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Europas Rüstungsindustrie fährt ihre Kapazitäten in einem Tempo hoch, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Rheinmetall AG (ISIN: DE0007030009) will bis 2030 die Kapazität für rund 1,5 Millionen 155-mm-Artilleriegeschosse pro Jahr erreichen. Erst Mitte September meldete der Konzern einen weiteren Auftrag über mehrere zehntausend 155-mm-Geschosse im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Parallel verändert sich auch die Versorgung mit strategischen Rohstoffen: Almonty Industries Inc. (ISIN: CA0203981XXX) meldete am 23. September einen historischen Meilenstein. In der Sangdong-Mine in Südkorea wurde erstmals seit 1993 wieder Wolfram produziert. Die beiden Entwicklungen stehen nicht in einer direkten Lieferbeziehung. Sie zeigen jedoch zwei Seiten derselben strategischen Herausforderung: Während der Westen seine Industrie- und Verteidigungskapazitäten massiv ausbaut, muss er gleichzeitig zuverlässigere Lieferketten für kritische Rohstoffe schaffen. Bei Wolfram beginnt deshalb bereits die Suche nach den Minen, die nach Sangdong kommen könnten. In Kanada entwickelt Northcliff Resources eines der größten fortgeschrittenen Projekte Nordamerikas - und unmittelbar daneben exploriert Adelayde Exploration Inc. (ISIN: CA0068131097) auf Sisson North.
Rheinmetall peilt 1,5 Millionen Geschosse pro Jahr an
Wie stark Europas Rüstungsindustrie derzeit wächst, zeigen Rheinmetalls Produktionspläne. Seit 2022 baut der Düsseldorfer Konzern seine Kapazitäten für großkalibrige Munition massiv aus. Bis 2030 sollen nach Unternehmensangaben rund 1,5 Millionen 155-mm-Artilleriegeschosse pro Jahr produziert werden können. Zum Vergleich: Für 2022 weist Rheinmetall eine Kapazität von lediglich rund 70.000 Geschossen aus. Bereits für 2027 plant der Konzern mit ungefähr 1,1 Millionen Einheiten. Dass diese Kapazitäten benötigt werden, zeigen die laufenden Aufträge. Am 14. September meldete Rheinmetall die Bestellung einer niedrigen fünfstelligen Zahl von 155-mm-Artilleriegeschossen durch einen internationalen Kunden. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Produktion hat bereits begonnen und die Auslieferung soll 2027 abgeschlossen werden. Hinzu kommen weitere Aufträge, unter anderem für die Ukraine und andere NATO-Staaten. Das neue Werk Niedersachsen in Unterlüß hat weniger als ein Jahr nach seiner Eröffnung bereits eine fünfstellige Anzahl von 155-mm-Geschossen für die Ukraine produziert. Die Entwicklung zeigt: Europas Verteidigungsindustrie bewegt sich von kurzfristigen Nachbestellungen hin zu dauerhaft deutlich höheren Produktionskapazitäten.
Mehr Rüstungsproduktion erhöht die Bedeutung kritischer Lieferketten
Aus Rheinmetalls Produktionsziel lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die genannten 155-mm-Geschosse Wolfram von Almonty oder überhaupt bestimmte Mengen Wolfram benötigen. Eine solche Verbindung wäre nicht belegt. Relevant ist vielmehr die größere industrielle Entwicklung dahinter. Moderne Verteidigungs- und Luftfahrtsysteme benötigen eine Vielzahl kritischer Materialien, und Wolfram gehört aufgrund seiner hohen Dichte, Härte und Temperaturbeständigkeit zu den strategisch bedeutenden Metallen für verschiedene militärische und industrielle Anwendungen. Wenn Europa und die USA ihre Verteidigungsproduktion langfristig erhöhen, wächst damit auch der politische Druck, kritische Rohstoffketten belastbarer zu machen. Gerade bei Wolfram ist diese Frage relevant, weil westliche Staaten ihre Abhängigkeit von stark konzentrierten globalen Lieferketten reduzieren wollen. Und genau hier hat sich in den vergangenen Tagen etwas Entscheidendes verändert: Eine der wichtigsten neuen Wolframminen außerhalb Chinas hat erstmals Material produziert.
