New York (BoerseGo.de) - Auf den ersten Blick wirkt die heutige Rallye etwas überraschend. Immerhin sind die heute gemeldeten Konjunkturdaten schwach ausgefallen. Die Zahl der wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen stieg - wie erwartet - auf 371.000 (Vorwoche: 365.000). Die Industrieproduktion fiel im April - stärker als erwartet - um 0,7%, der Empire State Index, der die Industrieentwicklung im Ballungsgebiet New York signalisiert, sank im Mai auf minus 3,2 und zeigt dort einen stärkeren Rückgang als befürchtet. Das Pendant, der Index der Philadelphia Fed, verbesserte sich im Mai dagegen auf minus 15,9 (Vormonat: minus 19,0). Das bedeutet zwar ebenfalls ein Schrumpfen, aber weniger schlimm als erwartet.
Gescheiterte Attacke
Die heutigen Kursgewinne lassen sich - wie so oft - erst erklären, wenn man sie im längerfristigen Zusammenhang sieht. Ein Teil der Gewinne korrigiert lediglich den Kursrutsch, der im gestrigen späten Handel der Wall Street für Verunsicherung sorgte. Aus heiterem Himmel waren gestern die Technologie-Schwergewichte des Auswahlindex Nasdaq 100 - vor allem Apple, Google oder Research in Motion - kurz vor Schluss unter gezielten Verkaufsdruck geraten und hatten damit den breiten Markt mit in die Tiefe gezogen. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rutschte gestern ins Minus, die Nasdaq gab am Schluss ihren gestrigen Tagesgewinn ab und S&P und Dow halbierten etwa ihre Gewinne. Die dadurch erzeugte Unsicherheit belastete heute früh noch die US-Futures und damit auch die europäischen Märkte. Heute aber verpuffte die gezielte Attacke so plötzlich wie sie gekommen war und die gestern angegriffenen Aktien wurden zurückgekauft.
Die Aufwärtsbewegung, die im März gestartet wurde, erklärt sich aber vor allem damit, dass der Kursrutsch der Aktienmärkte von Ende Oktober bis Anfang März eine Rezession vorwegnahm, die nicht eintrifft. Wachsende Konjunkturhoffnungen - trotz der holperigen Entwicklung - und die abnehmende Angst vor abstürzenden Kreditmärkten führen zu Rückkäufen und zur Eindeckung von Leerverkäufen. Das war vielleicht auch der Grund dafür, dass die gestrige Verkaufsattacke sang und klanglos gescheitert ist.
Der Dow Jones Industrial Average gewann heute 0,73% auf 12.922 Punkte, der S&P 500 avancierte 1,06% auf Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,48% auf 2.533 Punkte. Damit schlossen der repräsentative S&P und die Nasdaq auf einem 4-Monats-Hoch.
Dow Jones Average: Nur Bagatellschäden
Von den 30 Blue Chips landeten zum Schluss 22 im grünen Bereich. Tagessieger wurde die volatile Aktie von General Motors mit plus 5,15% auf 21,23 Dollar. Der Autokonzern hat mit einer kanadischen Gewerkschaft für ein Werk in Ontario einen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Arbeitnehmer dort bekommen in den kommenden 3 Jahren zwar keinen offiziellen Lohnanstieg, dafür aber im 2. und 3. Jahr einen Ausgleich für den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Intel belegte mit plus 4,74% auf 24,97 Dollar den 2. Platz. Der Broker Lehman Brothers hob heute sein Kursziel für den Chip-Riesen auf 26 Dollar (vorher: 24 Dollar) und bekräftigte seinen Rat „Übergewichten“. Der Broker verwies dabei auf einen ermutigenden Trend bei den Auftragseingängen. Außerdem rechne man damit, dass Intel zahlreiche vielversprechende neue Chips auf den Markt bringt, etwa für Notebooks. Die Bank of America zeigte sich ebenfalls optimistisch. Der neue Chip Atom könne ähnlich erfolgreich sein wie vor 5 Jahren Centrino, hiess es dort. JP Morgan avancierte 2,42% auf 47,02 Dollar. Die Citigroup verbesserte sich 2,06% auf 23,73 Dollar. Fed-Chef Ben Bernanke hatte sich heute lobend zu den Banken geäußert. Im gefallen deren Kapitalerhöhungen mit denen sie die Kraft gewinnen, die Krise schneller zu beenden.
