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27.01.2012 | 18:06
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Dow Jones News · Mehr Nachrichten von Dow Jones News

UPDATE: Schuldenerlass für Griechenland rückt in greifbare Nähe

--Durchschnittszins von 3,7 bis 3,8 Prozent in Diskussion

--EU und Deutschland optimistisch über baldige Einigung

--Kupon soll an Wirtschaftsentwicklung gekoppelt werden

(NEU: Parteien halten Abschluss noch am Wochenende für möglich)

Von Costas Paris und  Alkman Granitsas 
   DOW JONES NEWSWIRES 

ATHEN (Dow Jones)--Die Gespräche zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt befinden sich offenbar auf der Zielgeraden. Vertreter der EU und der beteiligten Parteien äußerten sich optimistisch, dass die immer wieder vertagen Gespräche noch am Wochenende zu einem Abschluss kommen. Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn hält das für wahrscheinlich: "Wir sind auf den letzten Metern der Verhandlungen."

Die Gläubiger sind anscheinend bereit, einen durchschnittlichen Zinssatz von unter 4 Prozent für neue Staatsanleihen zu akzeptieren, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Derzeit werde ein Durchschnittszins von 3,7 bis 3,8 Prozent diskutiert, sagte der Insider weiter. Bislang hatte der internationale Bankenverband (IIF), der die Interessen der meisten privaten Gläubiger vertritt, auf einer Untergrenze von 4 Prozent bestanden.

Der IIF wolle im Gegenzug die Zinsen für die neuen Anleihen an die Wirtschaftsentwicklung in Griechenland koppeln: Sollte die Konjunktur des Landes zu Wachstum zurückkehren, würden auch die Zinsen steigen.

Die Gespräche über den im Grundsatz bereits länger vereinbarten Schuldenschnitt waren in den vergangenen Wochen mehrfach ins Stocken geraten. Griechenland braucht die Einigung aber dringend, damit die Euroländer und der Internationale Währungsfonds (IWF) ein zweites Rettungspaket für das hochverschuldete Land auf den Weg bringen. Auch die Bundesregierung ist optimistisch, dass die Verhandlungen in Kürze abgeschlossen werden können.

Am Donnerstag hatten sich der Chef des IIF, Charles Dallara, für zweieinhalb Stunden mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos getroffen. Um 17.30 Uhr (MEZ) sollen die Gespräche in der griechischen Hauptstadt fortgesetzt werden. Offiziell hieß es von den Gläubigern, am Vortag seien "einige Fortschritte gemacht worden".

Im vergangenen Oktober hatte sich der IIF, eine Lobbygruppe für mehr als 400 internationale Großbanken, zu einem freiwilligen Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland bereit erklärt. Dabei sollten Staatsanleihen zur Hälfte ihres Nominalwertes gegen neue Bonds getauscht werden.

Knackpunkt für eine umsetzbare Vereinbarung ist die Verzinsung der neuen Anleihen. Deutschland und der IWF haben darauf gedrängt, dass der Durchschnittszins nicht über 3,5 Prozent steigt, damit die neuen Anleihen langfristig für Griechenland finanzierbar bleiben. Bislang hatten die Banken als Untergrenze maximal 4 Prozent akzeptiert.

Der "Haircut" für die Banken sollte es Griechenland erlauben, die Verschuldung von derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Doch die fortschreitende Rezession und das wachsende Haushaltsdefizit lassen dieses Ziel inzwischen als kaum noch erreichbar erscheinen.

Aus diesem Grund drängen die öffentlichen Geldgeber darauf, den Zinssatz der neuen Staatsanleihen für die Banken zu senken. Sie fürchten, dass Griechenland ansonsten nicht in der Lage sein wird, seine Verschuldung langfristig in den Griff zu bekommen. Die Frage ist deshalb, welchen Anteil der künftigen Lasten die privaten und öffentlichen Gläubiger übernehmen.

Nicht nur die Gespräche mit dem IIF sind deshalb schwierig. Problematisch wird auch die Frage, welchen Beitrag die Euroländer möglicherweise zusätzlich aufbringen müssen. Auch gibt es Forderungen, die Europäischen Zentralbanken stärker ins Boot zu holen.

EU-Währungskommissar Olli Rehn und IWF-Direktorin Christine Lagarde haben in den vergangenen Tagen erklärt, wenn es nicht gelinge, mit den Banken eine für Griechenland nachhaltige Lösung zu finden, dann müssten sich die öffentlichen Gläubiger Griechenlands auf Abschreibungen bei ihren Griechenland-Krediten einstellen.

Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker rief die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag dazu auf, bei der Griechenland-Rettung eine Rolle zu übernehmen. Bisher hat die Zentralbank derlei Forderungen abgelehnt. Einen Schnitt bei den Forderungen gegenüber Griechenland verstieße aus Sicht der Zentralbanker gegen die Statuten, die eine direkte Finanzierung von Regierungen ausschließen.

Angesichts des immer höheren Finanzbedarfs Griechenlands ist eine Debatte darüber entbrannt, ob sich neben den privaten Gläubigern auch die EZB an einem Schuldenerlass beteiligen muss. Die Notenbank ist mit einem Bestand an griechischen Staatsanleihen von schätzungsweise 40 Milliarden Euro inzwischen einer der größten Gläubiger des Landes.

Dass das bisherige Programm zur Schuldensenkung für Griechenland nicht im Plan liegt, hat Juncker ebenfalls bestätigt. Nach dem EU-Gipfel am nächsten Montag wollen EU und IWF das Ergebnis einer neuen Studie zur Schuldenentwicklung für Griechenland vorlegen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Eurozone dann erneut Gedanken machen muss, wie Griechenland langfristig aus der Schuldenfalle wieder herauskommt.

Die bisher veranschlagten 130 Milliarden Euro für das zweite griechische Hilfspaket könnten sich nach Angaben einer damit vertrauten Person als zu gering erweisen. Weil sich Griechenland im fünften Jahr der Rezession befindet, brechen die Einnahmen des Staates ein. Das Budgetdefizit hat fast die Marke von 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Wegen der sich ständig verschlechternden Finanzlage des Staates müssten eventuell 20 Milliarden Euro dazukommen, sagte ein Insider.

-Von  Costas Paris und  Alkman Granitsas, Dow Jones Newswires, 
+49 (0)69 29725 300, konjunktur@dowjones.com 
(Andreas Kißler hat zu diesem Bericht beigetragen) 
DJG/DJN/rio/apo 

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January 27, 2012 11:34 ET (16:34 GMT)

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