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FACC erzielte 2025 ein operatives Ergebnis von 42,3 Mio. Euro. Gleichzeitig lag der Free Cashflow bei 59,1 Mio. Euro. Das ist kein Rechenfehler. Gewinn und Cashflow messen unterschiedliche Dinge - und können deshalb in einem Geschäftsjahr deutlich voneinander abweichen.
Gerade bei Industrieunternehmen lohnt sich dieser zweite Blick. Eine Maschine kann bereits gekauft und bezahlt worden sein, obwohl ihr Aufwand erst über Jahre durch Abschreibungen im Ergebnis auftaucht. Umgekehrt kann ein Unternehmen Umsatz verbuchen, obwohl die zugehörige Kundenrechnung noch nicht bezahlt wurde. SAP, Mercedes-Benz und FACC zeigen, wie unterschiedlich Gewinn und Zahlungsströme aussehen können.
Der Gewinn folgt anderen Regeln als das Bankkonto
Die Gewinn- und Verlustrechnung ordnet Erträge und Aufwendungen dem Zeitraum zu, in dem sie wirtschaftlich entstehen. Die Kapitalflussrechnung fragt dagegen, wann tatsächlich Geld in das Unternehmen hinein- oder aus ihm herausfließt.
Dazwischen liegen beispielsweise Forderungen, Lagerbestände, Verbindlichkeiten und Investitionen. Steigt das Lager, ist Kapital gebunden. Zahlen Kunden ihre Rechnungen später, fehlt das Geld zunächst ebenfalls in der Kasse. Sinkende Vorräte oder höhere Lieferantenverbindlichkeiten können den Cashflow dagegen zeitweise erhöhen.
Deshalb beantwortet der Cashflow eine andere Frage als EBIT oder Jahresüberschuss: Wie viel Liquidität erzeugt das Geschäft tatsächlich?
Bei SAP werden aus 7,3 Mrd. Euro Gewinn 9,2 Mrd. Euro operativer Cashflow
Die SAP SE (ISIN: DE0007164600) erzielte 2025 einen Gewinn nach Steuern von 7,326 Mrd. Euro. Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit lag dagegen bei 9,156 Mrd. Euro. Nach Investitionen und weiteren von SAP definierten Anpassungen verblieb ein Free Cashflow von 8,239 Mrd. Euro.
Ein Blick in die Kapitalflussrechnung zeigt, warum sich beide Größen unterscheiden. SAP korrigiert den Gewinn unter anderem um Abschreibungen, aktienbasierte Vergütungen und Veränderungen bei verschiedenen Forderungen und Verbindlichkeiten. Allein die Vertragsverbindlichkeiten erhöhten den operativen Cashflow 2025 rechnerisch um 1,336 Mrd. Euro.
Der hohe Cashflow ist damit keine zweite Gewinnrechnung. Er zeigt, wann Geld aus dem operativen Geschäft tatsächlich verfügbar wird.
Mercedes-Benz zeigt die Wirkung von Lager und Investitionen
Bei der Mercedes-Benz Group AG (ISIN: DE0007100000) belief sich das bereinigte EBIT 2025 auf 8,2 Mrd. Euro. Der Free Cashflow des Industriegeschäfts erreichte 5,4 Mrd. Euro, nach 9,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Die beiden Kennzahlen sind aufgrund ihres unterschiedlichen Umfangs nicht direkt gegeneinander aufzurechnen. Die Erläuterungen von Mercedes-Benz zeigen aber besonders gut, welche Faktoren den Cashflow bewegen.
Niedrigere Lagerbestände wirkten positiv. Nettoinvestitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte belasteten den Cashflow dagegen. Ein Unternehmen kann also operativ profitabel sein und gleichzeitig viel Liquidität in neue Anlagen oder Technologien stecken. Umgekehrt kann der Abbau von Vorräten Geld freisetzen, ohne dass dadurch unmittelbar zusätzlicher Gewinn entsteht.
Bei FACC steigt der operative Cashflow auf 80,8 Mio. Euro
Die FACC AG (ISIN: AT00000FACC2) liefert für 2025 ein besonders anschauliches Beispiel. Der operative Cashflow erhöhte sich von 32,0 auf 80,8 Mio. Euro. Gleichzeitig flossen netto 21,6 Mio. Euro aus der Investitionstätigkeit ab. Daraus resultierte ein Free Cashflow von 59,1 Mio. Euro - nach lediglich 7,7 Mio. Euro im Vorjahr.
Der Geschäftsbericht führt die Verbesserung des operativen Cashflows unter anderem auf das höhere operative Ergebnis und Veränderungen im Working Capital zurück. Die Vorräte gingen beispielsweise von 178,3 auf 175,7 Mio. Euro zurück. Parallel stieg das EBIT von 28,3 auf 42,3 Mio. Euro.
Damit kamen 2025 zwei Faktoren zusammen: FACC verdiente operativ mehr und band weniger zusätzliches Geld in Teilen des laufenden Geschäfts.
Drei Zahlen beantworten drei verschiedene Fragen
Gewinn, operativer Cashflow und Free Cashflow sollten deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Gewinn zeigt die wirtschaftliche Leistung eines Zeitraums nach bilanziellen Regeln. Der operative Cashflow macht sichtbar, wie viel Geld das laufende Geschäft tatsächlich erzeugt. Der Free Cashflow berücksichtigt zusätzlich Investitionen und weitere, je nach Unternehmen unterschiedlich definierte Positionen.
SAP zeigt, wie stark operative Zahlungsströme vom bilanziellen Gewinn abweichen können. Mercedes-Benz macht den Einfluss von Lagerbeständen und Investitionen sichtbar. Bei FACC gingen 2025 steigender Gewinn und deutlich höherer Free Cashflow gleichzeitig in dieselbe Richtung.
Wer nur auf den Gewinn schaut, sieht deshalb einen wichtigen Teil der Unternehmensentwicklung nicht. Die zweite Rechnung beginnt dort, wo aus Erträgen tatsächlich Geld werden muss.
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Quellen
FACC Geschäftsbericht 2025
https://www.facc.com/en/wp-content/uploads/sites/2/2026/03/annualreport-facc-2025-en.pdf
FACC - Ergebnisse 2025
https://www.facc.com/en/news/preliminary-results-for-the-2025-financial-year/
SAP Integrierter Bericht 2025 - Fünfjahresübersicht
https://www.sap.com/integrated-reports/2025/de/datahub/financial-data/five-year-summary.html
SAP Integrierter Bericht 2025 - Kapitalflussrechnung
https://www.sap.com/integrated-reports/2025/de/datahub/financial-data/cash-flows.html
Mercedes-Benz - Ergebnisse und Geschäftsbericht 2025
https://group.mercedes-benz.com/investors/reports-news/annual-reports/2025/
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