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Die Trump-Regierung verschärft den Ton gegenüber China - und diesmal trifft es einen der größten amerikanischen Autobauer. US-Verkehrsminister Sean Duffy hat Ford wegen seiner Geschäftsbeziehungen zu chinesischen Unternehmen scharf kritisiert und insbesondere die Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Batteriehersteller CATL ins Visier genommen. Das ist bemerkenswert, denn die Ford Motor Company (ISIN: US3453708600) produziert inzwischen selbst LFP-Batteriezellen in Michigan und will gleichzeitig massiv in den Markt für stationäre Batteriespeicher einsteigen. Doch genau hier beginnt ein Problem, das weit über Ford hinausgeht: Eine Batterie kann in Amerika gebaut werden und trotzdem von einer Lieferkette abhängen, die weiter von China dominiert wird. Bei Graphit ist diese Abhängigkeit besonders ausgeprägt. Die Internationale Energieagentur beziffert Chinas Anteil an der weltweiten Graphitverarbeitung auf mehr als 90 Prozent. Für Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) könnte genau diese Entwicklung langfristig interessant werden. Das kanadische Unternehmen will mit seinem Lac-Knife-Projekt in Québec nicht nur Graphit fördern, sondern arbeitet gemeinsam mit dem US-Batterietechnologieunternehmen C4V an einem nordamerikanischen Weg bis zum fertigen Anodenmaterial. Und ausgerechnet jetzt wird Lac Knife beim von Kanadas Premierminister Mark Carney ausgerichteten Canada Investment Summit internationalen Investoren präsentiert.
Die Trump-Regierung nimmt Ford ins Visier
Auslöser der jüngsten Auseinandersetzung ist ein Schreiben von US-Verkehrsminister Sean Duffy an Ford-Chef Jim Farley. Reuters berichtete am 8. September, Duffy habe darin Fords Beziehungen zu mehreren chinesischen Unternehmen als problematisch bezeichnet. Neben Geely und BYD rückte insbesondere Contemporary Amperex Technology Co. Limited, kurz CATL, in den Mittelpunkt. Ford nutzt Technologie des chinesischen Batterieherstellers für seine eigene LFP-Batterieproduktion in Michigan. Duffy verband die Geschäftsbeziehungen mit Fragen der nationalen Sicherheit und forderte Ford auf, seine Verbindungen zu chinesischen Unternehmen zu überdenken. Der Streit eskalierte anschließend weiter. Auch republikanische Abgeordnete griffen Ford an. Dabei zeigt sich allerdings ein interessantes Spannungsfeld innerhalb der Trump-Regierung: Während Duffy scharfe Kritik äußerte, würdigte das Weiße Haus Ford gleichzeitig als großes amerikanisches Unternehmen und hob dessen Investitionen in die heimische Produktion hervor. Präsident Donald Trump selbst hatte sich zuvor ebenfalls offen für chinesische Unternehmen gezeigt, wenn diese Produktionsstätten in den USA errichten und amerikanische Arbeitnehmer beschäftigen. Die politische Linie ist also keineswegs widerspruchsfrei. Der grundsätzliche Trend ist jedoch deutlich: Washington beschäftigt sich immer intensiver mit der Frage, wie viel chinesische Technologie und chinesische Wertschöpfung in strategisch wichtigen amerikanischen Lieferketten akzeptabel sein soll.
Ford zeigt, wie kompliziert "Made in America" geworden ist
Genau deshalb ist Ford ein interessantes Beispiel. Der BlueOval Battery Park Michigan gehört Ford und beschäftigt amerikanische Arbeitnehmer. Im Juni meldete das Unternehmen, dass dort bereits vollständige prismatische LFP-Zellen von der Herstellung der Elektrodenbeschichtung bis zur Zellformation zusammengesetzt werden. Ford will 2026 mit der Auslieferung von LFP-Batterien für Elektrofahrzeuge beginnen. Gleichzeitig macht Ford keinen Hehl daraus, woher ein Teil des technologischen Know-hows stammt. Das Unternehmen bezeichnet die Fortschritte in Michigan ausdrücklich als Ergebnis seiner Zusammenarbeit mit CATL und orientiert sich bei der Produktionsvalidierung an Verfahren des chinesischen Batteriekonzerns. Damit entsteht eine interessante industriepolitische Frage: Wann ist eine Batterielieferkette tatsächlich amerikanisch? Reicht es, wenn Fabrik, Arbeitnehmer und Produktion in Michigan stehen? Oder muss zusätzlich die Technologie amerikanisch sein? Und was ist mit den Materialien, aus denen die Zellen gefertigt werden? Genau bei der letzten Frage führt die Debatte zwangsläufig weiter zurück in die Lieferkette.
