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Europa produziert immer mehr Strom aus Wind und Sonne. Für Energieunternehmen entsteht daraus allerdings eine neue Herausforderung: Je größer der Anteil wetterabhängiger Erzeugung wird, desto wichtiger werden ergänzende Technologien, Speicher und ein ausgewogener Erzeugungsmix.
Wie dynamisch der Ausbau inzwischen verläuft, zeigen die Investitionen großer Energiekonzerne. RWE (ISIN: DE0007037129) hat allein seit Ende März 2025 neue Wind-, Solar- und Batteriespeicheranlagen mit einer Kapazität von 2,3 Gigawatt in Betrieb genommen. Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14) verfügte Ende des ersten Halbjahres 2026 über eine Erzeugungskapazität von rund 56,6 Gigawatt. Gleichzeitig investierte der spanische Konzern innerhalb von sechs Monaten rund sieben Milliarden Euro.
Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) setzt nicht ausschließlich auf eine Erzeugungstechnologie. Zum 31. März 2026 verfügte das Unternehmen über eine installierte Erzeugungskapazität von 561 MW Windkraft, 310 MW Wasserkraft, 133 MWp Photovoltaik und 17 MW Biomasse. Bis 2030 sollen insbesondere Windkraft und Photovoltaik weiter deutlich wachsen, konkret auf 770 MW bzw. 300 MWp.
Je mehr Wind und Sonne, desto wichtiger wird das Zusammenspiel
Windkraft und Photovoltaik besitzen einen entscheidenden Vorteil: Nach Errichtung der Anlagen benötigen sie keinen Brennstoff und können große Mengen Strom emissionsarm erzeugen. Ihre Produktion ist allerdings wetterabhängig.
Eine Photovoltaikanlage erzeugt nachts keinen Strom. Windparks produzieren abhängig von den jeweiligen Windverhältnissen. Wasserkraft, Biomasse, Speicher und flexible Erzeugung können deshalb andere Funktionen im Stromsystem übernehmen. Wie stark die tatsächliche Stromproduktion vom Wetter beeinflusst wird, zeigt das folgende Beispiel bei EVN. Im ersten Halbjahr ihres Geschäftsjahres 2025/26 lagen sowohl das Wind- als auch das Wasserdargebot unter dem langjährigen Durchschnitt. Trotz zusätzlicher Wind- und Photovoltaikkapazitäten sank die erneuerbare Stromerzeugung deshalb gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf 1.502 GWh.
Das Beispiel zeigt: Mehr installierte Leistung führt nicht in jedem Quartal automatisch zu mehr erzeugtem Strom. Für Energieunternehmen wird deshalb nicht nur entscheidend, wie viel Erzeugungskapazität sie besitzen, sondern auch, wie sich unterschiedliche Technologien ergänzen.
RWE zeigt, welche Dimension der Ausbau inzwischen erreicht
RWE gehört zu den Unternehmen, die ihren Erzeugungspark besonders stark ausbauen. Ende Juni nahm der Konzern gemeinsam mit PPC in Nordgriechenland neun neue Solarparks mit insgesamt 930 MWp Leistung in Betrieb. Die Anlagen befinden sich auf Flächen eines ehemaligen Braunkohletagebaus und sollen rechnerisch den Jahresstrombedarf von mehr als 400.000 griechischen Haushalten decken. Weitere Photovoltaikprojekte mit insgesamt 567 MWp befinden sich bereits im Bau. Auch bei der Windkraft geht der Ausbau weiter.
Am 22. Juli speiste erstmals eine Turbine des Offshore-Projekts Nordseecluster A Strom ins deutsche Netz ein. Der erste Bauabschnitt soll nach vollständiger Inbetriebnahme 660 MW leisten. Ab 2029 sollen mit Nordseecluster B weitere 900 MW hinzukommen. Zusammen kommt das Projekt damit auf rund 1,6 GW.
Nur wenige Tage zuvor kündigte RWE zudem ein Repowering-Projekt in Niedersachsen an. Drei ältere Windräder mit zusammen 5,4 MW werden durch drei moderne Anlagen ersetzt. Obwohl die Zahl der Turbinen gleich bleibt, steigt die Leistung dadurch auf 21 MW - nahezu eine Vervierfachung.
Der Ausbau schlägt sich inzwischen im Ergebnis nieder
Für Börsianer interessant ist, dass die zusätzlichen Kapazitäten zunehmend auch in den Geschäftszahlen sichtbar werden. RWE meldete Ende Juli vorläufige Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026, die über den Markterwartungen lagen. Im Segment Onshore Wind/Solar erwartet das Unternehmen für die ersten sechs Monate ein bereinigtes EBITDA von 1,016 Milliarden Euro, nach 830 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. RWE führt die Verbesserung unter anderem auf zusätzliche Erzeugungskapazitäten und günstigere Windverhältnisse in Europa zurück.
