Von Alain Bourrier und Plamen Monovski
Die letzten Monate sind für die Aktienmärkte der aufstrebenden europäischen Volkswirtschaften recht turbulent verlaufen. Grund war der enorme Anstieg der Marktvolatilität ab Mai, der auch die globalen Aktienmärkte erfasste. Infolge kräftiger Gewinnmitnahmen brachen die Kurse auf allen Märkten der Region ein. Inzwischen haben die meisten Schwellenländermärkte Osteuropas die Verluste zwar teilweise aufgeholt, erneute Nervosität unter den Investoren angesichts schwächerer globaler Wachstumszahlen und höherer Inflation könnte jedoch abermals zu Einbrüchen führen.
Die jüngsten Marktbewegungen deuten weniger auf grundlegende strukturelle Probleme innerhalb der Schwellenländer Europas hin, sondern vielmehr auf einen generellen Anstieg der Risikoaversion unter Anlegern. Insgesamt ist mit einer fortgesetzten Erholung der volkswirtschaftlichen Rahmendaten der Region zu rechnen. Die Volkswirtschaften der osteuropäischen Schwellenländer wachsen schneller als ihre westeuropäischen Pendants. Viele der europäischen Schwellenländer verzeichnen ein jährliches Bruttoinlandsprodukts-Wachstum von weit über fünf Prozent. Diese Dynamik wird nicht nur durch die steigende Inlandsnachfrage, sondern auch den ständigen Zufluss ausländischer Investitionen angetrieben, die auf Faktoren wie vergleichsweise niedrige Arbeitskosten und geringe Steuersätze zurückzuführen ist.
Aber trotz ihres herausragenden Gewinnwachstumspotenzials werden Aktien aus den europäischen Schwellenländern im Vergleich zu Aktien aus entwickelteren Märkten immer noch mit einem hohen Abschlag gehandelt. Durch die jüngsten Kursrückschläge haben sich auf jeden Fall äußerst interessante Kaufgelegenheiten eröffnet.
Aufwind für Russlands Volkswirtschaft
Russlands volkswirtschaftliche Basisdaten sind besonders eindrucksvoll: Für 2006 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 6,5% bis 7,0% gerechnet. Russlands Ölreichtum hat sich als ein Segen erwiesen, der sich günstig auf alle Bereiche der Wirtschaft auswirkt. So ist insbesondere auch die Inlandsnachfrage, und vor allem die Verbrauchernachfrage, kräftig gestiegen. Gleichzeitig erlauben Russlands beträchtliche Handelsbilanzüberschüsse den Abbau des Budgetdefizits und die Tilgung der Schuldenlast. Die russische Volkswirtschaft ist jetzt robust genug, um auch mit einem Verfall der Ölpreise fertig zu werden. Damit ist allerdings angesichts des knappen Angebots bei gleichzeitig anhaltend starker Nachfrage und der geopolitischen Unwägbarkeiten bis auf weiteres nicht zu rechnen.
Zentraleuropa profitiert vom Konvergenzprozess
Zentraleuropa profitiert weiterhin vom EU-Konvergenzprozess. Das hohe Maß an fiskalischer Disziplin, um die Maastricht-Kriterien für den Eintritt in die Europäische Währungsunion (EWU) zu erfüllen, verschafft den zentraleuropäischen Volkswirtschaften Auftrieb. Die Inflation bewegt sich jetzt nur noch im einstelligen Bereich, nachdem die Region noch Anfang der 1990er Jahre kurz vor der Hochinflation stand. Die Zinsen sind nicht nur gefallen, sondern verharren auf einem niedrigen Niveau. Damit besteht ein Umfeld, in dem sich Kredite sowohl für Banken als auch Verbraucher lohnen. Ungarn enttäuscht jedoch: Hier untergraben das Haushalts- und Handelsbilanzdefizit jegliches Vertrauen in einen baldigen Aufschwung.
Zurückhaltung bei Investitionen in die Türkei
Seit einigen Monaten wird die Türkei vorsichtiger eingeschätzt. Investoren sind zwar weiterhin optimistisch im Hinblick auf die mittelfristigen Perspektiven des Landes. Eine Reihe türkischer Titel scheinen jedoch überbewertet zu sein. Diese Vorsicht hat sich ausgezahlt, da die türkische Währung in den vergangenen Wochen einiges an Wert verloren hat und die Inflation weiter anheizt. Aber trotz der anhaltenden Marktturbulenzen bestehen immer noch viel versprechende Anlagemöglichkeiten in der Türkei. Dies betrifft insbesondere Bereiche, die relativ gut von den aktuellen Problemen abgeschottet sind, wie Industriekonglomerate und Bauaktien.
Fazit
Jüngste Markttrends deuten eher auf eine revidierte Einpreisung von Risiko als auf eine Veränderung bei den Rahmendaten der Region hin. Merrill Lynch Investment Managers bleibt bei der Auffassung, dass die Region ein überlegenes Gewinnwachstumspotenzial aufweist und die guten Bewertungen im Zuge des Kursrutsches attraktive Kaufgelegenheiten eröffnen. Die "Gesundschrumpfung" des globalen Aktienmarktes hat sich zwar erheblich auf die Anlegerpsyche und die Haltung gegenüber risikoreicheren Werten ausgewirkt. Wir als Fondsmanagement-Team sind jedoch zuversichtlich, dass Osteuropa jetzt wieder ein beträchtliches Aufwärtspotenzial bietet.
(Die Autoren sind Co-Fondsmanager des Merrill Lynch MLIIF Emerging Europe Fund.)
