PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Weiter hohe Ölpreise und ein sehr schwacher Technologiesektor haben die Anleger am Donnerstag von den europäischen Börsen vertrieben. "Es wird ungemütlich an der Börse", konstatierte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Der anhaltend hohe Inflationsdruck sei die zentrale Sorge.
Der EuroStoxx 50 verlor zum Börsenschluss 1,94 Prozent auf 6.087,01 Punkte. Damit bleibt der seit Mitte August gültige Abwärtstrend intakt. Über die 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend kam der Leitindex der Eurozone am Donnerstag nicht hinaus. Zum Handelsschluss notierte er zudem knapp unter der noch stärker beachteten 200-Tage-Linie als Indikator für den längerfristigen Verlauf.
"Die steigenden Energiepreise bringen sowohl die Verbraucher als auch die Notenbanken zunehmend in Bedrängnis", so Lipkow weiter. Für ihn ist daher die Entwicklung im Nahen Osten entscheidend. Ohne eine baldige Deeskalation und eine spürbare Entspannung bei den Ölpreisen nehme die Gefahr zu, dass Anleger ihre Aktienbestände auch unabhängig von kurzfristigen Unternehmensergebnissen reduzierten, zumal immer mehr Konzerne bei ihren Geschäftsausblicken vorsichtiger würden.
Nicht ganz so schlecht sah es am Donnerstag außerhalb der Euroregion aus: Der britische FTSE 100 gab um 0,26 Prozent auf 10.725,03 Punkte nach. Der Schweizer Leitindex SMI schloss mit minus 0,03 Prozent auf 14.547,97 Zähler. Kursgewinne der Schwergewichte Novartis und Nestle stützten in Zürich. Das Wachstum des Lebensmittelherstellers Nestle gewann im dritten Quartal an Fahrt, die Aktien gewannen 1,1 Prozent.
Technologiewerte in Europa konnten sich dem Verkaufsdruck an der Nasdaq-Börse in New York nicht entziehen. Chip- und KI-Werte ließen dort nach Quartalszahlen von Lam Research und Meta deutlich Federn. Im EuroStoxx erwischte es die Papiere von Siemens Energy mit einem Minus von 8,6 Prozent besonders stark. Auch Schneider Electric, Infineon und ASML kamen deutlich unter die Räder.
Gegen den schwachen Trend im Techsektor setze SAP ein positives Ausrufezeichen nach Quartalszahlen. Die Papiere von Europas größtem Softwarekonzern gewannen an der EuroStoxx-Spitze 3,2 Prozent und hielten damit auch größere Verluste im Techsektor in Schach.
Die Aktien von Hermes fielen um 4,9 Prozent. Den Luxuskonzern belastet weiter ein schwaches China-Geschäft. Asien ist für Hermes der wichtigste Markt und war in den vergangenen Jahren Garant für starkes Wachstum. Bei den Anlegern kam das schwache Abschneiden dort daher gar nicht gut an.
Den Nokia-Konzern treiben Rechenzentren an. Nach einem überraschend guten Sommergeschäft stellt sich der Netzwerkausrüster aber auf noch höhere Kosten für sein Sparprogramm ein. Die Analysten von Oddo lobten das Zahlenwerk, vermissten aber eine Anhebung der Prognose. Die Aktien sackten um fast zehn Prozent ab./ajx/he
FR0000052292, DE0006231004, FI0009000681, CH0012005267, DE0007164600, FR0000121972, EU0009658XXX, CH0038863350, US30303M1027, NL0010273215, FR0003500XXX, CH0009980XXX, GB0001383XXX, DE000ENER6Y0




