Anzeige / Werbung

Rund 15% Wachstum p.a. und jedes Jahr eine höhere Dividende. Der viertgrößte Kekshersteller der Welt und gleichzeitig belgische Familienbäckerei kostet fast das Dreifache von Nestlé oder Mondelez. Zu Recht?
Es gibt Unternehmen, deren Produkt jeder schon einmal in der Hand hatte und deren Namen trotzdem fast niemand nennen kann. Der kleine karamellisierte Keks im rot-weißen Papier, der zum Kaffee im Restaurant gereicht wird, ist so ein Fall. Die meisten Menschen kennen den Geschmack, viele kennen inzwischen sogar den Markennamen Biscoff. Dass dahinter ein börsennotiertes Familienunternehmen aus einem flämischen Dorf steht, das seit einem Vierteljahrhundert jedes Jahr mehr verdient als im Vorjahr, wissen die wenigsten. Die Geschichte, wie aus einer Dorfbäckerei der viertgrößte Kekshersteller der Welt wurde, ist dabei nicht einmal der interessanteste Teil, interessanter ist das Erfolgsrezept, mit dem das Unternehmen heute wächst.
Lotus Bakeries wurde 1932 in Lembeke gegründet, einem Ort bei Gent, und backte zunächst das, was man in Belgien seit Jahrhunderten backt, nämlich Speculoos, in Deutschland auch bekannt als Spekulatius. Aus diesem regionalen Gebäck ist über Jahrzehnte eine globale Marke geworden. Wer heute nach einem dieser Begriffe sucht, landet unweigerlich bei Lotus Biscoff.
Quelle: Lotus Bakeries, Produktionslinie
Biscoff ist damit die wichtigste Marke von Lotus Bakeries und steuert annähernd 60% der Konzernerlöse bei. Dabei gibt es Biscoff längst nicht mehr nur als Keks, sondern auch als Brotaufstrich und als Eis.
Daneben steht ein zweites Standbein mit regional starken Marken wie nakd, TREK, BEAR und Kiddylicious, das den Trend zu natürlicheren Snacks bedient. Im Geschäftsjahr 2025 kam der Konzern so auf über 1,3 Mrd. Euro Umsatz und 172 Mio. Euro Gewinn. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Umsatz um weitere 14,0% auf 750 Mio. Euro zu, das Nettoergebnis sogar um 23,5% auf 98,1 Mio. Euro. Biscoff allein wuchs bei Volumen und Umsatz um jeweils mehr als 20%. Lotus Bakeries ist ein Musterbeispiel für eine Weiter-so-Aktie, also für Firmen mit einem jahrzehntelangen Erfolgsrezept, das auch in Zukunft trägt. Genau die Art von Unternehmen, die wir für den ACATIS Small Diamonds suchen.
Quelle: Lotus Bakeries, Markenübersicht
Der eigentliche Hebel dieser Geschichte wird an einer Stelle sichtbar, die man leicht überliest. Mondelez, der Konzern hinter Oreo und damit einer der mächtigsten Keksanbieter der Welt, könnte einen karamellisierten Keks jederzeit selbst herstellen. Stattdessen hat Mondelez die Biscoff-Schokoladenrange ausgeweitet und den belgischen Keks in eigene Traditionsmarken wie Toblerone, Suchard, Freia und Marabou integriert, mit weiteren Plänen, Biscoff-Kekse mit Markenschokolade zu überziehen. Für den brasilianischen Markt wird derzeit ein gemeinsamer Geschäftsplan diskutiert, nach dem Vorbild der bereits in Indien erfolgreich umgesetzten Zusammenarbeit. Parallel dazu hat der Eiskonzern Froneri, unter anderem bekannt für Mövenpick, Nuii und Schöller, eine neue Biscoff-Eisreihe in dreizehn europäischen Märkten eingeführt. Lotus verkauft in diesen Fällen keine Kekse, sondern einen Geschmack, der anderen Herstellern zusätzlichen Umsatz bringt. Wer eine Marke lizenziert, statt sie zu kopieren, hat entschieden, dass Nachahmung teurer käme als die Lizenz. Kaum etwas belegt Preismacht so deutlich wie diese Entscheidung, und zwar ohne dass Lotus dafür eigene Fabriken, eigene Vertriebsmannschaften oder eigenes Marketingbudget einsetzen muss.
