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FACC begann nicht mit dem heutigen Geschäftsmodell. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in der Forschungsabteilung eines Skiherstellers. Anfang der 1980er-Jahre untersuchte ein Team bei Fischer Ski & Tennis besonders belastbare und leichte Materialien. 1989 wurde der Bereich ausgegliedert - daraus entstand FACC. 2025 erzielte das Unternehmen 984,4 Mio. Euro Umsatz.
Eine solche Entwicklung ist ungewöhnlich, aber keineswegs einmalig. Nokia begann als Zellstofffabrik. 3M wollte ursprünglich Mineralien abbauen - und scheiterte zunächst daran. Die drei Geschichten zeigen, wie weit sich Unternehmen von ihrem Ausgangsprodukt entfernen können, wenn technisches Wissen in neue Märkte übertragen wird.
FACC entstand aus der Suche nach einem besseren Ski
Bei der FACC AG (ISIN: AT00000FACC2) stand am Anfang kein Flugzeugbauteil, sondern Materialforschung. Das Team bei Fischer suchte nach widerstandsfähigen und zugleich besonders leichten Werkstoffen. Dieses Know-how ließ sich später auf komplexere Leichtbaustrukturen übertragen. Am 1. Oktober 1989 wurde die Einheit als Fischer Advanced Composite Components ausgegliedert.
Aus der damaligen Forschungsgruppe ist ein Unternehmen mit mehr als 3.900 Beschäftigten an 15 internationalen Standorten geworden. Der Umsatz erreichte 2025 mit 984,4 Mio. Euro einen Rekordwert. Bemerkenswert an der Geschichte ist weniger der Branchenwechsel selbst als das, was erhalten blieb: Die Beschäftigung mit leichten, belastbaren Materialien bildete schon vor der Unternehmensgründung den technischen Kern.
3M wollte eigentlich Bergbau betreiben
Auch die 3M Company (ISIN: US88579Y1010) begann mit einem Geschäftsmodell, das heute kaum noch jemand mit dem Konzern verbindet. 1902 wurde die Minnesota Mining and Manufacturing Company gegründet. Die Gründer wollten Korund gewinnen, ein Mineral, das sich für Schleifmittel eignet. Die Lagerstätte lieferte jedoch nicht das erhoffte Material. Stattdessen fand sich Anorthosit - und die Verkäufe blieben schwach.
3M wechselte daraufhin die Richtung. 1905 zog das Unternehmen nach Duluth und begann, Schleifpapier mit zugekauften Mineralien herzustellen. Später folgten wasserdichtes Schleifpapier, Abdeckband und zahlreiche weitere Material- und Klebstofftechnologien. Aus dem gescheiterten Bergbauprojekt entstand ein diversifizierter Industriekonzern, der 2025 einen Umsatz von 24,9 Mrd. US-Dollar erzielte.
Nokia produzierte Zellstoff, Gummistiefel - und später Mobiltelefone
Noch drastischer verlief die Entwicklung der Nokia Oyj (ISIN: FI0009000681). Die Unternehmensgeschichte begann 1865 mit einer Zellstofffabrik. Im Laufe der Jahrzehnte war Nokia unter anderem in Papier, Kabeln, Reifen, Gummistiefeln, Elektronik, Chemie und Telekommunikation aktiv.
In den frühen 1990er-Jahren konzentrierte sich der Konzern auf Telekommunikation und verkaufte zahlreiche andere Aktivitäten. 1998 war Nokia nach eigenen Angaben zum weltweit größten Mobiltelefonhersteller aufgestiegen. Nach dem Verkauf des Mobiltelefongeschäfts 2014 änderte sich der Schwerpunkt erneut. Heute konzentriert sich Nokia vor allem auf Kommunikations- und Netzwerkinfrastruktur; für 2025 meldete der Konzern einen operativen Gewinn von rund 2,0 Mrd. Euro.
Unternehmen müssen nicht an ihrem ersten Produkt festhalten
FACC, 3M und Nokia haben sehr unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen. Bei Nokia änderte sich das Geschäftsportfolio mehrfach grundlegend. Bei 3M führte bereits das Scheitern des ursprünglichen Bergbauplans in eine andere Richtung. FACC wiederum übertrug eine vorhandene Materialkompetenz aus dem Sportbereich in neue industrielle Anwendungen.
Gerade der FACC-Weg zeigt dabei einen wichtigen Unterschied zwischen Produkt und Fähigkeit. Ein Produkt kann verschwinden oder für ein Unternehmen an Bedeutung verlieren. Technisches Wissen lässt sich dagegen unter bestimmten Voraussetzungen auf andere Anwendungen übertragen.
Aus dem Ski-Labor wurde deshalb nicht einfach zufällig ein Unternehmen mit fast einer Milliarde Euro Jahresumsatz. Die verbindende Linie ist die Materialkompetenz. FACC produziert heute etwas völlig anderes als das Fischer-Team Anfang der 1980er-Jahre entwickelte - arbeitet aber noch immer an derselben grundlegenden Aufgabe: hohe Belastbarkeit mit möglichst geringem Gewicht zu verbinden.
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Quellen
FACC - 35 Jahre Unternehmensgeschichte
https://press.facc.com/news-35-years-of-facc-innovation-in-the-aviation-industry-made-in-austria?id=194188&l=english&menueid=14308
FACC - Ergebnisse 2025
https://www.facc.com/en/news/preliminary-results-for-the-2025-financial-year/
3M - Unternehmensgeschichte
https://www.3m.com/3M/en_US/about-3m/history/
3M - Ergebnisse 2025
https://investors.3m.com/news-events/press-releases/detail/1914/3m-reports-fourth-quarter-and-full-year-2025-results
Nokia - Unternehmensgeschichte
https://www.nokia.com/system/files/files/nokia_ar15_uk_full_4_0.pdf
Nokia - Ergebnisse 2025
https://www.nokia.com/newsroom/nokia-corporation-financial-report-for-q4-2025-and-full-year-2025/
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