Der Flop des Dow war der Mischkonzern United Tech, der nachrichtenlos 1,16% auf 74,29 Dollar abgab. Die restlichen Verlierer erlitten nur Bagatellschäden.
S&P 500: Die schönen Dinge der Welt
Der S&P wurde wieder einmal von guten Quartalszahlen und ermutigenden Ausblicken belebt. Tiffany & Co sprang 6,61% auf 48,88 Dollar. Der New Yorker Juwelier hob heute seine Prognose für das erste Quartal seines Geschäftsjahres an. Der Gewinn werde über der ursprünglichen Prognose - wie im Vorjahr 39 Cents je Aktie - liegen, hiess es. Ausserdem hob der Luxusartikler seine Quartalsdividende um 13% auf 17 Cents je Aktie an. Trotz der Konjunktursorgen und explodierende Benzinpreise bleibt eben noch noch Geld für die schönen Dinge der Welt übrig. Agilent kletterte 8,64% auf 35,34 Dollar. Der Hersteller von Labor- und anderen wissenschaftlichen Geräten zählt zur Legion der Unternehmen, deren Quartalszahlen die Erwartungen schlugen. Goldman Sachs verschönte das Kursziel von 37 Dollar auf 38 Dollar und die Citigroup korrigierte von 43 Dollar auf 44 Dollar. J.C. Penney Company avancierte 4,68% auf 46,27 Dollar. Der Kaufhausbetreiber meldete zwar Gewinn- und Umsatzrückgang im 1. Quartal. Beides verlief aber glimpflicher als die Wall Street befürchtet hatte.
Merrill Lynch verbesserte sich 2,25% auf 49,97 Dollar. Die Investmentbank profitiert dabei auch von einem wohlwollenden Kommentar des Rivalen Bank of America. Deren Analyst Michael Hecht bekräftigte heute seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 53 Dollar auf 57 Dollar. Merrill Lynch, der größte Broker der Welt, verfüge über eine starke Kapitalbasis und habe gute langfristige Aussichten, begründet Hecht seine Entscheidung. Er rechne damit, dass die Investmentbank für das laufende 2. Quartal weniger abschreiben muss als deren Rivalen. Noch besser erging es dem Rivalen Lehman Brothers, der heute 6,01% auf 44,77 Dollar kletterte. Blackstone avancierte 56,33% auf 20,54 Dollar. Der Finanzinvestor meldete zwar einen überraschenden Quartalsverlust, überzeugte aber mit seinem Ausblick.
CBS Corp. verlor dagegen 2,38% auf 24,23 Dollar. Der Medienkonzern kauft den Internetdienst Cnet. Wie üblich gerät der Aufkäufer unter Druck, weil die Investoren sich Sorgen über die mit der Übernahme verbundenen Kosten machen.
Nasdaq: Delle ausgebügelt
Der Auswahlindex Nasdaq 100 konnte mit plus 1,70% auf 2.031 Punkte deutlich mehr dazu gewinnen als er gestern verloren hatte. Die gestern unter Beschuss geratenen Technologiewerte wurden wieder zurückgekauft. Apple gewann 1,86% auf 189,73 Dollar. Damit wurde die gestrige Kursdelle wieder geglättet. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, verbesserte sich 1,55% auf 140,71 Dollar. Auch dort wurde der gestrige Rutsch korrigiert. Hilfreich war wohl auch die Meldung des Wall Street Journals, die Kanadier planten im 3. Quartal die Einführung eines Touch-Screen Black Berrys.
Die Stärke der Chip-Titel trug ebenfalls zu den heutigen Nasdaq-Gewinnen bei. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, avancierte 2,05% auf 419,72 Punkte. Der Broker Friedman Billings Ramsey riet heute, den ganzen Sektor zu kaufen. Der Grund: Die PC-Hersteller ordern mehr Chips, weil deren Geschäft brummt. Davon profititierte nicht nur der Dow-Titel Intel. Zu den Gewinnern zählen derzeit besonders Marvell Technology Group Ltd. (plus 5,70% auf 14,83 Dollar) und LSI Corp (plus 2,79% auf 7,01 Dollar), die sich beide auf den PC-Markt konzentrieren.