Ford steigt gleichzeitig in den nächsten Milliardenmarkt für Batterien ein
Die Diskussion betrifft längst nicht mehr nur Elektroautos. Mit Ford Energy baut der Konzern inzwischen ein eigenes Geschäft für stationäre Batteriespeicher auf. Im Mai schloss Ford Energy mit EDF power solutions North America einen fünfjährigen Rahmenvertrag über potenziell bis zu 20 GWh Battery Energy Storage Systems ab. EDF kann demnach jährlich bis zu vier GWh Batteriespeicher beziehen. Die Auslieferungen sollen 2028 beginnen. Damit wird sichtbar, warum der Kampf um Batterielieferketten immer wichtiger wird. Batterien werden nicht mehr ausschließlich in Elektroautos eingebaut. Immer größere Mengen werden als stationäre Speicher neben Solarparks, Windparks, Industrieanlagen und Stromnetzen installiert. Solche Battery Energy Storage Systems, kurz BESS, können Strom aufnehmen, wenn viel Energie verfügbar ist, und ihn später wieder abgeben. Sie helfen damit unter anderem, schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen und Stromnetze zu stabilisieren. Für Ford entsteht daraus ein neuer Absatzmarkt. Für die Rohstoffindustrie entsteht ein zusätzlicher Nachfragetreiber.
LFP reduziert Nickel und Kobalt - aber nicht die Bedeutung von Graphit
Besonders interessant ist dabei die Batteriechemie. Ford setzt in Michigan auf Lithium-Eisenphosphat, kurz LFP. Gegenüber bestimmten nickel- und kobalthaltigen Kathodenchemien kommt LFP ohne Nickel und Kobalt in der Kathode aus. Genau deshalb wird die Technologie häufig als Möglichkeit dargestellt, einige kritische Rohstoffabhängigkeiten zu reduzieren. Doch daraus folgt nicht, dass die Batterie ohne kritische Rohstoffe auskommt. Denn LFP beschreibt in erster Linie die Kathodenchemie. Auf der anderen Seite der Zelle befindet sich die Anode - und dort ist Graphit weiterhin das dominierende Material. Das ist ein entscheidender Punkt für die aktuelle Rohstoffdiskussion. Der Aufbau einer LFP-Fabrik kann die Abhängigkeit von Nickel und Kobalt reduzieren. Er beseitigt aber nicht automatisch die Abhängigkeit bei Anodenmaterialien. Und genau hier besitzt China eine außergewöhnlich starke Marktposition.
China kontrolliert mehr als 90 Prozent der Graphitverarbeitung
Die Internationale Energieagentur zählt Graphit inzwischen zu den Rohstoffen mit besonders hoher Versorgungsrisiko-Exposition. Nach ihrem Global Critical Minerals Outlook 2026 entfallen bei Graphit mehr als 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung auf China. Damit unterscheidet sich das Problem fundamental von der Frage, ob irgendwo außerhalb Chinas genügend Graphit im Boden liegt. Eine Batterie benötigt kein Erz aus einer Lagerstätte. Sie benötigt ein Material mit definierten chemischen und physikalischen Eigenschaften, das zahlreiche Verarbeitungsschritte durchlaufen hat. Naturgraphit muss zunächst gefördert und konzentriert werden. Für klassische Batterieanwendungen folgen weitere Schritte wie Reinigung, Formgebung beziehungsweise Sphäronisierung und Beschichtung, bevor ein geeignetes Anodenmaterial entstehen kann. Anschließend muss dieses Material die technischen Anforderungen eines Zellherstellers erfüllen und qualifiziert werden. Genau deshalb ist die heutige Dominanz Chinas nicht allein eine Minenstory. Sie ist vor allem eine Processing-Story.