Auch das Offshore-Geschäft entwickelte sich stärker: Das bereinigte EBITDA soll im ersten Halbjahr von 643 auf 810 Millionen Euro gestiegen sein. Aufgrund der Geschäftsentwicklung hob RWE seine Ergebnisprognose für 2026 und 2027 an.
Damit wird sichtbar, warum Investoren den Ausbau der Erzeugungskapazitäten aufmerksam verfolgen: Neue Anlagen erhöhen nicht nur die installierte Leistung, sondern können bei entsprechenden Markt- und Wetterbedingungen auch zusätzliche Ergebnisbeiträge liefern.
Iberdrola kombiniert Wind, Sonne und Wasserkraft
Auch Iberdrola setzt auf einen breiten Erzeugungspark. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 verfügte der Konzern über eine weltweite Erzeugungskapazität von rund 56,6 GW. Innerhalb eines Jahres kamen mehr als zwei Gigawatt hinzu. Besonders stark wuchs die Offshore-Windkraft: Die installierte Leistung stieg um 16,2 Prozent auf 2.621 MW.
Im ersten Halbjahr erzeugte Iberdrola insgesamt 61.318 GWh erneuerbaren Strom. Gleichzeitig investierte das Unternehmen rund sieben Milliarden Euro. 63 Prozent der Investitionen entfielen zwar auf Netze - die Zahlen zeigen aber, welche Größenordnung inzwischen erforderlich ist, um Erzeugung und Infrastruktur parallel auszubauen.
Für Iberdrola spielt neben Wind- und Solarenergie traditionell auch Wasserkraft eine wichtige Rolle. Damit verfügt der Konzern über eine Technologie, deren Erzeugungsprofil sich von Wind und Photovoltaik unterscheidet. Genau diese Diversifikation kann an Bedeutung gewinnen, wenn wetterabhängige Stromproduktion einen immer größeren Anteil des Gesamtsystems ausmacht.
EVN erhöht Windkraft auf 770 MW
Bei der EVN ist Windkraft aktuell der größte einzelne Baustein innerhalb der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten. Durch die Inbetriebnahme des Windparks Gnadendorf mit 28,8 MW und das Repowering des Windparks Prellenkirchen auf 47,6 MW stieg die konzernweit installierte Windkraftleistung auf 561 MW. Bis 2030 sollen daraus 770 MW werden. Der Ausbau läuft bereits weiter. Zwei neue Windparks und weitere Repowering-Projekte mit zusammen rund 55 MW befinden sich aktuell in Umsetzung. Parallel wächst die Photovoltaik. 2025 nahm die EVN vier neue PV-Anlagen mit zusammen 22,6 MWp in Betrieb. Dadurch erhöhte sich die Photovoltaikleistung des Konzerns auf 133 MWp. Bis 2030 sieht die Strategie einen Ausbau auf 300 MWp vor. Damit würde sich die Photovoltaikleistung gegenüber dem Stand vom März 2026 mehr als verdoppeln.
Wasserkraft bleibt ein wichtiger Bestandteil
Trotz des starken Wind- und Solarausbaus besteht der erneuerbare Erzeugungspark der EVN nicht ausschließlich aus diesen beiden Technologien. Zum 31. März 2026 entfielen 310 MW der installierten erneuerbaren Kapazität auf Wasserkraft. Hinzu kamen 17 MW Biomasse. Insgesamt verfügte die EVN zu diesem Zeitpunkt über 1.022 MW erneuerbare Erzeugungskapazität. Die Wasserkraft soll dabei nicht primär durch große Neubauprogramme wachsen. Die EVN nennt vielmehr die Revitalisierung bestehender kleiner Wasserkraftwerke als Bestandteil ihres Transformationsplans. Das ist für die langfristige Strategie relevant: Wind und Photovoltaik liefern den größten Ausbau, während bestehende Wasserkraft und Biomasse den Erzeugungsmix verbreitern.
Speicher werden zur Verbindung zwischen den Technologien
Ein breiter Erzeugungsmix allein löst allerdings nicht jede Herausforderung.
Deshalb ergänzt die EVN ihre Erzeugungsstrategie zunehmend um Batteriespeicher. Bis 2030 sollen 300 MW Speicherleistung aufgebaut werden. Die Batterien sollen vor allem an bestehenden Kraftwerksstandorten installiert werden und über Flexibilitätsmanagement die Vermarktung des erzeugten Stroms optimieren. Damit entsteht zunehmend ein System aus Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft und Speichern. Wie dieses Zusammenspiel aussehen kann, zeigt die EVN bereits in Trumau und Tattendorf: Dort werden Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher an einem Standort beziehungsweise über gemeinsame Infrastruktur miteinander kombiniert.
Der Ausbau einzelner Technologien wird damit zunehmend durch die Frage ergänzt, wie diese Anlagen gemeinsam betrieben und vermarktet werden können.
Für Anleger zählt künftig mehr als nur die Zahl der Windräder
Für Börsianer verändert das die Betrachtung von Energieunternehmen.