SanDisk kletterte 5,35% auf 33,10 Dollar. Der Broker Needham verbesserte heute den Chip-Titel von „Halten“ auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 38 Dollar. Die Preise für die von SanDisk hergestellten Flash Memory Chips bleiben in den kommenden Monaten stabil, da der Markt inzwischen ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gefunden habe, hiess es. Außerdem verbessere sich die Wettbewerbsposition von SanDisk. Der Broker hob daher seine Gewinnschätzungen an. Für 2008 erwartet Needham jetzt je Aktie einen Gewinn von 1,50 Dollar (vorher: 1,34 Dollar), für 2009 1,75 Dollar (vorher: 1,63 Dollar).
Internet: Verrückt, aber Wall Street
Yahoo gewann 2,25% auf 27,75 Dollar. Der aktivistische Finanzinvestor Carl Icahn hat etwa 3% des Yahoo-Kapitals gekauft und will damit den Aufsichtsrat des Portalbetreibers dazu zwingen, ein Übernahmeangebot anzunehmen, das Microsoft bereits wieder zurückgezogen hat. Verrückt, aber Wall Street.
Google gewann 0,82% auf 581,00 Dollar, konnte damit aber nur einen Teil des gestrigen Rutsches wieder wettmachen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, verbesserte sich 0,86% auf 364,27 Dollar. Dito.
Sina.com sprang 5,76% auf 56,21 Dollar. Das chinesische Onlineportal hatte gestern nach Börsenschluss ein beeindruckendes Quartalsergebnis (Q1) vorgelegt. Heute applaudieren die Analysten. Der Broker Kaufman Brothers hob die Chinesen heute von „Halten“ auf „Kaufen“ und schraubte das Kursziel von 44,50 Dollar auf 78 Dollar. Die Unternehmens-Story, die auf Anzeigeneinnahmen beruht, verlaufe noch besser als erwartet, hiess es. Der Broker zeigte sich vor allem davon beeindruckt, dass die Zuwachsrate auf 51% gegenüber Vorjahr beschleunigte. Der Broker Oppenheimer stellte fest, dass zahlreiche Anzeigen von Unternehmen geschaltet wurden, die vom Olympiageschäft unabhängig sind. Daher können auch die Ergebnisse vom 3. Quartal deutlich über den Erwartungen liegen. Oppenheimer hob sein Kursziel auf 63 Dollar (vorher: 54 Dollar). „Die präsentierten Quartalszahlen zeigen, dass Sina das Nr. 1 Portal in China ist“, stellt der Broker RBC Capital Markets fest und verbesserte sein Kursziel auf 63 Dollar (vorher: 59.Dollar). Die Citigroup werten Sina von „Halten“ auf „Kaufen“ und das Kursziel auf 65 Dollar auf (vorher: 42 Dollar). Der Broker Susquehanna Financial (Urteil: „Positive“) hob das Kursziel von 45 Dollar auf 61 Dollar. Aus Solidarität gewann der Rivale Sohu.com 4,46% auf 83,88 Dollar.
Cnet explodierte 43,52% auf 11,41 Dollar. Der Online-Infodienst, spezialisiert auf technische Informationen, wird von dem Medienkonzern CBS Corp. geschluckt, der damit seine Internetaktivitäten ausweiten will.
