FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Kurse am Dienstag an den schwachen Wochenauftakt angeknüpft. Angeführt vom Schwergewicht Siemens prägten Kursverluste bei Einzelwerten mit KI-Fantasie das Gesamtbild negativ. Aber auch die hohen Energiepreise sowie die Unruhen in Frankreich mit ihren Auswirkungen am Anleihemarkt wurden weiterhin als Belastungen genannt.
Mit zuletzt 25.075 Punkten weitete der Dax seine Verluste im Laufe des Morgens auf fast ein Prozent aus. Der Leitindex rutschte unter die kurzfristig relevante Indikatorlinie des 21-Tage-Durchschnitts. Der MDax verlor 1,6 Prozent auf 30.017 Zähler. An den US-Börsen waren die Indikationen derweil durchwachsen.
Charttechnisch wackelt in der neuen Woche der am Freitag versuchte Dax-Ausbruch aus dem jüngsten Korrekturtrend, der Ende August mit dem Rekord begonnen hatte. Als nun wichtige Unterstützungen werden neben der 25.000-Punkte-Marke die 200-Tage-Linie sowie das bisherige Oktober-Tief angesehen.
Der für den KI-Einfluss berühmte US-Branchenindex Nasdaq 100 hatte sich am Vorabend nach seinem jüngsten Rutsch zwar etwas stabilisiert, doch in Asien ging es am Dienstag für Tech-Werte wieder abwärts. Die Infineon-Titel gaben vor diesem Hintergrund als einer der größten Dax-Verlierer um 2,5 Prozent nach. Im MDax erwischte es auch mit der Chipbranche verbundene Ausrüster und Zulieferer.
Mit Hochtief und Siemens Energy gerieten auch andere Dax-Werte mit Fantasie für den Ausbau von Rechenzentren unter Druck. Dies galt außerdem für das Index-Schwergewicht Siemens, dessen Aktien mit einem Abschlag von fast vier Prozent zum größten Indexverlierer wurden. Rekordhohe Auftragseingänge des Schweizer Konkurrenten ABB konnten dies nicht mildern.
In der Tech-Branche machen sich weiterhin Sorgen breit, wie lange die enorm hohen Investitionen noch das Potenzial haben, sich zu lohnen. Angespannt wird außerdem auf die bald erwarteten Quartalszahlen großer US-Tech-Konzerne wie Microsoft, Alphabet oder Apple geblickt.
Laut dem Experten Nelson Yu von AllianceBernstein trifft die lange Zeit gültige KI-Euphorie neuerdings auch "auf Zinsrealität". Nach Ansicht der LBBW machen die massiven Ausschreitungen in Frankreich die Bemühungen um eine Konsolidierung des Staatshaushalts nicht einfacher. Damit einhergehend bleibt die Unsicherheit am Anleihemarkt groß.
Steigende Marktzinsen sind schon länger ein Problem für Immobilienunternehmen, unter denen die Titel von Vonovia am Dienstag einen weiteren Tiefstand seit 2023 erreichten. Der Kurs von LEG fiel um 2,2 Prozent, nachdem die US-Bank Morgan Stanley ihr Votum auf "Underweight" gesenkt hatte.
Die Aktien von TAG Immobilien schlugen sich mit fast einem Prozent Plus besser nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs. Der Wachstumsmotor Polen verhelfe zu einer branchenführenden Gewinndynamik, schrieb der Experte Jonathan Kownator. Zudem lobte er bei TAG die Rendite und die geringen Leerstände im deutschen Immobilienbestand.
Im Dax waren die Aktien des Energiekonzerns Eon dank ihres defensiven Charakters ein Lichtblick. Ein Händler verwies hier auf das Nachwirken eines Artikels im "Manager Magazin", das am Vortag von einem Sparprogramm namens Polaris berichtet hatte. Der Börsianer sah in den damit verbundenen möglichen Einsparungen eine Chance auf eine vorübergehend positive Kurswirkung./tih/jha/
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