Sangdong produziert erstmals seit 33 Jahren wieder Wolfram
Am 23. September 2026 meldete Almonty, dass in der Sangdong-Mine in Südkorea erstmals seit 1993 wieder Wolfram produziert wurde. Für das Unternehmen ist das der Abschluss einer jahrelangen Entwicklungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase. Bereits zwei Tage zuvor hatte Almonty die finalen behördlichen Inspektionszertifikate für die Aufbereitungs- und Brecheranlagen erhalten. Damit war die letzte administrative Voraussetzung für die kommerzielle Verarbeitung erfüllt und Phase I laut Unternehmen kommerziell betriebsbereit. Sangdong ist deshalb inzwischen mehr als ein geplantes Rohstoffprojekt. Die Mine hat den Übergang in die Produktion vollzogen. Auch die Abnehmerseite ist weitgehend vorbereitet: Mehr als 90 Prozent der geplanten Phase-I-Produktion sind nach Angaben von Almonty über einen langfristigen Vertrag mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der österreichischen Plansee Group, gebunden. Der Vertrag läuft 21 Jahre ab der ersten Lieferung und umfasst insgesamt 4,41 Millionen MTU Wolframkonzentrat. Für westliche Lieferketten ist das ein konkreter Fortschritt. Gleichzeitig löst eine einzelne Mine das strukturelle Versorgungsproblem nicht.
Eine neue Mine reicht nicht für eine westliche Lieferkette
Genau deshalb richtet sich der Blick bereits auf die nächste Generation von Projekten. Zwischen einer Exploration und einer produzierenden Mine liegen häufig viele Jahre. Lagerstätten müssen entdeckt und abgegrenzt, Ressourcen und Reserven definiert, technische Studien erstellt, Genehmigungen eingeholt, Milliardeninvestitionen finanziert und anschließend Minen sowie Aufbereitungsanlagen gebaut werden. Sangdong zeigt selbst, wie lang dieser Weg sein kann. Wer in zehn Jahren über zusätzliche westliche Wolframproduktion verfügen will, muss deshalb heute eine ausreichend große Pipeline aus Produktions-, Entwicklungs- und Explorationsprojekten aufbauen. Ein besonders fortgeschrittenes Beispiel dafür befindet sich in Kanada.
Sisson könnte zu einer der nächsten großen nordamerikanischen Wolframquellen werden
In New Brunswick entwickelt Northcliff Resources Ltd. (ISIN: CA66401Q1081) das Sisson Tungsten-Molybdenum Project. Die Ende August veröffentlichte aktualisierte Machbarkeitsstudie sieht eine 27-jährige Minenlaufzeit vor. Die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Mineralreserven belaufen sich auf 276,8 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 0,075 Prozent WO3 und 0,023 Prozent Molybdän. Über die geplante Minenlaufzeit modelliert die Studie eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 598.000 MTU WO3. Auch wirtschaftlich weist die Studie große Dimensionen aus: Auf Basis ihrer Rohstoffpreis-, Kosten- und weiteren Annahmen ergibt sich ein Nachsteuer-NPV bei acht Prozent Diskontsatz von 6,915 Milliarden CAD, eine Nachsteuer-IRR von 49,8 Prozent und ein anfänglicher Kapitalbedarf von rund 1,528 Milliarden CAD. Diese Zahlen sind Modellrechnungen der Machbarkeitsstudie und keine garantierten zukünftigen Ergebnisse. Dennoch zeigen sie die Größenordnung, die Sisson bei erfolgreicher Finanzierung und Entwicklung erreichen könnte.