Amazon.com gewann 2,59% auf 76,12 Dollar, deutlich besser als der gestrige Tagesverlust von rund 0,5%. Analyst Mark Mahany von der Citigroup zeigte sich heute optimistisch für Kindle, den E-Book-Reader, den Amazon.com derzeit nur in den USA verkauft. Das ist ein elektronisches Gerät zur Darstellung von Buchtexten. Kindle war vergangenen November gestartet und schon nach ein paar Stunden ausverkauft. Erst seit ein paar Wochen ist das Gerät ohne Zeitverzögerung in den USA lieferbar. Mahaney glaubt, dass Amazon.com bis 2010 insgesamt Kindle-Geräte im Volumen zwischen 400 Millionen bis 750 Millionen Dollar verkauft, ungefähr 1% bis 3% des gesamten Konzernumsatzes. Der Reiz des Geräts bestünde darin, dass Buchinhalte und andere Texte (Zeitschriftenartikel, Blogs und dergleichen) sofort drahtlos über das Internet herunter geladen werden können. Das Gerät stünde bereits schon an vorderster Front der Amazon-Verkaufserfolgs-Listen, etwa vor dem Apple iPod Nano. Mahaney schätzt dass seit dem Start bereits zwischen 10.000 und 30.000 Kindle verkauft wurden. Mahaney beruhigt auch die Nerven der Aktionäre, die sich wegen der jetzt von New York (und bald auch von Texas?) erhobenen Online-Verkaufssteuer Sorgen machen. In den US-Bundesstaaten - und im Ausland - wo der Internethändler bereits Verkaufssteuern abführen muss, habe das nicht zu einem unterdurchschnittlichen Umsatzwachstum geführt.
Ebay avancierte 2,27% auf 31,93 Dollar. Netflix verlor dagegen 1,55% auf 29,93 Dollar. Der Broker Needham begann heute die offizielle Beobachtung mit dem Urteil „Underperform“, also eine verschämte Verkaufsempfehlung. Der faire Wert des Papiers wurde mit 22 Dollar beziffert. Die aktuelle Bewertung an der Wall Street sei unrealistisch, wegen der hohen Kosten, die Netflix aufwenden muss, um neue Kunden zu gewinne. Außerdem ginge ein hoher Anteil der neugewonnenen Abonnenten bald wieder verloren. Daneben müsse der Dienstleister hohe Entwicklungskosten aufwenden, um sein Video-Download-Angebot aufzubauen, mit unsicheren Erfolgsaussichten wegen des wachsenden Wettbewerbs.
Energie: Kaum Veränderung
Der Ölpreis schwankte heute heftig, per Saldo hoben sich die Bewegungen aber nahezu auf. Der Crude-Kontrakt für Juni bröckelte 10 Cents auf 124,12 Dollar. Das Tagestief lag bei 120,90 Dollar, das Tageshoch über 126 Dollar. Händler verweisen auf das Auslaufen der Junioptionen.
Gold zeigt Eigenleben
Das Gold zeigte heute ein Eigenleben. Trotz stärkerem Dollar und nahezu unverändertem Öl legte das Edelmetall heute deutlich zu. Der Gold-Kontrakt für Juni stieg heute um 13,50 Dollar auf 880 Dollar.
Gescheiterte Attacke
Die heutigen Kursgewinne lassen sich - wie so oft - erst erklären, wenn man sie im längerfristigen Zusammenhang sieht. Ein Teil der Gewinne korrigiert lediglich den Kursrutsch, der im gestrigen späten Handel der Wall Street für Verunsicherung sorgte. Aus heiterem Himmel waren gestern die Technologie-Schwergewichte des Auswahlindex Nasdaq 100 - vor allem Apple, Google oder Research in Motion - kurz vor Schluss unter gezielten Verkaufsdruck geraten und hatten damit den breiten Markt mit in die Tiefe gezogen. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rutschte gestern ins Minus, die Nasdaq gab am Schluss ihren gestrigen Tagesgewinn ab und S&P und Dow halbierten etwa ihre Gewinne. Die dadurch erzeugte Unsicherheit belastete heute früh noch die US-Futures und damit auch die europäischen Märkte. Heute aber verpuffte die gezielte Attacke so plötzlich wie sie gekommen war und die gestern angegriffenen Aktien wurden zurückgekauft.
Die Aufwärtsbewegung, die im März gestartet wurde, erklärt sich aber vor allem damit, dass der Kursrutsch der Aktienmärkte von Ende Oktober bis Anfang März eine Rezession vorwegnahm, die nicht eintrifft. Wachsende Konjunkturhoffnungen - trotz der holperigen Entwicklung - und die abnehmende Angst vor abstürzenden Kreditmärkten führen zu Rückkäufen und zur Eindeckung von Leerverkäufen. Das war vielleicht auch der Grund dafür, dass die gestrige Verkaufsattacke sang und klanglos gescheitert ist.
