jährlich bis zu 540 Euro möglich. Hinzu kommen ein Startbonus für unter 25-Jährige und Kinderzuschüsse.
Zusätzlich erweitert sich der Adressatenkreis um Selbstständige und Freiberufler. Für Anleger, die keine eigenen Anlageentscheidungen treffen wollen, soll es kostengünstige Standarddepots mit auf 1 Prozent begrenzten jährlichen Kosten geben.
Insgesamt eröffnet das den Finanzvertrieben ein großes Potenzial, das an der Börse bislang allerdings kaum Beachtung findet.
Zu den Profiteuren dürfte insbesondere der Platzhirsch MLP gehören, zumal der steigende Beratungsbedarf dem Geschäftsmodell des Unternehmens entgegenkommt. Neben zahlreichen Neuabschlüssen könnte die Ablösung bestehender Riester-Verträge für zusätzliches Geschäft sorgen. Operativ befindet sich der Finanzvertrieb ohnehin bereits in guter Verfassung: Im ersten Halbjahr 2026 erzielte MLP Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis. Die Aktie ist daraufhin auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren gestiegen.
Bei JDC liegt der Hebel stärker in der digitalen Abwicklung und Kundengewinnung. Die Gruppe vernetzt Produktanbieter mit Finanzintermediären und verfügt mit der übernommenen FMK-Gruppe zusätzlich über hohe Kompetenz in der Leadgenerierung und Online-Kundenakquise. Wenn die Branche ihre Werbeaktivitäten für das neue Vorsorgeprodukt hochfährt, könnte FMK schon im Schlussquartal 2026 erste Impulse erhalten. Das wäre besonders willkommen, nachdem gerade das Neugeschäft zuletzt geschwächelt hat. Grundsätzlich fielen aber auch bei JDC die Halbjahreszahlen ordentlich aus: Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 148,5 Mio. Euro, während sich das EBIT auf 12,2 Mio. Euro mehr als verdoppelte.
LAIQON wiederum könnte seine Erfahrung mit digitalen Investmentlösungen und KI-gestützter Vermögensverwaltung einbringen. Der Asset-Manager hat bereits gemeinsam mit Partnern Vorsorgeprodukte entwickelt; auch neue ETFs befinden sich in der Vermarktung. Insgesamt erwartet das Unternehmen für 2026 einen Umsatzsprung von 34,9 Mio. Euro auf 53 bis 58 Mio. Euro sowie eine EBITDA-Verbesserung von -2,9 Mio. Euro auf 4,5 bis 7,5 Mio. Euro.
Alle drei Unternehmen sind so positioniert, dass sie von einer möglichen Abschlusswelle zum Start des Altersvorsorgedepots deutlich profitieren könnten. Während das bei MLP den bereits stark gestiegenen Kurs weiter befeuern könnte, notieren JDC und LAIQON trotz guter operativer Fortschritte noch in der Nähe ihrer Zweijahrestiefs. Bei diesen beiden Aktien vergrößert das Altersvorsorgedepot somit das Erholungspotenzial.
(aktien-global.de, erstellt am 24.09.26 um 13:07 Uhr, veröffentlicht am 24.09.26 um 13:16 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/newssystem/impressum/)
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