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KI-Rechenzentren haben ein Stromproblem, das sich nicht allein mit immer größeren Kraftwerken lösen lässt. Moderne GPU-Cluster können ihre Leistungsaufnahme innerhalb kürzester Zeit verändern. Werden gleichzeitig neue Rechenjobs gestartet oder wechseln Tausende Beschleuniger zwischen unterschiedlichen Lastzuständen, entstehen Leistungsspitzen, die Netzteile, USV-Systeme und die elektrische Infrastruktur des Rechenzentrums abfangen müssen.
Panasonic Holdings (ISIN: JP3866800000) positioniert Superkondensatoren inzwischen ausdrücklich als mögliche Antwort auf solche kurzfristigen Lastspitzen in AI-Servern. Eaton (ISIN: IE00B8KQN827) liefert Supercapacitor-Systeme, deren Anwendungen von einzelnen Elektronikbauteilen bis zu Leistungen im Megawattbereich reichen. First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) arbeitet eine Ebene tiefer: Das Unternehmen entwickelt graphenbasierte Elektrodenmaterialien und hat in Tests eine um 300% höhere spezifische Kapazität als herkömmliche Aktivkohle-Zellen erreicht.
Damit entsteht eine interessante Frage: Könnte der KI-Boom ausgerechnet einer Energiespeichertechnologie neue Bedeutung geben, die bislang meist im Schatten der Lithium-Ionen-Batterie stand?
KI benötigt nicht nur mehr Strom, sondern Strom im richtigen Moment
Eine Batterie eignet sich hervorragend, um größere Energiemengen über Minuten oder Stunden bereitzustellen. Ein Superkondensator besitzt eine andere Stärke. Er kann Energie sehr schnell aufnehmen und ebenso schnell wieder abgeben, ohne bei jedem Zyklus dieselben elektrochemischen Veränderungen durchlaufen zu müssen wie eine klassische Batterie.
Für ein Rechenzentrum kann genau diese Eigenschaft interessant werden. Bei abrupten Lastwechseln muss nicht zwingend über längere Zeit zusätzliche Energie bereitgestellt werden. Häufig geht es zunächst darum, wenige Sekunden oder sogar deutlich kürzere Leistungsspitzen abzufangen und die elektrische Infrastruktur zu entlasten.
Panasonic beschreibt Superkondensatoren deshalb als lokalen Energiespeicher für AI-Server. Bei kurzfristigen Leistungssprüngen sollen sie unmittelbar Energie bereitstellen und dadurch Netzteile und USV-Systeme von extremen Transienten entlasten. Bemerkenswert ist die industrielle Basis: Panasonic gibt für seine EDLC-Superkondensatoren inzwischen eine kumulierte Auslieferung von mehr als 100 Millionen Zellen an.
Panasonic bringt den Superkondensator direkt an den AI-Server
Panasonic verfolgt den Ansatz nicht nur für Rechenzentren. Der Konzern setzt EDLC-Technologie beispielsweise auch für Industrieroboter ein, bei denen Bremsenergie gespeichert und beim nächsten Beschleunigungsvorgang erneut genutzt werden kann. Für eine Beispielanwendung nennt Panasonic eine jährliche Stromersparnis von rund 600 kWh und eine bis zu zehnmal längere Lebensdauer gegenüber Batterien.
Bei AI-Servern verschiebt sich die Aufgabe von der Energierückgewinnung zum Peak Shaving. Superkondensatoren sitzen näher an der Last und reagieren schneller als große zentrale Speicher. Dadurch könnten elektrische Komponenten kleiner dimensioniert oder weniger stark durch kurzzeitige Spitzen belastet werden.
Panasonic zeigt damit, dass Superkondensatoren nicht versuchen müssen, die Batterie zu ersetzen. Ihre Stärke entsteht gerade aus der Kombination unterschiedlicher Speichertechnologien: Die Batterie hält Energie bereit, der Superkondensator übernimmt die extrem schnellen Leistungswechsel.
Eaton denkt bereits von Watt bis Megawatt
Eaton ist auf der anderen Seite des Systems aktiv. Der Energietechnikkonzern bietet Supercapacitor-Zellen und komplette Module für Backup-Power, industrielle Anlagen, regenerative Energien, Transport und Netzstabilisierung an. Die Systeme können nach Unternehmensangaben von wenigen Watt bis in den Megawattbereich konfiguriert werden.
Dieser Kontext ist besonders interessant, weil Rechenzentren inzwischen einer der wichtigsten Wachstumstreiber für Eaton sind. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz auf den Rekordwert von 8,5 Mrd. US-Dollar. Eaton nannte Data Center ausdrücklich als wichtigen Wachstumstreiber und verzeichnete in seinem nordamerikanischen Elektrikgeschäft stark steigende Auftragseingänge.