Reuters warnt ausgerechnet jetzt: Chinas Position bei Graphit ist sogar stärker geworden
Die Aktualität dieser Frage zeigt eine Reuters-Analyse vom 14. September. Obwohl die USA Milliarden in kritische Rohstoffe investieren, bleibt China in zentralen Bereichen der Lieferkette dominant. Bei der Verarbeitung von Lithium, Kobalt und Graphit hat sich Chinas Position laut den von Reuters ausgewerteten Daten zuletzt sogar erhöht. Gleichzeitig steigt der strategische Druck. China hat bereits Exportkontrollen für Graphit eingeführt. Auf der Nachfrageseite wachsen dagegen Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und stationäre Batteriespeicher weiter. Damit entsteht genau das Dilemma, das sich am Beispiel Ford beobachten lässt. Die USA können Batteriefabriken errichten und riesige BESS-Projekte aufbauen. Wenn wichtige Materialien oder Verarbeitungsschritte weiterhin stark auf einen einzigen ausländischen Anbieter konzentriert bleiben, ist die Lieferkette trotzdem nicht vollständig diversifiziert. Eine amerikanische Batteriefabrik ist eben noch keine amerikanische Batterielieferkette.
Und genau hier kommt Focus Graphite ins Spiel
Für Focus Graphite ist diese Entwicklung deshalb wesentlich relevanter als ein kurzfristiger Streit zwischen Washington und Ford. Das Unternehmen entwickelt mit Lac Knife in Québec ein hochgradiges Naturgraphitprojekt in unmittelbarer geografischer Nähe zum amerikanischen Markt. Nach der Machbarkeitsstudie von 2023 verfügt Lac Knife über Probable Mineral Reserves von 9,31 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 14,97 Prozent graphitischem Kohlenstoff. Die Studie sieht bei einer potenziellen Minenlaufzeit von 27 Jahren eine Produktion von ungefähr 50.000 Tonnen Graphitkonzentrat pro Jahr vor. Focus produziert allerdings noch nicht kommerziell. Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Die strategische Frage lautet deshalb nicht, ob Focus heute Ford, Tesla oder einen anderen Batteriehersteller beliefert. Das tut das Unternehmen nicht. Interessant ist vielmehr, ob Lac Knife langfristig Bestandteil einer nordamerikanischen Graphit- und Anodenmateriallieferkette werden kann. Und genau daran arbeitet das Unternehmen inzwischen wesentlich konkreter.
98,7 Prozent Kohlenstoff ohne chemische Reinigung
Ende Juli meldete Focus Ergebnisse eines Pilotprogramms bei SGS Canada. Rund acht Tonnen Erz aus Lac Knife mit einem durchschnittlichen Kohlenstoffgehalt von 18,9 Prozent wurden verarbeitet. Daraus entstanden ungefähr 850 Kilogramm Graphitkonzentrat. Je nach Größenfraktion erreichte das Material zwischen 95,0 und 98,7 Prozent Kohlenstoff. Besonders relevant ist, wie dieses Ergebnis erzielt wurde: ausschließlich durch mechanische Konzentration, ohne chemische oder thermische Reinigung. Das ist deshalb wichtig, weil die Qualität des Ausgangskonzentrats beeinflussen kann, wie aufwendig die anschließende Verarbeitung zu höherwertigen Graphitprodukten wird. Ein hoher Reinheitsgrad nach der mechanischen Aufbereitung bedeutet noch nicht, dass das Material automatisch für eine Batterie geeignet ist. Er kann aber eine günstigere Ausgangsposition für nachfolgende Verarbeitungsschritte schaffen. Und genau dort kommt C4V ins Spiel.
Focus und C4V wollen aus kanadischem Graphit fertiges Anodenmaterial machen
Am 26. August unterzeichneten Focus und das US-amerikanische Batterieunternehmen Charge CCCV LLC, kurz C4V, ein unverbindliches Memorandum of Understanding. Ziel ist ein sogenannter Mine-to-Anode-Pfad: Graphit aus Kanada soll mit amerikanischer Verarbeitungstechnologie zu fertigem Batterieanodenmaterial weiterentwickelt werden. C4Vs Green Anode Technology ist darauf ausgelegt, hochwertiges Naturgraphitkonzentrat direkt in beschichtetes, sphärisches und gereinigtes Graphit - coated spherical purified graphite oder cSPG - umzuwandeln. Nach Angaben der Unternehmen benötigt der Prozess ein Naturgraphitkonzentrat mit ungefähr 98 Prozent Kohlenstoff. Genau diese Größenordnung konnte Lac Knife im jüngsten Pilotprogramm in bestimmten Fraktionen bereits durch konventionelle mechanische Verarbeitung erreichen. Der Unterschied zur klassischen Minenstory ist entscheidend. Focus versucht nicht nur, eine Lagerstätte bis zur Produktion zu entwickeln. Gemeinsam mit C4V soll geprüft werden, ob aus dem Material ein Produkt entstehen kann, das wesentlich näher an der tatsächlichen Batteriezelle liegt.