DJG/mig/jhe
Die letzten Monate sind für die Aktienmärkte der aufstrebenden europäischen Volkswirtschaften recht turbulent verlaufen. Grund war der enorme Anstieg der Marktvolatilität ab Mai, der auch die globalen Aktienmärkte erfasste. Infolge kräftiger Gewinnmitnahmen brachen die Kurse auf allen Märkten der Region ein. Inzwischen haben die meisten Schwellenländermärkte Osteuropas die Verluste zwar teilweise aufgeholt, erneute Nervosität unter den Investoren angesichts schwächerer globaler Wachstumszahlen und höherer Inflation könnte jedoch abermals zu Einbrüchen führen.
Die jüngsten Marktbewegungen deuten weniger auf grundlegende strukturelle Probleme innerhalb der Schwellenländer Europas hin, sondern vielmehr auf einen generellen Anstieg der Risikoaversion unter Anlegern. Insgesamt ist mit einer fortgesetzten Erholung der volkswirtschaftlichen Rahmendaten der Region zu rechnen. Die Volkswirtschaften der osteuropäischen Schwellenländer wachsen schneller als ihre westeuropäischen Pendants. Viele der europäischen Schwellenländer verzeichnen ein jährliches Bruttoinlandsprodukts-Wachstum von weit über fünf Prozent. Diese Dynamik wird nicht nur durch die steigende Inlandsnachfrage, sondern auch den ständigen Zufluss ausländischer Investitionen angetrieben, die auf Faktoren wie vergleichsweise niedrige Arbeitskosten und geringe Steuersätze zurückzuführen ist.
Aber trotz ihres herausragenden Gewinnwachstumspotenzials werden Aktien aus den europäischen Schwellenländern im Vergleich zu Aktien aus entwickelteren Märkten immer noch mit einem hohen Abschlag gehandelt. Durch die jüngsten Kursrückschläge haben sich auf jeden Fall äußerst interessante Kaufgelegenheiten eröffnet.
Aufwind für Russlands Volkswirtschaft
Russlands volkswirtschaftliche Basisdaten sind besonders eindrucksvoll: Für 2006 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 6,5% bis 7,0% gerechnet. Russlands Ölreichtum hat sich als ein Segen erwiesen, der sich günstig auf alle Bereiche der Wirtschaft auswirkt. So ist insbesondere auch die Inlandsnachfrage, und vor allem die Verbrauchernachfrage, kräftig gestiegen. Gleichzeitig erlauben Russlands beträchtliche Handelsbilanzüberschüsse den Abbau des Budgetdefizits und die Tilgung der Schuldenlast. Die russische Volkswirtschaft ist jetzt robust genug, um auch mit einem Verfall der Ölpreise fertig zu werden. Damit ist allerdings angesichts des knappen Angebots bei gleichzeitig anhaltend starker Nachfrage und der geopolitischen Unwägbarkeiten bis auf weiteres nicht zu rechnen.
Zentraleuropa profitiert vom Konvergenzprozess
Zentraleuropa profitiert weiterhin vom EU-Konvergenzprozess. Das hohe Maß an fiskalischer Disziplin, um die Maastricht-Kriterien für den Eintritt in die Europäische Währungsunion (EWU) zu erfüllen, verschafft den zentraleuropäischen Volkswirtschaften Auftrieb. Die Inflation bewegt sich jetzt nur noch im einstelligen Bereich, nachdem die Region noch Anfang der 1990er Jahre kurz vor der Hochinflation stand. Die Zinsen sind nicht nur gefallen, sondern verharren auf einem niedrigen Niveau. Damit besteht ein Umfeld, in dem sich Kredite sowohl für Banken als auch Verbraucher lohnen. Ungarn enttäuscht jedoch: Hier untergraben das Haushalts- und Handelsbilanzdefizit jegliches Vertrauen in einen baldigen Aufschwung.
Zurückhaltung bei Investitionen in die Türkei
Seit einigen Monaten wird die Türkei vorsichtiger eingeschätzt. Investoren sind zwar weiterhin optimistisch im Hinblick auf die mittelfristigen Perspektiven des Landes. Eine Reihe türkischer Titel scheinen jedoch überbewertet zu sein. Diese Vorsicht hat sich ausgezahlt, da die türkische Währung in den vergangenen Wochen einiges an Wert verloren hat und die Inflation weiter anheizt. Aber trotz der anhaltenden Marktturbulenzen bestehen immer noch viel versprechende Anlagemöglichkeiten in der Türkei. Dies betrifft insbesondere Bereiche, die relativ gut von den aktuellen Problemen abgeschottet sind, wie Industriekonglomerate und Bauaktien.
Fazit
Jüngste Markttrends deuten eher auf eine revidierte Einpreisung von Risiko als auf eine Veränderung bei den Rahmendaten der Region hin. Merrill Lynch Investment Managers bleibt bei der Auffassung, dass die Region ein überlegenes Gewinnwachstumspotenzial aufweist und die guten Bewertungen im Zuge des Kursrutsches attraktive Kaufgelegenheiten eröffnen. Die "Gesundschrumpfung" des globalen Aktienmarktes hat sich zwar erheblich auf die Anlegerpsyche und die Haltung gegenüber risikoreicheren Werten ausgewirkt. Wir als Fondsmanagement-Team sind jedoch zuversichtlich, dass Osteuropa jetzt wieder ein beträchtliches Aufwärtspotenzial bietet.
(Die Autoren sind Co-Fondsmanager des Merrill Lynch MLIIF Emerging Europe Fund.)
DJG/mig/jhe
© 2006 Dow Jones News