Wie viel Weg noch vor dem Unternehmen liegt, zeigt der amerikanische Markt. In den USA ist Biscoff sowohl im Keks- als auch im Aufstrichsegment die am schnellsten wachsende Marke, und im ersten Halbjahr 2026 wurde erstmals die Schwelle von 10% Haushaltsdurchdringung überschritten. Diese Zahl liest sich harmlos, ist aber die eigentliche Pointe. Zehn von hundert amerikanischen Haushalten haben das Produkt im Schrank, neunzig noch nicht. Etablierte amerikanische Keksmarken liegen um ein Vielfaches darüber. Der Markt, den Lotus in den USA bereits bearbeitet, ist also nicht annähernd ausgereizt, und er wächst nicht durch Preiserhöhungen, sondern durch neue Käufer.
Im selben Zeitraum baut das Unternehmen den asiatischen Markt auf. Das neue Werk im thailändischen Chonburi ist seit dem ersten Halbjahr 2026 vollständig in Betrieb und übertrifft nach Unternehmensangaben die Erwartungen. Insgesamt sollen zwischen 2026 und 2030 mindestens 500 Mio. Euro in die drei Biscoff-Standorte Mebane in den USA, Lembeke in Belgien und Chonburi fließen, allein für 2026 und 2027 sind über 250 Mio. Euro vorgesehen. Das ist das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte, und es wird aus eigener Kraft gestemmt. Die Nettofinanzverschuldung lag zur Jahresmitte bei rund 115 Mio. Euro, was lediglich dem 0,3-Fachen des EBITDA entspricht. Bemerkenswert daran ist die Richtung der Kausalität. Lotus investiert nicht, um Nachfrage zu erzeugen, sondern weil die vorhandene Nachfrage an der Ofenkapazität scheitert. Das ist ein angenehmes Problem, erklärt aber noch nicht, warum dieser eine Keks für seine Eigentümer wertvoller ist als das Sortiment eines Konzerns, der rund siebzigmal so viel umsetzt.
Genau hier lohnt der Blick auf Nestlé. Der Schweizer Riese führt über zweitausend Marken in praktisch jeder Kategorie des Lebensmittelregals. Bei der operativen Marge kann er durchaus mithalten, mit 16,1% im Jahr 2025 gegenüber 17,5%, die Lotus im ersten Halbjahr 2026 erreichte. Dort endet die Ähnlichkeit allerdings. Für 2026 peilt Nestlé ein organisches Wachstum von 3% bis 4% an, Lotus hat allein im ersten Halbjahr 14% geliefert. Und entscheidend ist ohnehin nicht, was ein Unternehmen pro Umsatzeuro verdient, sondern was es aus dem eingesetzten Kapital macht. Die Kapitalrendite von Lotus liegt bei rund 17% und die Eigenkapitalrendite bei etwa 21%, ein Niveau, das seit einem Vierteljahrhundert gehalten wird.
Der Unterschied ist weniger eine Frage der Betriebsgröße als der Kontinuität, und Kontinuität ist in erster Linie eine Frage der Eigentümerstruktur. Wie sehr sie fehlen kann, zeigt ausgerechnet der Schweizer Vergleichskonzern. Nestlé hat innerhalb von zwölf Monaten zwei Vorstandschefs verloren, zunächst Mark Schneider und danach dessen Nachfolger Laurent Freixe. Wenige Wochen später gab auch Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke unter Investorendruck sein Amt früher ab als vorgesehen. Jede dieser Entscheidungen korrigiert eine frühere, und in der Zwischenzeit ist ein Konzern vor allem mit sich selbst beschäftigt.