Ausgerechnet C4V kennt den Weg bis zur Kundenqualifizierung
C4V bringt dabei Erfahrung mit, die für die aktuelle Diskussion besonders interessant ist. Das Unternehmen hat bereits an Naturgraphit-Anodenmaterial gearbeitet, das einen mehrjährigen Entwicklungs- und Qualifizierungsprozess durchlief. Eine frühere Zusammenarbeit von C4V mit Magnis Energy Technologies führte schließlich dazu, dass Magnis 2023 einen verbindlichen Abnahmevertrag für Anodenmaterial mit Tesla Inc. (ISIN: US88160R1014) meldete. Tesla sollte laut damaliger Vereinbarung zunächst mindestens 17.500 Tonnen Anodenmaterial pro Jahr abnehmen und besaß eine Option auf bis zu 35.000 Tonnen jährlich. Die Vereinbarung war allerdings an mehrere Bedingungen geknüpft, darunter Produktionsaufbau und Kundenqualifizierung. Der damalige kommerzielle Pfad wurde später nicht wie ursprünglich vorgesehen umgesetzt. Focus war an dieser Tesla-Vereinbarung nicht beteiligt. Es gibt auch heute keine bekannte Vereinbarung zwischen Tesla und Focus. Die Historie zeigt dennoch, warum C4V für Focus interessant ist: Das Unternehmen kennt den Weg vom Naturgraphit über die Materialentwicklung bis in einen industriellen Qualifizierungsprozess. Genau diese Lücke zwischen Mine und Batterie ist heute eines der größten Probleme beim Aufbau einer westlichen Graphitlieferkette.
Ford, CATL und Focus erzählen deshalb dieselbe Lieferketten-Geschichte
Auf den ersten Blick könnten Ford und Focus kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht einer der größten amerikanischen Automobilkonzerne, auf der anderen ein kanadischer Graphitentwickler ohne kommerzielle Produktion. Doch die aktuelle Auseinandersetzung zeigt, warum beide Unternehmen Teil derselben industriepolitischen Frage sind. Ford kann eine LFP-Batteriefabrik in Michigan errichten. Ford Energy kann einen Rahmenvertrag über bis zu 20 GWh Batteriespeicher abschließen. Washington kann gleichzeitig verlangen, chinesische Technologieabhängigkeiten zu reduzieren. Doch irgendwo müssen die Materialien für diese Batterien herkommen. Bei Graphit bedeutet das nicht nur, eine alternative Mine zu finden. Es bedeutet, eine komplette Wertschöpfungskette aufzubauen: Ressource, Konzentration, Reinigung, Anodenmaterial, Kundenqualifizierung und schließlich industrielle Produktion. Genau deshalb ist die C4V-Vereinbarung für Focus strategisch interessanter als ein gewöhnliches Laborprogramm. Sollte die technische Validierung erfolgreich sein, könnte sie laut Focus die Grundlage für weitere Kundenqualifizierungen, strategische Partnerschaften, Downstream-Produktion und potenzielle langfristige Abnahmevereinbarungen schaffen. Das ist eine Möglichkeit - noch kein kommerzieller Erfolg.
Und jetzt rückt Lac Knife auch bei Carneys Investment Summit ins Rampenlicht
Ausgerechnet während Washington über die Abhängigkeit amerikanischer Batterielieferketten diskutiert, hat Focus am 10. September einen weiteren Schritt gemeldet. Lac Knife wurde in das Investment Deal Book für den Canada Investment Summit 2026 aufgenommen. Der Gipfel findet am 14. und 15. September in Toronto statt und wird von Kanadas Premierminister Mark Carney gemeinsam mit CPP Investments und PSP Investments ausgerichtet. Focus nimmt an der Veranstaltung teil und präsentiert Lac Knife damit in einem Umfeld, das ausdrücklich internationales und institutionelles Kapital für kanadische Investitionsprojekte mobilisieren soll. Die Zahlen erklären, warum das für Focus wichtig ist. Die Machbarkeitsstudie von 2023 kalkuliert für Lac Knife über die Lebensdauer der Mine mit 2,76 Milliarden kanadischen Dollar Umsatz. Der Vorsteuer-NPV bei einem Diskontsatz von acht Prozent liegt bei 500,6 Millionen kanadischen Dollar, der Nachsteuer-NPV bei 284,8 Millionen kanadischen Dollar. Die geschätzten Investitionskosten vor Produktionsbeginn liegen bei rund 236,9 Millionen kanadischen Dollar. Diese Zahlen stammen aus der Machbarkeitsstudie und sind keine Garantie für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Projekts. Sie zeigen aber die zentrale Herausforderung: Aus einer strategischen Lagerstätte wird erst dann eine reale Lieferquelle, wenn genügend Kapital für den Bau mobilisiert werden kann.