Lange ließ sich Wachstum relativ einfach über neu installierte Wind- oder Solarleistung darstellen. In einem Stromsystem mit immer höheren Anteilen wetterabhängiger Erzeugung wird jedoch auch entscheidend, wie Unternehmen mit schwankenden Produktionsmengen umgehen. Wasserkraft, Speicher, Netzinfrastruktur, flexible Erzeugung und digitale Vermarktung können deshalb wirtschaftlich wertvoller werden. RWE kombiniert Wind, Solar, Speicher und flexible Kraftwerkskapazitäten. Iberdrola verbindet einen großen Wind- und Solarpark mit Wasserkraft und umfangreicher Netzinfrastruktur. Die EVN baut Wind und Photovoltaik aus, hält gleichzeitig Wasserkraft im Portfolio und erweitert ihre Batteriespeicherkapazitäten. Denn künftig wird weniger die einzelne Technologie über den Erfolg entscheiden als die Fähigkeit, verschiedene Komponenten zu einem funktionierenden Energiesystem zusammenzuführen.
Fazit
Windkraft und Photovoltaik bleiben die wichtigsten Wachstumstreiber der erneuerbaren Stromerzeugung. Doch je größer ihr Anteil wird, desto wichtiger werden ergänzende Technologien. RWE hat allein seit März 2025 zusätzliche Wind-, Solar- und Speicheranlagen mit 2,3 GW Leistung in Betrieb genommen und profitiert aktuell von höheren Produktionsmengen. Iberdrola erzeugte im ersten Halbjahr 2026 mehr als 61 TWh erneuerbaren Strom und investierte gleichzeitig sieben Milliarden Euro. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) setzt auf einen breiten Erzeugungsmix. Windkraft soll bis 2030 auf 770 MW und Photovoltaik auf 300 MWp wachsen. Hinzu kommen Wasserkraft, Biomasse und ein geplantes 300 MW-Batteriespeicherportfolio. Die entscheidende Frage für Energieunternehmen lautet deshalb nicht mehr nur, wer die meisten Windräder oder Solarmodule besitzt - sondern wer Strom aus unterschiedlichen Quellen am effizientesten erzeugen, speichern und verfügbar machen kann.
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Quellen:
EVN
Planmäßige Fortschritte im Windkraftausbau der EVN - 28. April 2026
https://www.evn.at/home/investor-relations/news/ir-mitteilungen/planma-ige-fortschritte-im-windkraftausbau-der-evn
Starker Windkraft- und PV-Ausbau - 12. Januar 2026
https://www.evn.at/home/presse/starker-windkraft-und-pv-ausbau
Aktionärsbrief 1. Halbjahr 2025/26
https://www.evn.at/getmedia/2e87b11e-a84d-419c-93ec-dfee6a0482a0/AB_HY1_2025_26_EN.pdf
Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2025/26
https://www.evn.at/home/presse/geschaftsverlauf-im-ersten-quartal-des-geschaftsjahres-2025-26
1,5°C-Übergangsplan / Ausbau der erneuerbaren Erzeugung
https://www.evn.at/en/home/investor-relations/news/ir-news/1-5-c-ubergangsplan-fur-die-erneuerbare-energiezukunft
EVN Strategie 2030
https://www.evn.at/home/uber-evn-konzern/strategie-2030
Fortschritte bei der Batteriespeicherstrategie - 14. Juli 2026
https://www.evn.at/home/investor-relations/news/ir-mitteilungen/die-evn-erzielt-wesentliche-fortschritte-bei-der-umsetzung-ihrer-batteriespeicherstrategie
RWE
RWE hebt Prognose für 2026 und 2027 an - 28. Juli 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-ag/2026-07-28-rwe-raises-outlook-for-fiscal-years-2026-and-2027/
Erster Strom aus Nordseecluster A - 22. Juli 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-offshore-wind-gmbh/2026-07-22-first-electricity-fed-into-grid-from-nordseecluster-a-offshore-wind-farm-off-german-coast/
Repowering Rethen-Vordorf - 15. Juli 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-renewables-europe-australia/2026-07-15-rwe-to-modernise-wind-farm-in-lower-saxony/
930 MWp neue Solarleistung in Griechenland - 29. Juni 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-renewables-europe-australia/2026-06-29-rwe-and-ppc-bring-nearly-1-gw-of-new-solar-capacity-online/
RWE Q1 2026 - Kapazitätszuwachs und Ergebnisentwicklung
https://www.rwe.com/en/press/rwe-ag/2026-05-13-rwe-delivers-strong-start-to-the-year/
Iberdrola
Ergebnisse erstes Halbjahr 2026 - 22. Juli 2026
https://www.iberdrola.com/accionistas-inversores/informacion-operativa-financiera/resultados
Installed capacity and main operational data - H1 2026
https://www.iberdrola.com/about-us/figures/main-operational-data
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