Mehr Rechenleistung führt damit nicht nur zu mehr Nachfrage nach GPUs. Zwischen Netzanschluss und Server entsteht eine ganze Infrastruktur aus Schalttechnik, Stromversorgung, Kühlung und Speichern. Genau dort müssen kurzfristige Lastspitzen beherrscht werden.
140 statt 35 Farad pro Gramm
First Graphene setzt nicht beim fertigen Speichermodul an, sondern beim Elektrodenmaterial. Klassische Superkondensatoren verwenden häufig Aktivkohle, deren große innere Oberfläche elektrische Ladung aufnehmen kann.
First Graphene entwickelte gemeinsam mit Forschern graphenbasierte Hybridmaterialien, bei denen Graphen mit Metalloxidstrukturen kombiniert wird. In einem Standard-Testaufbau erreichten diese Materialien nach veröffentlichten Unternehmensdaten eine spezifische Kapazität von 140 Farad pro Gramm. Vergleichbare Aktivkohle-Zellen kamen auf rund 35 Farad pro Gramm.
140 statt 35 F/g entspricht dem Vierfachen beziehungsweise einer Verbesserung um 300%. In weiteren Versuchen erhöhte ein verändertes Elektrolytsystem die Energiedichte laut First Graphene um 85 %.
Diese Werte stammen aus Entwicklungs- und Zelltests und dürfen nicht mit der Leistungsfähigkeit eines fertigen kommerziellen Panasonic- oder Eaton-Systems gleichgesetzt werden. Sie zeigen aber den Hebel, an dem First Graphene ansetzt: Superkondensatoren können sehr viel Leistung bereitstellen, speichern im Verhältnis zu Batterien jedoch vergleichsweise wenig Energie. Verbesserte Elektrodenmaterialien sollen genau diesen Nachteil reduzieren.
Das Thema ist für First Graphene 2026 wieder aktueller geworden
Die Entwicklungsdaten stammen nicht aus diesem Jahr. First Graphene führt Supercapacitor-Materialien im aktuellen Investorendeck vom Juli 2026 allerdings weiterhin als einen seiner Bereiche für Energieerzeugung und -speicherung.
Zusätzlich hat die Übernahme der Vermögenswerte von Ionic Industries dem Unternehmen nach eigenen Angaben weiteres geistiges Eigentum für Batterie- und Superkondensator-Materialien eingebracht. First Graphene besitzt damit mehrere technologische Ansätze rund um Graphen und Energiespeicherung, ohne selbst komplette Speicherzellen produzieren zu müssen.
Genau diese Position könnte interessant sein. Panasonic und Eaton benötigen Elektrodenmaterialien, Elektrolyte, Separatoren und Fertigungsverfahren, die sich über Millionen Zellen hinweg reproduzieren lassen. First Graphene müsste nicht zum nächsten Batteriehersteller werden. Das Unternehmen müsste beweisen, dass sein Material einem bestehenden Superkondensator einen messbaren Vorteil verschafft.
Vom 300%-Test zum Industrieprodukt ist es noch ein weiter Weg
Bislang gibt es keine öffentlich bekannte kommerzielle Zusammenarbeit von First Graphene mit Panasonic oder Eaton. Auch die 300%-Verbesserung stammt aus einem Entwicklungsaufbau und nicht aus einem in Großserie produzierten AI-Data-Center-Speicher.
Genau dort liegt die entscheidende Hürde. Ein neues Elektrodenmaterial muss nicht nur hohe Kapazität erreichen, sondern über sehr viele Ladezyklen stabil bleiben, zu bestehenden Fertigungsverfahren passen und zu einem wirtschaftlich attraktiven Preis produziert werden können.
Der KI-Boom verändert dennoch die Ausgangslage. Panasonic bewirbt Superkondensatoren inzwischen konkret für die Lastspitzen von AI-Servern. Eaton liefert Speichermodule für Leistungsbereiche bis in die Megawattklasse. First Graphene besitzt ein Material, das in frühen Tests einen zentralen Schwachpunkt der Technologie adressiert hat.
300% mehr spezifische Kapazität sind deshalb noch kein kommerzieller Durchbruch. Wenn sich ein Teil dieses Vorteils jedoch in industriellen Zellen reproduzieren lässt, könnte ausgerechnet der enorme Stromhunger künstlicher Intelligenz einem lange bekannten Energiespeicher zu einem neuen Wachstumsschub verhelfen.
Quellen:
First Graphene - July 2026 Investor Presentation
Panasonic - Supercapacitors for AI data center peak shaving
Panasonic - Supercapacitors in industrial robotics
Eaton - Supercapacitor modules
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ISIN: AU000000FGR3
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