Der Dow Jones Industrial Average gewann heute 0,73% auf 12.922 Punkte, der S&P 500 avancierte 1,06% auf Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,48% auf 2.533 Punkte. Damit schlossen der repräsentative S&P und die Nasdaq auf einem 4-Monats-Hoch.
Dow Jones Average: Nur Bagatellschäden
Von den 30 Blue Chips landeten zum Schluss 22 im grünen Bereich. Tagessieger wurde die volatile Aktie von General Motors mit plus 5,15% auf 21,23 Dollar. Der Autokonzern hat mit einer kanadischen Gewerkschaft für ein Werk in Ontario einen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Arbeitnehmer dort bekommen in den kommenden 3 Jahren zwar keinen offiziellen Lohnanstieg, dafür aber im 2. und 3. Jahr einen Ausgleich für den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Intel belegte mit plus 4,74% auf 24,97 Dollar den 2. Platz. Der Broker Lehman Brothers hob heute sein Kursziel für den Chip-Riesen auf 26 Dollar (vorher: 24 Dollar) und bekräftigte seinen Rat „Übergewichten“. Der Broker verwies dabei auf einen ermutigenden Trend bei den Auftragseingängen. Außerdem rechne man damit, dass Intel zahlreiche vielversprechende neue Chips auf den Markt bringt, etwa für Notebooks. Die Bank of America zeigte sich ebenfalls optimistisch. Der neue Chip Atom könne ähnlich erfolgreich sein wie vor 5 Jahren Centrino, hiess es dort. JP Morgan avancierte 2,42% auf 47,02 Dollar. Die Citigroup verbesserte sich 2,06% auf 23,73 Dollar. Fed-Chef Ben Bernanke hatte sich heute lobend zu den Banken geäußert. Im gefallen deren Kapitalerhöhungen mit denen sie die Kraft gewinnen, die Krise schneller zu beenden.
Der Flop des Dow war der Mischkonzern United Tech, der nachrichtenlos 1,16% auf 74,29 Dollar abgab. Die restlichen Verlierer erlitten nur Bagatellschäden.
S&P 500: Die schönen Dinge der Welt
Der S&P wurde wieder einmal von guten Quartalszahlen und ermutigenden Ausblicken belebt. Tiffany & Co sprang 6,61% auf 48,88 Dollar. Der New Yorker Juwelier hob heute seine Prognose für das erste Quartal seines Geschäftsjahres an. Der Gewinn werde über der ursprünglichen Prognose - wie im Vorjahr 39 Cents je Aktie - liegen, hiess es. Ausserdem hob der Luxusartikler seine Quartalsdividende um 13% auf 17 Cents je Aktie an. Trotz der Konjunktursorgen und explodierende Benzinpreise bleibt eben noch noch Geld für die schönen Dinge der Welt übrig. Agilent kletterte 8,64% auf 35,34 Dollar. Der Hersteller von Labor- und anderen wissenschaftlichen Geräten zählt zur Legion der Unternehmen, deren Quartalszahlen die Erwartungen schlugen. Goldman Sachs verschönte das Kursziel von 37 Dollar auf 38 Dollar und die Citigroup korrigierte von 43 Dollar auf 44 Dollar. J.C. Penney Company avancierte 4,68% auf 46,27 Dollar. Der Kaufhausbetreiber meldete zwar Gewinn- und Umsatzrückgang im 1. Quartal. Beides verlief aber glimpflicher als die Wall Street befürchtet hatte.
Merrill Lynch verbesserte sich 2,25% auf 49,97 Dollar. Die Investmentbank profitiert dabei auch von einem wohlwollenden Kommentar des Rivalen Bank of America. Deren Analyst Michael Hecht bekräftigte heute seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 53 Dollar auf 57 Dollar. Merrill Lynch, der größte Broker der Welt, verfüge über eine starke Kapitalbasis und habe gute langfristige Aussichten, begründet Hecht seine Entscheidung. Er rechne damit, dass die Investmentbank für das laufende 2. Quartal weniger abschreiben muss als deren Rivalen. Noch besser erging es dem Rivalen Lehman Brothers, der heute 6,01% auf 44,77 Dollar kletterte. Blackstone avancierte 56,33% auf 20,54 Dollar. Der Finanzinvestor meldete zwar einen überraschenden Quartalsverlust, überzeugte aber mit seinem Ausblick.