Auch Washington und Ottawa haben Sisson im Blick
Die strategische Bedeutung des Projekts wird zusätzlich durch staatliche Unterstützung unterstrichen. Die kanadische Regierung stellt Northcliff über die Global Partnerships Initiative 8,214 Millionen CAD zur Verfügung, um die Entwicklung kritischer Rohstoff-Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Hinzu kommt eine bereits 2025 bekannt gegebene Förderung des US-Verteidigungsministeriums über 15 Millionen US-Dollar im Rahmen des Defense Production Act Title III. Kanada hat Sisson zudem in seine Liste der sogenannten Nation-Building Projects aufgenommen. Damit unterscheidet sich Sisson fundamental von einem frühen Explorationsprojekt: Es gibt eine definierte Reserve, eine aktuelle Machbarkeitsstudie und konkrete staatliche Unterstützung. Produziert wird dort allerdings noch nicht. Genau dieser Unterschied ist wichtig, wenn der Blick auf das direkt angrenzende Projekt von Adelayde fällt.
Adelayde exploriert direkt an der Grenze zu Sisson
Adelayde kontrolliert nach eigenen Angaben das rund 9.780 Acres große Sisson North Tungsten Project in New Brunswick, das direkt an Northcliffs Sisson-Projekt grenzt. Für einen Early-Stage-Explorer ist diese Lage interessant - sie ist aber kein geologischer Beweis. Adelayde verfügt auf Sisson North bislang über keine veröffentlichte Mineralressource und keine Mineralreserve. Es ist nicht nachgewiesen, dass sich die Mineralisierung von Sisson auf das Grundstück von Adelayde fortsetzt. Auch die 6,915 Milliarden CAD NPV aus Northcliffs Machbarkeitsstudie können selbstverständlich nicht auf Sisson North übertragen werden. Adelayde muss seine eigene geologische Geschichte erst belegen. Im Frühjahr hat das Unternehmen dafür einen ersten Schritt gemacht: Ein helikoptergestütztes aeromagnetisches, radiometrisches und VLF-Programm wurde abgeschlossen. Die gewonnenen Daten sollen dabei helfen, geologische Strukturen zu verstehen und mögliche Ziele für weitere Explorationsarbeiten zu definieren. Geophysikalische Anomalien allein weisen jedoch keine wirtschaftliche Wolframlagerstätte nach.
Produktion heute, Entwicklung morgen, Exploration für übermorgen
Gerade die unterschiedlichen Entwicklungsstufen machen die aktuelle Wolframstory interessant. Almonty steht mit Sangdong inzwischen am Anfang der Produktion. Northcliff besitzt mit Sisson ein weit fortgeschrittenes Entwicklungsprojekt mit Machbarkeitsstudie und staatlicher Unterstützung. Adelayde befindet sich mit Sisson North dagegen noch am spekulativen Anfang der Explorationskette. Für Anleger bedeutet das auch unterschiedliche Risikoprofile. Bei Adelayde muss zunächst gezeigt werden, ob überhaupt relevante Wolframmineralisierung vorhanden ist. Danach wären weitere Exploration, Bohrungen und im Erfolgsfall zahlreiche weitere Entwicklungsschritte erforderlich. Ein möglicher Weg zur Mine wäre entsprechend lang und keineswegs garantiert. Gleichzeitig zeigt gerade Sangdong, warum neue Explorationsprojekte heute überhaupt relevant sind: Produzierende Minen entstehen nicht auf Knopfdruck. Die Projekte, die der Westen in den kommenden zehn oder zwanzig Jahren benötigen könnte, müssen Jahre vorher gefunden und entwickelt werden.
Rheinmetall baut Kapazitäten auf - und die Rohstoffkette muss mithalten
Damit schließt sich der Kreis zu Rheinmetall. Der Konzern will seine Kapazität bei 155-mm-Artilleriegeschossen von rund 70.000 im Jahr 2022 auf etwa 1,5 Millionen jährlich bis 2030 steigern. Gleichzeitig entstehen neue Produktionsstandorte und laufend neue Großaufträge. Daraus folgt nicht, dass Rheinmetall künftig Wolfram von Almonty, Northcliff oder Adelayde beziehen wird. Eine solche Geschäftsbeziehung ist nicht bekannt. Die parallele Entwicklung zeigt jedoch, wie stark sich die industrielle Ausgangslage im Westen verändert: Produktionskapazitäten werden hochgefahren, während Regierungen gleichzeitig versuchen, strategische Rohstofflieferketten unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen. Bei Wolfram ist mit Sangdong gerade ein wichtiger Baustein hinzugekommen. Doch für eine langfristig diversifizierte Versorgung braucht es weitere Projekte.