Kanada versucht genau diese Lücke zu schließen
Interessant ist dabei ein möglicher steuerlicher Vorteil, den die ursprüngliche Machbarkeitsstudie noch nicht berücksichtigt. Kanadas Clean Technology Manufacturing Investment Tax Credit sieht unter bestimmten Voraussetzungen eine erstattungsfähige Steuergutschrift von 30 Prozent auf qualifizierende Investitionen vor. Dazu können auch bestimmte Investitionen im Zusammenhang mit Förderung und Verarbeitung von Graphit gehören. Focus rechnet dazu ausdrücklich nur ein illustratives Beispiel vor: Würden die gesamten in der Studie veranschlagten anfänglichen Investitionskosten von 236,9 Millionen kanadischen Dollar die Voraussetzungen erfüllen, entspräche die 30-prozentige Gutschrift theoretisch rund 71,1 Millionen kanadischen Dollar. Die effektive Kapitalbelastung könnte dann rechnerisch auf etwa 165,8 Millionen kanadische Dollar sinken. Focus weist jedoch selbst darauf hin, dass dies keine aktualisierte Wirtschaftlichkeitsrechnung ist. Ob und in welcher Höhe Lac Knife tatsächlich von der Steuergutschrift profitieren kann, hängt von der konkreten Qualifizierung einzelner Ausgaben und weiteren gesetzlichen Voraussetzungen ab. Trotzdem zeigt das Beispiel, wie Kanada versucht, aus Rohstoffpolitik reale Investitionsanreize zu machen.
Das eigentliche Rennen beginnt nicht in der Mine
Genau das ist möglicherweise die wichtigste Lehre aus dem Streit zwischen der Trump-Regierung und Ford. Die USA haben erkannt, dass Batterien strategische Infrastruktur sind. Ford investiert Milliarden in amerikanische LFP-Produktion. Mit Ford Energy expandiert der Konzern gleichzeitig in den schnell wachsenden BESS-Markt. Doch die Diskussion um CATL zeigt, dass heimische Produktion allein Washington nicht mehr genügt. Die Frage wandert immer weiter zurück durch die Wertschöpfungskette: Wer besitzt die Technologie? Wer produziert die Zelle? Wer stellt das Anodenmaterial her? Wer reinigt das Graphit? Und schließlich: Woher kommt der Rohstoff? Für Graphit ist diese Frage besonders brisant, weil China laut IEA weiterhin mehr als 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung kontrolliert. Je stärker die USA Batterien für Elektrofahrzeuge, Stromnetze und stationäre Speicher im eigenen Land produzieren wollen, desto offensichtlicher wird diese vorgelagerte Abhängigkeit.
Die Chance für Focus ist groß - die Risiken bleiben es ebenfalls
Für Focus bedeutet das keineswegs, dass Ford, Tesla oder ein anderer großer Batteriehersteller automatisch zum Kunden wird. Es gibt derzeit keine bekannte Liefervereinbarung zwischen Focus und Ford, CATL oder Tesla. Auch das C4V-MoU ist unverbindlich. Lac Knife befindet sich weiterhin vor der kommerziellen Produktion. Focus muss Finanzierung, Genehmigungen, Infrastruktur, Projektbau und Produktionshochlauf bewältigen. Anschließend muss Material für konkrete Anwendungen technisch qualifiziert werden. Rohstoffpreise und internationale Konkurrenz können die Wirtschaftlichkeit ebenfalls beeinflussen. Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Eine strategische westliche Lieferkette ist politisch erwünscht, muss langfristig aber auch wirtschaftlich funktionieren. Darin liegt gleichzeitig die Chance. Wenn Nordamerika tatsächlich einen größeren Teil seiner Batterieproduktion lokalisieren will, reicht es nicht, lediglich Zellfabriken zu errichten. Unternehmen müssen auch Lösungen für die vorgelagerten Materialien finden. Projekte, die Ressource, hohe Konzentratsqualität und einen glaubwürdigen Downstream-Pfad miteinander verbinden können, könnten deshalb strategisch wertvoller werden.
