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Strom allein reicht nicht mehr: Warum Iberdrola, Veolia und EVN immer mehr kritische Infrastruktur abdecken

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Stromnetze, Trinkwasser, Wärmeversorgung: Was früher häufig als getrennte Infrastrukturwelten betrachtet wurde, rückt immer stärker zusammen. Elektrifizierung, Klimaanpassung und Versorgungssicherheit stellen Städte und Regionen gleichzeitig vor neue Anforderungen. Große Versorger reagieren darauf mit Investitionen in unterschiedliche Bereiche kritischer Infrastruktur.

Wie hoch der Bedarf ist, zeigt aktuell Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14). Der spanische Energiekonzern hat nach den schweren Überschwemmungen in Valencia 100 Mio. Euro in die Wiederherstellung und Modernisierung des dortigen Stromnetzes investiert. Veolia (ISIN: FR0000124141) verbindet bereits heute Wasser-, Abfall- und Energiedienstleistungen miteinander und will seine Position bei europäischen Wärmenetzen weiter ausbauen. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) deckt in Niederösterreich längst mehr als klassische Stromversorgung ab: Netze, Trinkwasser, Wärme und erneuerbare Erzeugung gehören zu den zentralen Infrastrukturaufgaben des Konzerns.

Iberdrola investiert nach Flutschäden 100 Millionen Euro

Iberdrola hat Mitte September den Abschluss seines Wiederaufbau- und Modernisierungsprogramms für das von den schweren Überschwemmungen beschädigte Stromnetz in Valencia gemeldet. Insgesamt investierte das Unternehmen dafür 100 Mio. Euro. Dabei wurden unter anderem rund 20 Umspannwerke saniert, 940 Transformatorenstationen erneuert und knapp 460 Strommasten wiederaufgebaut. Mehr als 108.000 Smart Meter wurden wiederhergestellt. Iberdrola betont, dass die Infrastruktur nicht lediglich repariert, sondern gleichzeitig widerstandsfähiger und digitaler gemacht wurde. Die 100 Mio. Euro sind nur ein Teil der geplanten Investitionen. Bis 2031 will Iberdrola knapp 2 Mrd. Euro in die Stromnetze der Region Valencia investieren. Auch konzernweit gewinnen Netze an Bedeutung. Im ersten Halbjahr 2026 investierte Iberdrola insgesamt rund 7 Mrd. Euro. Knapp 4,4 Mrd. Euro davon flossen in Netze. Die regulierte Netz-Asset-Basis des Konzerns erreichte rund 55 Mrd. Euro.

Das Beispiel zeigt: Versorgungssicherheit bedeutet zunehmend, bestehende Infrastruktur nicht nur auszubauen, sondern sie gleichzeitig auf Extremwetter, steigenden Strombedarf und eine stärker elektrifizierte Wirtschaft vorzubereiten.

Veolia verbindet Wasser, Wärme und Ressourcen

Bei Veolia ist die breite Aufstellung noch deutlicher. Der französische Konzern ist in den Bereichen Wasser, Abfall und Energie tätig. Im Rahmen seines Strategieprogramms GreenUp setzt Veolia unter anderem auf Wasserversorgung, Abfallwirtschaft und Energielösungen. Gerade im Wärmebereich will das Unternehmen weiter wachsen. Veolia betreibt bis zu 500 Wärmenetze in Europa und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine führende Position bei der europäischen Fernwärme einzunehmen. Für seine europäischen Wärmenetze plant der Konzern bis 2030 kumulierte Investitionen von 1,6 Mrd. Euro. Das neue Angebot "Ecothermal Grid" soll bis dahin zusätzliche Umsätze von 350 Mio. Euro erreichen. Interessant ist dabei die Verbindung verschiedener Infrastrukturen. Veolia nutzt beispielsweise Energie aus Abfallverwertung, Abwasser, industrieller Abwärme oder lokalen Energiequellen für Wärmenetze. Damit werden Bereiche miteinander verknüpft, die traditionell getrennt betrachtet wurden.

Das Geschäftsmodell gewinnt auch durch neue Anforderungen an Versorgungssicherheit an Bedeutung. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Veolia einen Umsatz von 22,2 Mrd. Euro und ein EBITDA von rund 3,55 Mrd. Euro. Das Unternehmen selbst verweist dabei unter anderem auf Wasserknappheit, Extremwetter und den steigenden Bedarf neuer Industrien als strukturelle Treiber seiner Geschäftsfelder.

EVN investiert gleichzeitig in Strom und Trinkwasser

Eine ähnliche Breite findet sich auf regionaler Ebene bei der EVN AG. Bis 2030 will der Konzern jährlich rund eine Milliarde Euro investieren. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Netzinfrastruktur sowie die langfristige Weiterentwicklung der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich. Allein das Trinkwassernetz der EVN Wasser umfasst rund 3.340 Kilometer. Über dieses Netz werden 883 Ortschaften und rund 650.000 Menschen versorgt. Jährlich fließen etwa 32 Mio. Kubikmeter Wasser durch die Infrastruktur. Gerade angesichts trockener Perioden wird dabei nicht nur der Ausbau, sondern auch die Effizienz bestehender Netze wichtiger. EVN Wasser überprüft Leitungen regelmäßig mit akustischen Verfahren auf Leckagen. Nach Unternehmensangaben können durch punktgenaue Sanierungen täglich rund 1,5 Mio. Liter Trinkwasser eingespart werden.

