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Ein Sportschuh besteht längst nicht mehr einfach aus Gummi, Schaumstoff und Stoff. Nike baut Carbonplatten, hochentwickelte Schäume und vier Air-Zoom-Elemente in seinen neuesten Marathon-Schuh. Adidas druckt inzwischen komplette Schuhstrukturen aus Spezialmaterialien. Und First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) hat gerade seinen ersten Produktionsauftrag für PureGRAPH in einem US-amerikanischen Trainingsschuh erhalten.
Dahinter steht ein globaler Sportschuhmarkt von mehr als 150 Mrd. US-Dollar. Noch spannender ist allerdings, was innerhalb dieses Marktes passiert: Die Materialschlacht wird intensiver. Schuhe sollen gleichzeitig leichter, haltbarer, elastischer und reaktionsfreudiger werden.
Nike, Adidas und First Graphene greifen dieses Problem von völlig unterschiedlichen Seiten an.
Nike versucht, aus jedem Schritt mehr Energie herauszuholen
Nike (ISIN: US6541061031) hat Ende September den Apex vorgestellt. Der Marathon-Schuh zeigt fast lehrbuchartig, wie stark sich moderne Sportschuhe zu technischen Materialsystemen entwickelt haben.
Im Inneren arbeiten zwei doppelt gestapelte Air-Zoom-Einheiten, also insgesamt vier Air-Elemente. Hinzu kommen der neue ZoomX-LT-Schaum, eine überarbeitete Carbonfaser-Flyplate und ein Flyknit-X-Obermaterial.
Nike nennt dazu eine ausgesprochen auffällige Zahl: Der Apex soll bei Herrengröße 44 bis zu 40% mehr Energierückgabe als der Alphafly 3 liefern und gleichzeitig mehr als 10% leichter sein.
Entscheidend ist allerdings, wo diese Verbesserung herkommt. Nicht ein einzelnes Material erzeugt den Effekt. Die Leistung entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Komponenten - Schaum, Luftkammern, Carbonplatte, Geometrie und Obermaterial. Genau diese Systemlogik prägt inzwischen den gesamten Premium-Sportschuh.
Adidas druckt den Schuh gleich als komplette Struktur
Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0) geht mit Futurecool noch einen Schritt weiter. Der im August vorgestellte Sneaker wird als nahtlose Struktur 3D-gedruckt. Statt zahlreiche Einzelteile konventionell zusammenzukleben oder zu vernähen, verbindet Adidas Harz und Spezialmaterialien direkt während der Fertigung.
Der Ansatz ermöglicht Strukturen, die mit klassischen Fertigungsverfahren nur schwer herzustellen wären. Bereiche können offener oder dichter aufgebaut werden, Material kann gezielt dort platziert werden, wo Stabilität oder Komfort benötigt werden, und die gesamte Geometrie lässt sich digital verändern.
Adidas hat zunächst lediglich 400 nummerierte Exemplare veröffentlicht. Der breitere Verkaufsstart ist für April 2027 zu einem Preis von 180 Euro geplant.
Futurecool zeigt damit, dass additive Fertigung im Schuhmarkt langsam die reine Prototypenphase verlässt. Material und Produktionsprozess werden gleichzeitig entwickelt.
First Graphene bekommt seinen ersten Produktionsauftrag im Sportschuhmarkt
Bei First Graphene ist die Größenordnung noch wesentlich kleiner. Trotzdem ist die Meldung vom 6. Oktober strategisch interessant.
Der US-Hersteller Flux Footwear hat eine erste Produktionsbestellung für PureGRAPH aufgegeben. Das Graphen soll im Graphene-XT-Trainingsschuh eingesetzt werden und nach Angaben der Unternehmen insbesondere Festigkeit und Haltbarkeit des Materials verbessern.
Der Auftragswert wurde nicht veröffentlicht. Es wäre deshalb verfrüht, daraus einen großen finanziellen Durchbruch abzuleiten.
Wichtiger ist die Kommerzialisierungsstufe. Flux wird nach First-Graphene-Angaben zum dritten Kunden im Schuhsegment, der PureGRAPH nutzt. Gleichzeitig handelt es sich um First Graphenes erste kommerzielle Produktionsanwendung im weltweiten Sportschuhmarkt. Damit verlässt die Technologie in dieser Anwendung die reine Testphase.
Graphen muss im Schuh nicht sichtbar sein
Der Ansatz unterscheidet sich stark von Nikes Air-System oder dem optisch auffälligen 3D-Druck von Adidas.
PureGRAPH soll kein eigenständiges Bauteil des Schuhs werden. Graphen wird als sehr kleiner Bestandteil in ein anderes Material integriert und soll dessen Eigenschaften verändern. Das Endprodukt kann äußerlich deshalb vollkommen gewöhnlich aussehen.
