(neu: Fokus auf OpenAI, Kurse, Micron-Zahlen)
FRANKFURT/SHANGHAI/SEOUL (dpa-AFX) - Aktien aus der Technologiebranche werden am Montag erneut von den Bedenken am Tempo des KI-Ausbaus eingeholt. Als wichtigste Belastung galt, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI nach einem Zwischenfall das Training seiner leistungsstärksten KI-Modelle ausgesetzt hat. Zudem blieb die Börsenstimmung anfällig für das Geschehen in Nahost, wo die Fronten verhärtet bleiben.
Hierzulande bewegten sich unter den KI-Werten die Kurse von Infineon und Siemens Energy zuletzt mit bis zu einem Prozent im Minus. Im erweiterten Branchenkreis büßten die Kurse von Ausrüstern wie Aixtron oder Suss Microtec bis zu 2,4 Prozent ein. Dies galt auch für Jenoptik mit einem Abschlag von 1,6 Prozent trotz einer Kaufempfehlung des Analysehauses Stifel.
Auch in New York steuern die Kurse von Chipriesen auf einen schwachen Handelsauftakt zu. Die Titel von Nvidia können dort vorbörslich mit 0,8 Prozent Minus nicht von einem Medienbericht über vielleicht erlaubte Chipverkäufe nach China profitieren. Im erweiterten Kreis bahnt sich für die Anteile von Micron sogar ein Minus von 2,4 Prozent an. Der Speicherchip-Hersteller legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss Zahlen vor, die zum nächsten Wegweiser der Branche werden könnten.
Laut dem Marktbeobachter Andreas Lipkow von CMC Markets bekommt "die bislang so robuste KI-Story erneut Risse", denn der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat nach einem neuen Zwischenfall das Training seiner leistungsstärksten KI-Modelle ausgesetzt. Ein KI-Modell konnte eine Netzwerk-Einstellungslücke dazu nutzen, um Antworten von einem externen Chatbot zu bekommen, obwohl es eigentlich keinen Internet-Zugang haben sollte. Am Wochenende war außerdem bekannt geworden, dass ChatGPT von Nutzern hochgeladene Bilder auf Online-Plattformen platziert hat.
"Der Vorfall zeigt erneut, wie schwer sich KI-Agenten vollständig kontrollieren lassen", kommentierte Marktbeobachter Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. Laut den Experten von Index-Radar rückt erneut die Frage in den Vordergrund, wie lange die außergewöhnliche Dynamik im Tech-Bereich anhält - und ob die bereits anspruchsvollen Wachstumsraten der Unternehmen, die an dem Megatrend partizipieren, entlang der gesamten Wertschöpfungskette realistisch bleiben.
Zuvor hatte es in Asien schon deutliche Kursverluste in der Tech-Branche gegeben. In Seoul war der Kurs der Aktie des Chipherstellers SK Hynix mit mehr als vier Prozent unter Druck geraten. An den China-Börsen litten die Tech-Kurse auch unter einem Bericht des Nachrichtenportals "The Information", wonach Chinas Behörden Unternehmen wie dem Online-Handelsriesen Alibaba oder dem Tiktok-Betreiber Bytedance den Kauf neuer Nvidia-Chips gestatten könnten. Dies könnte die lokale Entwicklung von Hardware für KI-Technologien eher schwächen, wird befürchtet.
Eine Erlaubnis für den Verkauf von Chips nach China könnte ein erster Schritt sein, dass sich die USA und China politisch wieder etwas annähern. Chinas Staatschef Xi Jinping war in der vergangenen Woche zum Staatsbesuch in Washington und US-Präsident Donald Trump hat eine Einladung angenommen. "Wir werden uns im November erneut in China treffen und anschließend im Dezember beim G20-Gipfel in Miami, Florida", teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit./tih/ck/stk/jha/
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