Parallel wird die Infrastruktur erweitert. Die achte Naturfilteranlage der EVN in Reisenberg soll im Herbst 2026 in Betrieb gehen und künftig rund 20.000 Kundinnen und Kunden mit weichem Trinkwasser versorgen.

Wärme wird zum nächsten Infrastrukturthema

Neben Strom und Wasser ist bei der EVN auch die Wärmeversorgung ein Schwerpunktthema. Die EVN versorgt heute schon mehr als 100.000 Kunden mit Fernwärme, die vor allem aus Biomasse erzeugt wird. Anfang September startete das Unternehmen die nächste Phase seines Forschungsprogramms "GeoWärme Niederösterreich". In den kommenden Monaten soll der Untergrund im südlichen Wiener Becken genauer untersucht werden. Ziel ist es, das Potenzial der Tiefengeothermie für die regionale Wärmeversorgung zu erkunden. Damit erweitert sich die Infrastrukturfrage erneut: Während Stromnetze den steigenden Bedarf durch Elektrifizierung und dezentrale Erzeugung bewältigen müssen, geht es bei Wärme neben der schrittweisen Erschließung lokaler Energiequellen auch um die kontinuierliche überregionale Verbindung sowie die Verdichtung bereits bestehender Wärmenetze. Beim Wasser wiederum stehen Versorgungssicherheit, Qualität und die Reduzierung von Verlusten im Mittelpunkt. Die einzelnen Geschäftsfelder folgen unterschiedlichen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Ihre Gemeinsamkeit liegt deshalb nicht in einem einheitlichen Geschäftsmodell, sondern in ihrer Bedeutung für die Versorgung von Haushalten, Kommunen und Unternehmen.

Breite Aufstellung kann Stabilität schaffen - erhöht aber den Kapitalbedarf

Für integrierte Versorger kann diese Aufstellung Vorteile bieten. Unterschiedliche Infrastruktursegmente entwickeln sich nicht zwangsläufig im gleichen Tempo und reagieren auf unterschiedliche Einflussfaktoren. Stromnetze, Trinkwasserversorgung, Wärmenetze und Energieerzeugung unterscheiden sich beispielsweise bei Regulierung, Investitionszyklen und Ertragsmechanismen. Eine breite Aufstellung bedeutet deshalb nicht automatisch höhere Gewinne. Sie kann aber dazu beitragen, mehrere langfristige Infrastrukturtrends innerhalb eines Konzerns abzudecken und Synergiepotenziale vor dem Hintergrund eines steigenden Kapitalbedarfs zu nutzen. Netze müssen verstärkt, Wasserleitungen modernisiert und neue Wärmequellen erschlossen werden. Die Investitionen müssen finanziert werden und sich innerhalb der jeweiligen regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechnen.

Iberdrola zeigt mit seinen hohen Netzinvestitionen, welche Dimension der Umbau der Strominfrastruktur inzwischen erreicht. Veolia setzt auf die Verbindung von Wasser-, Ressourcen- und Wärmelösungen. Die EVN verbindet auf regionaler Ebene Stromnetze, erneuerbare Erzeugung, Trinkwasserversorgung und Wärme.

Fazit: Aus Versorgern werden Infrastrukturplattformen

Die Transformation der Versorgungswirtschaft geht damit über den Ausbau erneuerbarer Energien hinaus. Strom bleibt zentral, ist aber nur ein Teil der Infrastruktur, die für eine widerstandsfähige und zunehmend elektrifizierte Wirtschaft benötigt wird. Iberdrolas 100-Mio.-Euro-Programm in Valencia zeigt, wie Stromnetze nach Extremereignissen widerstandsfähiger aufgebaut werden. Veolia verbindet Wasser und Energie zunehmend mit lokalen Ressourcen und will seine europäischen Wärmenetze ausbauen. Die EVN wiederum investiert in Niederösterreich parallel in Stromnetze, Trinkwasserversorgung und neue Ansätze für die Wärmeversorgung.

Für integrierte Versorger entsteht daraus eine langfristige Aufgabe: Sie müssen unterschiedliche Infrastrukturen gleichzeitig modernisieren und finanzieren. Für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) liegt darin zugleich die Besonderheit ihres Geschäftsmodells - der Konzern ist nicht nur Energieversorger, sondern Betreiber wesentlicher Infrastruktur für Energie, Wasser und Wärme.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:Iberdrola

Veolia

EVN

EVN - Nächste Phase der Tiefen-Geothermie, 6. September 2026 - Forschungsprogramm GeoWärme Niederösterreich
https://www.evn.at/home/presse/evn-startet-nachste-phase-der-tiefen-geothermie

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