Almonty produziert - doch wer baut die nächste Mine?
Für Adelayde Exploration Inc. (ISIN: CA0068131097) liegt genau darin die spekulative Chance - und gleichzeitig das wesentliche Risiko. Das Unternehmen besitzt mit Sisson North ein großes Explorationsgebiet direkt an der Grenze zu einem der fortgeschrittensten Wolframprojekte Nordamerikas. Mehr lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt geologisch nicht seriös behaupten. Ob Sisson North tatsächlich relevante Wolframmineralisierung beherbergt, müssen zukünftige Explorationsarbeiten zeigen. Das Umfeld hat sich jedoch deutlich verändert. Rheinmetall baut seine Munitionskapazitäten in einer Größenordnung aus, die den langfristigen Ausbau westlicher Verteidigungsproduktion sichtbar macht. Almonty hat in Sangdong erstmals seit 33 Jahren wieder Wolfram produziert. Kanada und die USA unterstützen die Entwicklung von Sisson mit öffentlichen Mitteln. Damit verschiebt sich die strategische Frage zunehmend von "Braucht der Westen alternative Wolframquellen?" zu "Welche Projekte können diese Versorgung in Zukunft tatsächlich übernehmen?" Sangdong liefert darauf inzwischen eine erste konkrete Antwort. Sisson könnte eine weitere werden. Und bei Sisson North muss Adelayde erst noch beweisen, ob dort überhaupt die geologischen Voraussetzungen für eine eigene Antwort vorhanden sind.
Quellen:
Großauftrag: Rheinmetall liefert Artilleriemunition an internationalen Kunden - Auftragswert im dreistelligen MioEUR-Bereich
https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2026/09/2026-09-14-rheinmetall-liefert-artilleriemunition-an-internationalen-kunden
Aus Unterlüß in die Ukraine: Rheinmetall liefert erstmals aus dem Werk Niedersachsen Artilleriemunition
https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2026/07/2026-07-14-artilleriemunition-aus-unterluess-fuer-die-ukraine
Almonty Marks First Tungsten Production at Sangdong Since 1993
https://almonty.com/almonty-marks-first-tungsten-production-at-sangdong-since-1993/
Almonty's Sangdong Processing Plant Receives Final Operational Certification - Phase I is Now Commercially Operational
https://almonty.com/almontys-sangdong-processing-plant-receives-final-operational-certification/
NORTHCLIFF ANNOUNCES RESULTS OF FEASIBILITY STUDY UPDATE FOR SISSON PROJECT
https://www.northcliffresources.com/post/northcliff-announces-results-of-feasibility-study-update-for-sisson-project
Government of Canada Invests in New Brunswick to Strengthen Critical Mineral Supply Chains
https://www.canada.ca/en/natural-resources-canada/news/2025/08/government-of-canada-invests-in-new-brunswick-to-strengthen-critical-mineral-supply-chains.html
Sisson Project - Grants and Contributions
https://search.open.canada.ca/grants/record/nrcan-rncan%2C115-2025-2026-Q2-17422%2Ccurrent
Sisson North Tungsten Project
https://www.adelaydeexp.com/projects/sisson-north-tungsten-project/
Adelayde Exploration Completes Work Programs on the Sisson North Tungsten Project and the George Lake South Tungsten Antimony Project in New Brunswick
https://www.adelaydeexp.com/2026/05/completes-work-programs-on-sisson-north-and-george-lake-south-tungsten-antimony-projects/
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Adelayde Exploration Inc.
Land: Kanada
ISIN: CA0068131097
https://www.adelaydeexp.com/
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