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12.02.2010 | 12:12
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Fraport hofft bei Entgeltverhandlungen auf einen Kompromiss

DJ Fraport hofft bei Entgeltverhandlungen auf einen Kompromiss

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Fraport AG, Frankfurt, setzt bei ihren Entgeltverhandlungen mit Fluggesellschaften trotz aller Schwierigkeiten auf einen Kompromiss. Wenn auf allen Sei­ten Einigungswillen besteht, werden wir auch zu ei­nem tragfähigen Konsens kommen", sagte Sprecher Jürgen Harrer am Freitag. Dies setze aber Bewegungsspielräume auf allen Seiten der Ver­hand­lungspartner voraus.

Flughafenbetreiber und Airlines wollen bis kommenden Freitag zu einer Lösung kommen und sich über die Gebühren am Frankfurter Flughafen für die Jahre 2012 bis 2015 einigen.

Zum gegenwärtigen Stand der Verhandlungen nannte Fraport mit Verweis auf Vertraulichkeit keine Details. Harrer dementierte aber Angaben des Fluggesellschaftenverbands Barig, wonach der Flughafenbetreiber für 2012 bis 2015 eine Erhöhung der Gebühren um insgesamt 20% gefordert habe. "Die Zahl spiegelt in keiner Weise den aktuellen Verhandlungsstand wider, sagte der Sprecher. Das aktuelle Angebot sei davon "deutlich entfernt".

Außerdem wies Fraport Kritik des Lufthansa-Betriebsrats zurück. Die Arbeitnehmervertreter von Deutschlands größter Airline hatten Fraport vorgeworfen, dass die Erhöhung der Entgelte Arbeitsplätze gefährden würde. "Das ist völliger Humbug und das wissen auch die Betriebsräte der Lufthansa", erklärte der Fraport-Sprecher. Das Gegenteil sei der Fall. Die Investitionen in den Ausbau des Frankfurter Flughafens würden die bestehenden Arbeitsplätze sichern und zehntausende neuer Jobs schaffen.

Fraport investiert seinen weiteren Angaben zufolge derzeit etwa 1 Mrd EUR pro Jahr in die Modernisierung und Erweiterung der Flug­betriebsanlagen einschließlich des Ausbaus. Diese In­vestitionen seien eng mit den Fluggesellschaften abge­stimmt.

"Die da­mit geschaffenen zusätzlichen Kapazi­täten kommen den Airlines und deren Kunden letztlich ebenso zugute wie sie die Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandor­tes Deutschland stärken", sagte Harrer. Richtig sei aber auch, dass jede Investition von 1 Mrd EUR etwa 100 Mio EUR pro Jahr zusätzliche Aufwendungen für Zinsen und Abschreibungen für Fraport be­deuten würden. Diese müssten durch das erwartete Verkehrs­wachstum, durch zusätzli­che Flughafenentgelte und durch gesteigerte Retail-Erträge verdient werden.

Der Airlineverband Barig hatte schon am Mittwoch vor einem möglichen Scheitern der Gespräche gewarnt und auf die Konsequenzen hingewiesen. Die von Fraport geforderten 20% würden der Wettbewerbsfähigkeit des Frankfurter Flughafens schaden, das geplante Wachstum hemmen, Arbeitsplätze kosten und die gesamte Region in Mitleidenschaft ziehen. Aus diesem Grund plädierte das Board of Airline Representatives in Germany für geringere Gebühren und eine Kopplung der Entgelte an das erwartete Wachstum.

Scheitern die Verhandlungen über den Planungszeitraum 2012 bis 2015, steht auch der von den Kontrahenten im Dezember 2009 gefundene Kompromiss für 2010 und 2011 auf der Kippe. Denn dieser steht unter dem Vorbehalt, dass sich Airlines und Flughafenbetreiber bis zum 19. Februar 2010 über die weitere Entwicklung der Entgelte bis 2015 einigen. Damals war eine schrittweise Anhebung der Entgelte um 13,1% bis Ende 2011 vereinbart worden. Kommt keine Eini­gung zustande, könnten die Partner den Vertrag kündigen. Dann erhöht Fraport die Entgelte einmalig vom 1. April 2010 an um 8,4%. Barig hatte sich am Mittwoch auch zum Stand der Verhandlungen geäußert. Das bisherige Verhandlungsangebot von Fraport sehe eine stufenweise Steigerung der Entgelte zwischen 2012 und 2015 um insgesamt 20% vor. Dies sei aus Sicht der Airlines nicht akzeptabel, sagte Barig-Generalsekretär Martin Gaebges. Frankfurt solle aus Sicht der Fluggesellschaften die Nummer 1 in Europa werden. Dies gehe aber nur, wenn die Unternehmen dort marktkonforme und wettbewerbsfähige Konditionen erhalten würden. Der Frankfurter Flughafen sei heute schon deutlich teurer als europäische Mitbewerber. Die jetzige Verhandlungsposition würde den Abstand nochmals deutlich vergrößern.

Barig zufolge bestehen in Frankfurt erst von 2012 an wieder Wachstumsmöglichkeiten für die Airlines. Bei konservativer Planung könnten bis 2015 über 25% mehr Passagiere befördert werden. Um dies zu erreichen, würden am Standort Frankfurt Milliarden EUR in Flotte und Infrastruktur investiert. Aus diesem Grund fordert der Verband ein Entgeltmodell, das dieses Wachstum würdigt. Wenn die Airlines durch höheres Wachstum zur Prosperität des Flughafens beitragen würden, sollten sie durch entsprechend günstigere Entgelte belohnt werden, sagte der Generalsekretär.

Auch Lufthansa hatte das Angebot von Fraport abgelehnt. Frankfurt zähle bereits heute zu den Flughäfen mit den höchsten Standortkosten Europas, hatte Sprecher Peter Schneckenleitner gesagt. Trotzdem habe Deutschlands größte Airline der "schmerzhaften" Entgeltsteigerung von über 13% bis 2012 zugestimmt. Die Forderung nach weiteren 20% Prozent Entgelterhöhung für die darauf folgenden Jahre könne und werde Lufthansa sich nicht leisten. "Kein Passagier wird bereit sein dies zu bezahlen", so der Sprecher weiter.

Webseiten: www.fraport.de 
              www.lufthansa-financials.com 
              www.barig.org 
 
   -Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, 
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