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Niob ist eines jener Metalle, die kaum jemand kennt, obwohl es in wichtigen Teilen der Industrie steckt. Bereits kleine Mengen können Stahl fester machen. Das ist für Pipelines, Fahrzeuge, Bauwerke und andere Anwendungen interessant, bei denen hohe Belastbarkeit und möglichst geringes Gewicht zählen.
Die eigentliche Besonderheit liegt jedoch in der Lieferkette: Brasilien stellte nach Schätzung des U.S. Geological Survey rund 93 Prozent der weltweiten Niobproduktion im Jahr 2025. Kanada folgte mit etwa fünf Prozent. Die USA müssen ihr Niob-Ausgangsmaterial vollständig importieren. Eine Unterbrechung der brasilianischen Produktion wäre damit weit mehr als ein Problem für einen einzelnen Metallmarkt.
Warum lässt sich Brasiliens Marktstellung so schwer verändern?
Niob kommt auch außerhalb Brasiliens vor. Eine Lagerstätte zu finden, reicht aber nicht aus, um den Markt zu versorgen. Ein neuer Anbieter muss das Material zu verlässlich spezifizierten Produkten verarbeiten, Abnehmer gewinnen und ein Bergwerk finanzieren, das mit etablierten Produzenten konkurrieren kann.
Die zentrale Figur in diesem Markt ist CBMM. Das Unternehmen produziert in Araxá im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und verfügt dort über jahrzehntelange Erfahrung im Abbau und in der Verarbeitung von Niob. Für mögliche neue Wettbewerber ist das eine hohe Hürde: Sie treten gegen einen Lieferanten an, dessen Produkte und Verfahren industriell längst eingeführt sind.
Wie groß der Aufwand für eine zusätzliche Bezugsquelle sein kann, zeigt ein Projekt in den USA.
NioCorp plant 1,85 Milliarden Dollar Anfangsinvestition
NioCorp Developments (ISIN: CA6544846091) entwickelt das Elk-Creek-Projekt in Nebraska. Seine im August 2026 veröffentlichte Machbarkeitsstudie beschreibt einen integrierten Bergbau- und Verarbeitungsbetrieb mit einer geplanten Laufzeit von 40 Jahren. Im Modell soll das Projekt durchschnittlich rund 8.095 Tonnen Ferroniob pro Jahr liefern. Daneben sind Produkte aus Scandium, Titan und Seltenen Erden vorgesehen.
Die Studie beziffert die erforderliche Anfangsinvestition auf 1,85 Milliarden US-Dollar. Sie errechnet einen Kapitalwert vor Steuern von 4,1 Milliarden US-Dollar, der von den Annahmen zu Preisen, Kosten und Betrieb abhängt. NioCorp hat wesentliche baubezogene Genehmigungen erhalten und arbeitet an der Finanzierung. Eine endgültige Finanzierung ist damit noch nicht gesichert.
Elk Creek macht den strategischen Wunsch nach einer amerikanischen Niobquelle greifbar. Zugleich zeigt das Projekt, warum neue Produktion nicht kurzfristig entsteht: Zwischen einer definierten Lagerstätte und regelmäßigen Lieferungen liegen technische Planung, Kapitalbeschaffung, Bau und Inbetriebnahme.
St George entwickelt eine Ressource im Zentrum des Niobmarktes
Einen anderen Weg verfolgt St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8). Sein Araxá-Projekt liegt direkt neben dem Betrieb von CBMM, in einer Region mit bestehender Bergbauinfrastruktur und Erfahrung in der Niobverarbeitung. Die Lage ist ein Vorteil für die Projektentwicklung, aber kein Beleg dafür, dass St George dieselben Produktionskosten oder Verarbeitungsergebnisse erzielen wird.
St George meldete im August eine Mineralressource von 111,2 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 0,57 Prozent Niobpentoxid und 3,57 Prozent Seltene-Erden-Oxiden. Sie enthält nach Unternehmensangaben rund 630.000 Tonnen Niobpentoxid sowie 3,98 Millionen Tonnen Seltene-Erden-Oxide. Die höher eingestuften Kategorien "Measured" und "Indicated" umfassen inzwischen 75,2 Millionen Tonnen. Araxá bietet St George damit zwei Rohstoffgruppen in einem Projekt.
Für die Niobgeschichte ist nun die Aufbereitung entscheidend. Seit September untersucht St George am brasilianischen Forschungszentrum CIT-SENAI rund neun Tonnen oberflächennahes Material im Pilotmaßstab. Das Unternehmen will ein Niobkonzentrat erzeugen und zugleich prüfen, wie sich die Seltenen Erden aus einem weiteren Materialstrom gewinnen lassen. Ergebnisse der Aufbereitungsstudie werden im vierten Quartal erwartet; weitere Verarbeitungstests sollen mögliche Wege zu Ferroniob untersuchen.
Fazit
Die Zahl von 93 Prozent erklärt, warum Niob für Anleger interessant wird: Ein Metall mit Anwendungen in wichtigen Industrien stammt fast vollständig aus einem Land. NioCorps Projekt zeigt, dass die USA eine eigene Quelle aufbauen wollen. Seine veranschlagte Anfangsinvestition von 1,85 Milliarden Dollar zeigt ebenso deutlich, wie hoch die Eintrittshürden sind.
St George Mining steht an einer anderen Stelle der Entwicklung. Das Unternehmen verfügt bei Araxá über eine große definierte Ressource unmittelbar neben CBMM und arbeitet daran, einen Verarbeitungsweg für Niob und Seltene Erden zu prüfen. Eine wirtschaftlich gewinnbare Reserve und eine kommerzielle Niobproduktion sind damit noch nicht nachgewiesen. Die kommenden Pilotergebnisse, Wirtschaftlichkeitsstudien, Genehmigungen und die spätere Finanzierung werden darüber entscheiden, wie weit St George diesen Vorteil nutzen kann.
Die Welt sucht zusätzliche Niobquellen. Für St George beginnt die entscheidende Prüfung jetzt bei der Frage, ob sich Araxás Ressource zuverlässig in ein verkaufsfähiges Produkt verwandeln lässt.
Quellen
https://www.mining.com/web/brazil-funds-rare-earth-project-in-effort-to-tap-vast-reserves
https://www.globaltimes.cn/page/202606/1364474.shtml
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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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