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Der Westen hat sein Wolframproblem erkannt. Doch damit beginnt möglicherweise erst der schwierigere Teil. Politische Beschlüsse können Lieferketten verändern, neue Minen lassen sich jedoch nicht per Dekret schaffen. Zwischen einem geologisch interessanten Projekt und tatsächlich produziertem Wolfram liegen Exploration, Bohrungen, Ressourcendefinition, Genehmigungen, Finanzierung, Bau und schließlich die Inbetriebnahme. Genau diese Pipeline ist außerhalb Chinas dünn.
Das zeigt ein Blick auf die globale Produktion. China stand 2024 nach Angaben des USGS für rund 82,7 Prozent der weltweiten Wolframförderung. Gleichzeitig weist American Tungsten darauf hin, dass Nordamerika seit 2015 kein Wolframkonzentrat mehr produziert hat.
Die entscheidende Frage lautet deshalb zunehmend nicht mehr nur: Woher bekommt der Westen heute sein Wolfram? Sondern: Woher sollen die Wolframminen von morgen kommen?
Almonty zeigt, was ein fortgeschrittenes Wolframprojekt wert sein kann
Am anderen Ende dieser Entwicklungskette steht Almonty Industries (ISIN: CA0203981XXX). Das Unternehmen betreibt mit Panasqueira in Portugal bereits eine produzierende Mine. Beim deutlich größeren Sangdong-Projekt in Südkorea wurde Phase I fertiggestellt; Verarbeitung und Hochlauf laufen. Almonty bezifferte seine Marktkapitalisierung Ende Juli 2026 auf rund 4,3 Milliarden US-Dollar.
Damit ist Almonty längst mehr als eine Explorationsgeschichte. Das Unternehmen verfügt über mehrjährige Abnahmevereinbarungen und plant weitere Kapazitäten. Für Sangdong besteht nach Unternehmensangaben sogar ein 21-jähriger Abnahmevertrag mit einem US-Kunden für den Großteil der Phase-I-Produktion.
Das Beispiel verdeutlicht aber zugleich das Problem: Solche weit fortgeschrittenen nicht-chinesischen Wolframprojekte sind selten.
Auch der Preis signalisiert, wie stark sich der Markt verändert hat. Almonty bezifferte den Spotpreis für APT per 24. Juli 2026 auf rund 3.139,50 US-Dollar je MTU. Noch wichtiger als der kurzfristige Preis ist jedoch die strategische Entwicklung. Ab 2027 soll das US-Verteidigungsministerium die Beschaffung von Wolfram einschränken, wenn dieses in China, Russland oder Nordkorea abgebaut, verarbeitet oder produziert wurde. China wiederum führte 2025 Exportkontrollen für verschiedene Wolframprodukte ein.
Der Westen braucht also Alternativen - und zwar auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen.
American Tungsten: Der Versuch, eine alte Mine zurückzubringen
Eine Stufe hinter Almonty steht American Tungsten (ISIN: CA0303381077). Das Unternehmen verfolgt mit der IMA Mine in Idaho einen anderen Ansatz: Statt eine Lagerstätte von Grund auf neu zu entdecken, soll ein historisch produzierender Wolframbetrieb wiederbelebt werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Die IMA Mine verfügt laut Unternehmenspräsentation über historische Untertagearbeiten und vorhandene Infrastruktur. American Tungsten will zunächst vorhandene Tailings untersuchen und aufbereiten. Das Unternehmen nennt rund 302.098 Tonnen historische Tailings mit einem angegebenen durchschnittlichen Gehalt von etwa 0,152 Prozent WO3 und strebt eine erste Aufbereitung bis Ende 2026 an. Dabei handelt es sich um Unternehmensziele und historische Daten, nicht um eine Garantie für eine wirtschaftliche Produktion.
Gerade dieser Ansatz zeigt, wie groß der Zeitfaktor im Wolframmarkt geworden ist. Wenn selbst alte Minen und vorhandene Halden wieder interessant werden, richtet sich zwangsläufig der Blick auf die nächste Stufe der Pipeline: neue Exploration.
Was kommt hinter den Entwicklern?
Hier beginnt der spekulativste Teil der Wertschöpfungskette. Neue Wolframminen entstehen nur, wenn zuvor neue mineralisierte Systeme gefunden, gebohrt und wirtschaftlich bewertet werden.
Kanada könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Das Sisson-Projekt in New Brunswick wurde im November 2025 von der kanadischen Regierung als eines der strategischen "Nation-Building Projects" ausgewählt. Direkt an dieses Projekt grenzt das rund 9.845 Acres große Sisson West Tungsten Project von Makenita Resources (ISIN: CA5609251098).
Makenita steht allerdings ganz am Anfang dieser Entwicklungskette. Es gibt bei Sisson West bislang keine definierte Mineralressource und keine nachgewiesene wirtschaftliche Wolframlagerstätte. Interessant ist vielmehr, was die jüngsten geophysikalischen Arbeiten für die nächste Explorationsphase ergeben haben.
Vom großen Gebiet zum konkreteren Bohrziel
Im Frühjahr führte Makenita eine detaillierte luftgestützte magnetische Untersuchung durch. Die im Juli veröffentlichten Auswertungen identifizierten auf dem Unternehmensgebiet ein lokales magnetisches Hoch. Makenita interpretiert dieses anhand der Magnetdaten und einer dreidimensionalen Inversion als mögliche sekundäre Intrusion in der Tiefe an der Westseite des Howard Peak Granodiorits.
Der Vergleich mit Sisson macht die Geologie interessant: Das bekannte Wolfram-Molybdän-System liegt nordöstlich davon an der Ostseite des Granodiorits. Zusätzlich wurden in den Magnetdaten größere südwestlich-nordöstlich verlaufende Strukturen interpretiert, die sich aus dem Gebiet von Sisson in Richtung der Makenita-Liegenschaft fortsetzen könnten. Regionale Wolfram-in-Till-Daten liefern ein weiteres Explorationsindiz.
Das reicht noch nicht für den Nachweis einer Entdeckung. Es reicht aber, um die nächste Frage zu stellen: Was befindet sich tatsächlich unter diesem geophysikalischen Ziel?
Makenita arbeitet nach eigenen Angaben an einem Bohrprogramm, das genau das testen soll. Erst Bohrungen können zeigen, ob die geophysikalische Interpretation mit relevanter Wolframmineralisierung zusammenfällt.
Die eigentliche Knappheit liegt möglicherweise in der Pipeline
Almonty, American Tungsten und Makenita stehen damit exemplarisch für drei völlig unterschiedliche Entwicklungsstufen: Produktion und Hochlauf, Brownfield-Reaktivierung und frühe Exploration.
Gerade dieser Vergleich macht die Herausforderung sichtbar. Der Westen benötigt nicht nur mehr Wolfram. Er benötigt eine kontinuierliche Pipeline neuer Projekte, weil zwischen einem Explorationsziel und einer produzierenden Mine Jahre liegen können.
Almonty zeigt, welchen strategischen Stellenwert fortgeschrittene nicht-chinesische Produktion inzwischen besitzt. American Tungsten versucht, historische US-Produktion wiederzubeleben. Bei Makenita geht es dagegen zunächst nur darum, zu klären, ob aus einem geophysikalischen Ziel überhaupt eine relevante Entdeckung werden kann.
Das Risiko ist entsprechend hoch. Doch genau dort beginnt jede neue Rohstoffpipeline: lange bevor eine Mine entsteht - mit der Suche nach dem nächsten Projekt.

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Quellen:
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