CBS Corp. verlor dagegen 2,38% auf 24,23 Dollar. Der Medienkonzern kauft den Internetdienst Cnet. Wie üblich gerät der Aufkäufer unter Druck, weil die Investoren sich Sorgen über die mit der Übernahme verbundenen Kosten machen.
Nasdaq: Delle ausgebügelt
Der Auswahlindex Nasdaq 100 konnte mit plus 1,70% auf 2.031 Punkte deutlich mehr dazu gewinnen als er gestern verloren hatte. Die gestern unter Beschuss geratenen Technologiewerte wurden wieder zurückgekauft. Apple gewann 1,86% auf 189,73 Dollar. Damit wurde die gestrige Kursdelle wieder geglättet. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, verbesserte sich 1,55% auf 140,71 Dollar. Auch dort wurde der gestrige Rutsch korrigiert. Hilfreich war wohl auch die Meldung des Wall Street Journals, die Kanadier planten im 3. Quartal die Einführung eines Touch-Screen Black Berrys.
Die Stärke der Chip-Titel trug ebenfalls zu den heutigen Nasdaq-Gewinnen bei. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, avancierte 2,05% auf 419,72 Punkte. Der Broker Friedman Billings Ramsey riet heute, den ganzen Sektor zu kaufen. Der Grund: Die PC-Hersteller ordern mehr Chips, weil deren Geschäft brummt. Davon profititierte nicht nur der Dow-Titel Intel. Zu den Gewinnern zählen derzeit besonders Marvell Technology Group Ltd. (plus 5,70% auf 14,83 Dollar) und LSI Corp (plus 2,79% auf 7,01 Dollar), die sich beide auf den PC-Markt konzentrieren.
SanDisk kletterte 5,35% auf 33,10 Dollar. Der Broker Needham verbesserte heute den Chip-Titel von „Halten“ auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 38 Dollar. Die Preise für die von SanDisk hergestellten Flash Memory Chips bleiben in den kommenden Monaten stabil, da der Markt inzwischen ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gefunden habe, hiess es. Außerdem verbessere sich die Wettbewerbsposition von SanDisk. Der Broker hob daher seine Gewinnschätzungen an. Für 2008 erwartet Needham jetzt je Aktie einen Gewinn von 1,50 Dollar (vorher: 1,34 Dollar), für 2009 1,75 Dollar (vorher: 1,63 Dollar).
Internet: Verrückt, aber Wall Street
Yahoo gewann 2,25% auf 27,75 Dollar. Der aktivistische Finanzinvestor Carl Icahn hat etwa 3% des Yahoo-Kapitals gekauft und will damit den Aufsichtsrat des Portalbetreibers dazu zwingen, ein Übernahmeangebot anzunehmen, das Microsoft bereits wieder zurückgezogen hat. Verrückt, aber Wall Street.
Google gewann 0,82% auf 581,00 Dollar, konnte damit aber nur einen Teil des gestrigen Rutsches wieder wettmachen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, verbesserte sich 0,86% auf 364,27 Dollar. Dito.
Sina.com sprang 5,76% auf 56,21 Dollar. Das chinesische Onlineportal hatte gestern nach Börsenschluss ein beeindruckendes Quartalsergebnis (Q1) vorgelegt. Heute applaudieren die Analysten. Der Broker Kaufman Brothers hob die Chinesen heute von „Halten“ auf „Kaufen“ und schraubte das Kursziel von 44,50 Dollar auf 78 Dollar. Die Unternehmens-Story, die auf Anzeigeneinnahmen beruht, verlaufe noch besser als erwartet, hiess es. Der Broker zeigte sich vor allem davon beeindruckt, dass die Zuwachsrate auf 51% gegenüber Vorjahr beschleunigte. Der Broker Oppenheimer stellte fest, dass zahlreiche Anzeigen von Unternehmen geschaltet wurden, die vom Olympiageschäft unabhängig sind. Daher können auch die Ergebnisse vom 3. Quartal deutlich über den Erwartungen liegen. Oppenheimer hob sein Kursziel auf 63 Dollar (vorher: 54 Dollar). „Die präsentierten Quartalszahlen zeigen, dass Sina das Nr. 1 Portal in China ist“, stellt der Broker RBC Capital Markets fest und verbesserte sein Kursziel auf 63 Dollar (vorher: 59.Dollar). Die Citigroup werten Sina von „Halten“ auf „Kaufen“ und das Kursziel auf 65 Dollar auf (vorher: 42 Dollar). Der Broker Susquehanna Financial (Urteil: „Positive“) hob das Kursziel von 45 Dollar auf 61 Dollar. Aus Solidarität gewann der Rivale Sohu.com 4,46% auf 83,88 Dollar.
