Weitere Kurssteigerungen des Euro sind wahrscheinlich, stand vergangene Woche an dieser Stelle zu lesen. Wohlgemerkt, da notierte das Währungspaar EUR/USD noch bei 1,3100. Nun sind es mehr als 1,3300. Und ein Ende des Höhenflugs ist vorerst nicht abzusehen. Schon machen Prognosen eines schnellen Euroanstiegs auf 1,40 US-Dollar die Runde, die angesichts der jüngsten eher mauen US-Konjunkturdaten gar nicht einmal so unrealistisch erscheinen.
Die gute Nachricht daran ist, dass bislang die Folgen der Euroaufwertung noch begrenzt sein dürften. Gegenüber den meisten anderen Handelswährungen ist der Euro relativ stabil. Während der Euro zum US-Dollar seit Mitte November 4,3 Prozent an Wert gewonnen hat, legte er gegenüber den wichtigsten Handelspartnern insgesamt nur um 1,3 Prozent zu.
Zudem kommt die Belastung durch den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit genau zu dem Zeitpunkt, an dem der fallende Ölpreis die Unternehmen entlastet. Nach Berechnungen der Investmentbank Morgan Stanley beflügelt der bisherige Ölpreisrückgang das Wachstum in etwa so viel, wie es eine zwölfprozentige Aufwertung zum Greenback bremsen würde.
Positiv könnte zudem wirken, dass der Eurohöhenflug den Inflationsdruck begrenzt. Mit dem billigeren US-Dollar werden Importe günstiger. Das dämpft die Teuerung in jenem Moment, in dem die deutsche Umsatzsteuererhöhung die Preise in die Höhe treibt.
Gerade die von der Notenbank befürchteten Zweitrundeneffekte, wie steigende Lohnforderungen wegen höherer Ölpreise oder indirekter Steuern, werden so unwahrscheinlicher. Schon bei einem Wechselkurs von unter 1,30 US-Dollar prognostiziert die EZB inzwischen, dass die Inflation 2008 knapp unter zwei Prozent bleibt. Beim jetzigen Eurokurs könnte das Ziel noch deutlicher erreicht werden. Der anhaltend hohe Eurokurs hat so gesehen nicht nur Schattenseiten.
Carsten Stern ibas AG FXdirekt
Für den Inhalt der Kolumne ist allein FXdirekt Bank AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.
AXC0104 2006-12-06/12:43