Fazit
Die Trump-Regierung greift Ford wegen seiner Beziehungen zu CATL an, während Ford gleichzeitig LFP-Batterien in Michigan produziert und mit Ford Energy einen Rahmenvertrag über potenziell bis zu 20 GWh stationäre Batteriespeicher abgeschlossen hat. Genau darin zeigt sich das Dilemma der amerikanischen Batteriepolitik: Eine Fabrik kann in den USA stehen - und ihre Lieferkette kann trotzdem von chinesischer Technologie oder chinesischer Rohstoffverarbeitung abhängig bleiben. Bei Graphit ist das Problem besonders ausgeprägt. China kontrolliert laut IEA mehr als 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung. Die aktuelle Reuters-Analyse zeigt zudem, dass Chinas Dominanz bei der Verarbeitung von Graphit trotz amerikanischer Gegenmaßnahmen zuletzt nicht einfach verschwunden ist. Für Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) ist das noch keine Umsatzstory. Aber es ist genau das industrielle Umfeld, in dem Lac Knife langfristig interessant werden könnte. Focus verfügt über ein hochgradiges kanadisches Graphitprojekt, hat im Pilotmaßstab Konzentrat mit bis zu 98,7 Prozent Kohlenstoff hergestellt und untersucht gemeinsam mit C4V den Weg bis zum fertigen Anodenmaterial. Gleichzeitig wird Lac Knife jetzt beim von Premierminister Mark Carney ausgerichteten Canada Investment Summit internationalen Kapitalgebern präsentiert. Ford zeigt gerade, warum diese vorgelagerte Lieferkette wichtig ist. Die USA können Milliarden in Batteriefabriken und Batteriespeicher investieren. Doch solange bei einem zentralen Anodenrohstoff mehr als 90 Prozent der Verarbeitung in China konzentriert sind, bleibt eine entscheidende Frage ungelöst: Wer liefert das Graphit für eine wirklich nordamerikanische Batterie?
Quelle:
Reuters - Trump administration blasts Ford's business deals with Chinese firms, 08.09.2026
https://www.reuters.com/business/autos-transportation/trump-administration-blasts-ford-business-deals-with-chinese-firms-2026-09-08/
Reuters - Ford caught in escalating Washington clash over China deals, 10.09.2026
https://www.reuters.com/business/autos-transportation/ford-caught-escalating-washington-clash-over-china-deals-2026-09-10/
Reuters - US invests in critical minerals but China maintains grip, 14.09.2026
https://www.reuters.com/business/energy/us-invests-critical-minerals-china-maintains-grip-reeii-2026-09-14/
Ford - BlueOval Battery Park Michigan Hits Hiring and LFP Production Milestones, 17.06.2026
https://www.fromtheroad.ford.com/us/en/articles/2026/blueoval-battery-park-michigan-hiring-and-lfp-production
Ford Energy - Ford Energy and EDF power solutions North America Announce Five-Year Framework Agreement for Up to 20 GWh of Battery Energy Storage Systems, 18.05.2026
https://www.fordenergy.com/newsroom/ford-energy-edf
International Energy Agency - Global Critical Minerals Outlook 2026: Outlook
https://www.iea.org/reports/global-critical-minerals-outlook-2026/outlook
Focus Graphite - Focus Graphite to Attend Canada Investment Summit Hosted by Prime Minister Mark Carney; Lac Knife Featured in Investment Deal Book, 10.09.2026
https://focusgraphite.com/focus-graphite-to-attend-canada-investment-summit-hosted-by-prime-minister-mark-carney-lac-knife-featured-in-investment-deal-book/
Focus Graphite - Focus Graphite and C4V to Evaluate Mine-to-Anode Platform Combining Lac Knife Graphite with C4V's Green Anode Technology, 26.08.2026
https://focusgraphite.com/focus-graphite-and-c4v-to-evaluate-mine-to-anode-platform-combining-lac-knife-graphite-with-c4vs-green-anode-technology/
Focus Graphite - Focus Graphite Achieves Up to 98.7% Carbon Concentrate Through Mechanical Processing and Activates Downstream Qualification Platform, 28.07.2026
https://focusgraphite.com/focus-graphite-achieves-up-to-98-7-carbon-concentrate-through-mechanical-processing-and-activates-downstream-qualification-platform/
Magnis Energy Technologies - Magnis Signs Offtake Agreement for North American Anode Active Material Production, 21.02.2023
https://wcsecure.weblink.com.au/pdf/MNS/02633651.pdf
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