Cnet explodierte 43,52% auf 11,41 Dollar. Der Online-Infodienst, spezialisiert auf technische Informationen, wird von dem Medienkonzern CBS Corp. geschluckt, der damit seine Internetaktivitäten ausweiten will.
Amazon.com gewann 2,59% auf 76,12 Dollar, deutlich besser als der gestrige Tagesverlust von rund 0,5%. Analyst Mark Mahany von der Citigroup zeigte sich heute optimistisch für Kindle, den E-Book-Reader, den Amazon.com derzeit nur in den USA verkauft. Das ist ein elektronisches Gerät zur Darstellung von Buchtexten. Kindle war vergangenen November gestartet und schon nach ein paar Stunden ausverkauft. Erst seit ein paar Wochen ist das Gerät ohne Zeitverzögerung in den USA lieferbar. Mahaney glaubt, dass Amazon.com bis 2010 insgesamt Kindle-Geräte im Volumen zwischen 400 Millionen bis 750 Millionen Dollar verkauft, ungefähr 1% bis 3% des gesamten Konzernumsatzes. Der Reiz des Geräts bestünde darin, dass Buchinhalte und andere Texte (Zeitschriftenartikel, Blogs und dergleichen) sofort drahtlos über das Internet herunter geladen werden können. Das Gerät stünde bereits schon an vorderster Front der Amazon-Verkaufserfolgs-Listen, etwa vor dem Apple iPod Nano. Mahaney schätzt dass seit dem Start bereits zwischen 10.000 und 30.000 Kindle verkauft wurden. Mahaney beruhigt auch die Nerven der Aktionäre, die sich wegen der jetzt von New York (und bald auch von Texas?) erhobenen Online-Verkaufssteuer Sorgen machen. In den US-Bundesstaaten - und im Ausland - wo der Internethändler bereits Verkaufssteuern abführen muss, habe das nicht zu einem unterdurchschnittlichen Umsatzwachstum geführt.
Ebay avancierte 2,27% auf 31,93 Dollar. Netflix verlor dagegen 1,55% auf 29,93 Dollar. Der Broker Needham begann heute die offizielle Beobachtung mit dem Urteil „Underperform“, also eine verschämte Verkaufsempfehlung. Der faire Wert des Papiers wurde mit 22 Dollar beziffert. Die aktuelle Bewertung an der Wall Street sei unrealistisch, wegen der hohen Kosten, die Netflix aufwenden muss, um neue Kunden zu gewinne. Außerdem ginge ein hoher Anteil der neugewonnenen Abonnenten bald wieder verloren. Daneben müsse der Dienstleister hohe Entwicklungskosten aufwenden, um sein Video-Download-Angebot aufzubauen, mit unsicheren Erfolgsaussichten wegen des wachsenden Wettbewerbs.
Energie: Kaum Veränderung
Der Ölpreis schwankte heute heftig, per Saldo hoben sich die Bewegungen aber nahezu auf. Der Crude-Kontrakt für Juni bröckelte 10 Cents auf 124,12 Dollar. Das Tagestief lag bei 120,90 Dollar, das Tageshoch über 126 Dollar. Händler verweisen auf das Auslaufen der Junioptionen.
Gold zeigt Eigenleben
Das Gold zeigte heute ein Eigenleben. Trotz stärkerem Dollar und nahezu unverändertem Öl legte das Edelmetall heute deutlich zu. Der Gold-Kontrakt für Juni stieg heute um 13,50 Dollar auf 880 Dollar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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