Quelle: Lotus Bakeries, CEO Jan Boone
Lotus Bakeries hat in denselben zwölf Monaten im Kern eine einzige strategische Entscheidung getroffen, nämlich mehr Kapazität für Biscoff zu bauen. Die Familien Boone und Stevens halten die Mehrheit der Anteile, Jan Boone führt das Unternehmen in dritter Generation und ist seit über zwei Jahrzehnten an Bord. Wer selbst der größte Aktionär ist, muss sich nicht über eine neue Strategie profilieren und kann Kapital dorthin lenken, wo es in zehn Jahren wirkt, statt in Zukäufe, die im nächsten Berichtszyklus Schlagzeilen machen. Die Margen und Kapitalrenditen, die Lotus von den Großen der Branche abheben, sind deshalb weniger ein Geheimnis der Rezeptur als das Ergebnis einer Planung, die ein Vierteljahrhundert lang in dieselbe Richtung gelaufen ist.
Bleibt der unangenehme Teil. Diese makellose Qualität hat einen Preis, und er ist hoch. Auf Basis des Gewinns je Aktie aus dem Jahr 2025 wird Lotus Bakeries derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 55 bewertet. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Jahr sind es rund 45. Nestlé und Mondelez kosten ungefähr ein Drittel davon, wachsen dafür aber seit Jahren im niedrigen einstelligen Bereich.
Im Jahr 2024 hatte das Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Spitze sogar rund 70 erreicht, bevor eine Korrektur einsetzte. Diese Schwankungen in der Bewertung kommen immer wieder und sind für geduldige Investoren die geeigneten Einstiegszeitpunkte. Inzwischen notiert die Aktie wieder in der Nähe ihres Allzeithochs.
Wer hier eine Sicherheitsmarge im klassischen Sinn sucht, wird sie nicht finden. Was den Preis dennoch tragen kann, ist eine schlichte Rechnung. Wächst der Gewinn weiter mit etwa 15% pro Jahr, verdoppelt er sich in gut fünf Jahren. Aus dem 55-Fachen wird dann, bei unverändertem Kurs, das 27-Fache. Die Bewertung arbeitet sich also von selbst ab, solange die operative Erfolgsserie hält. Bricht sie, wirkt derselbe Hebel in die andere Richtung, und die Abhängigkeit von einer einzigen Marke bleibt dabei der wunde Punkt. Ein Unternehmen, das 25 Jahre lang ohne einen einzigen Gewinnrückschlag ausgekommen ist, bekommt man eben nicht zum Schnäppchenpreis.
Quelle: Lotus Bakeries Geschäftsbericht 2025, Dividendenentwicklung pro Aktie
Unsere Konsequenz daraus ist unspektakulär. Wir kaufen im ACATIS Small Diamonds ein solches Unternehmen nicht auf Höchstständen nach, sondern warten, bis der Markt die Geduld verliert, und genau das tut er bei hoch bewerteten Qualitätswerten verlässlich alle paar Jahre. Jede Bewertungskorrektur war bisher für uns eine Gelegenheit, die Position auszubauen, weil ein intakter Zinseszinseffekt auf lange Sicht mächtiger ist als jeder einzelne Kaufzeitpunkt.
Also abwarten bei einer Tasse Tee oder Kaffee, am besten mit einem kleinen Biscoff-Keks.
Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können. Folgen Sie David Houdek auf LinkedIn für weiteren Content rund um Aktien, Börse und Investieren.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein - es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.
Enthaltene Werte: BE0003604155,CH0038863350,US6092071058,DE000A40HXXX
Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die Informationen ersetzen keine, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. ABC New Media hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss und vor Veröffentlichung der Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Autoren wie z.B. Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen, Unternehmen. Infolgedessen können die Inhalte der Beiträge auch nicht von Anlageinteressen von ABC New Media und / oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen, Unternehmen gehören nicht der Redaktion von ABC New Media an. Ihre Meinungen spiegeln nicht notwendigerweise die Meinungen und Auffassungen von ABC New Media und deren Mitarbeiter wider. (Ausführlicher Disclaimer)