Genau darin könnte der wirtschaftliche Reiz liegen. Sportschuhe müssen enorme wiederholte Belastungen aushalten. Bei jedem Schritt werden Sohlenmaterialien komprimiert, verformt und wieder entlastet. Obermaterialien werden gebogen, gezogen und Feuchtigkeit ausgesetzt. Bei Trainingsschuhen kommen zusätzlich seitliche Belastungen und abrupte Bewegungen hinzu.
Wenn ein Additiv Festigkeit oder Haltbarkeit erhöht, ohne Material deutlich schwerer zu machen, kann es an einer Stelle ansetzen, die für Hersteller unmittelbar messbar ist.
Der eigentliche Konkurrent ist nicht Nike oder Adidas
First Graphene konkurriert natürlich nicht mit Nike oder Adidas als Schuhmarke. Eine Zusammenarbeit mit den beiden Konzernen ist ebenfalls nicht bekannt.
Der interessante Vergleich liegt im Material. Nike zeigt mit Apex, welche Summen und Entwicklungsarbeit heute in Schäume, Carbon und Luftsysteme fließen, um wenige zusätzliche Prozent Leistung herauszuholen. Adidas investiert in völlig neue Fertigungsverfahren, um Struktur und Material praktisch gleichzeitig zu gestalten. Flux versucht nun, Graphen in einen Trainingsschuh zu integrieren.
Für First Graphene entsteht dadurch eine klare Aufgabe: PureGRAPH muss nicht spektakulärer aussehen als eine Carbonplatte oder ein 3D-gedruckter Schuh. Das Material muss dem Hersteller einen reproduzierbaren Vorteil bieten, der den zusätzlichen Aufwand und die Kosten rechtfertigt.
Der dritte Schuhkunde ist wichtiger als die erste Bestellung allein
Eine einzelne Produktionsbestellung kann klein bleiben. Interessanter ist deshalb, dass Flux laut First Graphene bereits der dritte Schuhkunde im Portfolio ist.
Das deutet darauf hin, dass die Anwendung nicht ausschließlich von einer einzigen Marke abhängt. Gelingt es, eine graphenverstärkte Formulierung bei mehreren Herstellern einzusetzen, kann daraus langfristig ein wiederholbarer Anwendungsfall entstehen.
Genau diese Skalierbarkeit ist für Materialunternehmen entscheidend. First Graphene muss nicht selbst Millionen Sportschuhe verkaufen. Das Unternehmen benötigt eine Materiallösung, die sich über unterschiedliche Marken, Modelle und Fertiger hinweg integrieren lässt.
Der Sportschuhmarkt bietet dafür eine interessante Umgebung, weil Produkte häufig erneuert werden und Hersteller ständig nach messbaren Materialvorteilen suchen.
150 Milliarden US-Dollar machen selbst kleine Materialanteile interessant
Ein Marktvolumen von mehr als 150 Mrd. US-Dollar bedeutet nicht, dass Graphen einen großen Teil davon erreichen wird. First Graphene verkauft schließlich nur einen Materialzusatz, nicht den fertigen Schuh.
Die Größenordnung zeigt aber, weshalb ein kleiner Additivanbieter diesen Markt überhaupt spannend finden kann.
Nike macht den Laufschuh zum System aus Carbon, Schäumen und Air-Elementen und verspricht beim Apex 40% mehr Energierückgabe als beim Alphafly 3. Adidas verschiebt mit Futurecool die Grenze zwischen Material und Fertigungsverfahren. First Graphene bringt Graphen in einen realen Produktionsschuh.
Genau darin liegt die größere Geschichte: Sportschuhe werden immer weniger über ein einzelnes Material definiert. Ihre Performance entsteht aus einer Vielzahl hochspezialisierter Komponenten.
Graphen muss dabei nicht der Star des Schuhs werden. Für First Graphene würde es vollkommen genügen, wenn PureGRAPH eines Tages genauso selbstverständlich als funktionales Additiv eingesetzt wird wie Carbonfasern, Spezialschäume oder andere Hochleistungsmaterialien heute.
Datencheck: First Graphene meldete am 6. Oktober die erste Flux-Bestellung und bezeichnet Flux als dritten Footwear-Kunden sowie die Anwendung als erste kommerzielle Produktionsanwendung im Sportschuhmarkt von über 150 Mrd. US-Dollar. Nike nennt beim Apex bis zu 40% mehr Energierückgabe als beim Alphafly 3 und mehr als 10% weniger Gewicht. Adidas bestätigt für Futurecool die vollständig 3D-gedruckte Struktur, zunächst 400 nummerierte Paare und den weltweiten Launch im April 2027.
Quellen:
https://www.prnewswire.com/news-releases/first-puregraph-production-order-secured-with-global-sports-shoes-company-302899581.html
https://about.nike.com/de/newsroom/releases/introducing-nike-apex-the-next-leap-in-marathon-speed
https://news.adidas.com/home-of-innovation/sportswear/adidas-unveils-futurecool-the-next-era-of-3d-printed-footwear/s/644401b9-189e-47f6-8328-4460c4448805
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