FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Ölpreisanstieg und zunehmende Inflationssorgen haben auch zum Start in den neuen Börsenmonat September den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax verlor am Dienstag weitere 1,1 Prozent und schloss bei 25.970,11 Punkte. Zuletzt war er vor gut einer Woche unter die Marke von 26.000 Zählern gefallen. Der September gilt historisch betrachtet als ein schwacher Börsenmonat.
Damit setzt sich die bereits zu Wochenanfang begonnene Korrektur fort, und der Dax-Rekord vom Freitag bei 26.618 Zählern rückte noch ein Stück weiter in die Ferne.
"Nach der jüngsten Rekordjagd sind die Anleger zwischen hohen Bewertungen und veränderten Zinsperspektiven auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht", umschrieb Marktanalyst Timo Emden von CapTrader das Marktgeschehen. Eine Mischung aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und neuen Ölpreisspitzen "zwingt Investoren zum Abstieg, um wieder festen Tritt zu fassen."
Hohe Kursverluste insbesondere von Rüstungswerten wie Renk, TKMS und Hensoldt drückten den MDax noch stärker ins Minus als den Dax. Der Index der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,68 Prozent auf 32.173,26 Punkte ein.
Angesichts schon hoher Bewertungen haben die Börsen mit den weiter anziehenden Ölpreisen zu kämpfen. Am Montag zogen diese bereits kräftig an, nachdem die Situation nach gegenseitigen Militärschlägen der USA und des Iran wieder eskaliert war. Am Dienstag legten die Ölpreise noch etwas weiter zu, angeschoben auch durch das knappe Angebot bei Diesel infolge der Angriffe auf die russische Ölindustrie im Krieg mit der Ukraine.
Hinzu kommen hohe Anleihezinsen als Belastung für die Börsen. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche gilt seit geraumer Zeit als sicher. Und seit entsprechenden Hinweisen von US-Notenbankchef Kevin Warsh vom Freitag gehen die Märkte auch von einer Leitzinserhöhung in den USA im September aus.
Auf Unternehmensseite im Dax näherten sich Symrise mit zeitweise deutlichen Gewinnen ihrem Jahreshoch. Hier sorgte zunächst eine Kaufempfehlung von Jefferies für gute Stimmung. Zudem verkauft der Aromen- und Duftstoffhersteller sein US-Geschäft mit Terpen-Inhaltsstoffen an die Beteiligungsgesellschaft Mutares .
Kommentare von Analysten bewegten die Kurse. So kletterten die Papiere des Pharma- und Technologiekonzerns Merck nach einer Kaufempfehlung der Großbank HSBC als einer der besten Dax-Werte um 0,5 Prozent nach oben.
GFT Technologies erreichten nach einem positiven Kommentar der Berenberg Bank den höchsten Stand seit Sommer 2024 und gewannen an der SDax -Spitze 3,8 Prozent.
Treiber für Hugo Boss war die Nachricht, wonach Großaktionär Frasers seine Beteiligung auf mehr als 50 Prozent aufstocken will. Die Anteile am Modehändler schlossen mit einem Prozent Aufschlag.
Die Ankündigung eines Aktienrückkaufs durch den IT-Dienstleister Cancom ließ den Kurs um 2,3 Prozent anziehen. Papiere des Rüstungsunternehmens OHB büßten 8,7 Prozent ein, hier sprachen Händler von einer überdurchschnittlich hohen Bewertung der Aktien.
Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 gab am Dienstag um 0,8 Prozent auf 6.368,98 Punkte nach. Außerhalb der Eurozone verzeichnete London leichte Verluste, während es in Zürich leicht nach oben ging. In New York zeigten sich der Dow Jones Industrial und der technologielastige Nasdaq 100 zum europäischen Handelsschluss schwächer./bek/he
--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---
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