Im Juli rollt nach Recherchen des Verbraucherportals Verivox bereits die dritte Gaspreiswelle auf viele deutsche Haushalte zu. Rund 100 der mehr als 700 deutschen Gasversorger planten zu diesem Zeitpunkt eine weitere Erhöhung der Gaspreise um etwa zehn Prozent, berichtete Verivox-Sprecherin Dagmar Ginzel am Montag in Heidelberg. Eine erste Erhöhungswelle habe es mit einem Anstieg um rund 5,8 Prozent bereits im Januar und um rund 6,6 Prozent im März gegeben.
Im vergangenen Jahr seien die Gaspreise dagegen als Folge der sinkenden Ölpreise um rund 3,4 Prozent zurückgegangen, sagte Ginzel. Der Gaspreis ist als Folge einer branchenüblichen Vereinbarung mit einer zeitlicher Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt.
Vor dem Hintergrund einer von der größten deutschen Ferngasgesellschaft E.ON Ruhrgas ebenfalls zum 1. Juli angekündigten weiteren Gaspreiserhöhung seien auch bei den Regionalversorgern noch in diesem Jahr zusätzliche Preisrunden zu erwarten. "Das geht auf jeden Fall noch weiter", sagte Ginzel.
Der "Spiegel" hatte am Montag unter Berufung auf interne Planungen des Konzerns berichtet E.ON plane eine Gaspreiserhöhung von bis zu 25 Prozent. Ein Unternehmenssprecher wollte dazu keine Angaben machen. E.ON Ruhrgas bestätigte lediglich den 1. Juli als Zeitpunkt einer weiteren Preisanpassung. Die Essener E.ON-Tochter beliefert als Ferngasgesellschaft viele deutsche Regionalversorger mit Gas. Ob es tatsächlich bei den Regionalversorgern zu Preisanhebungen von 25 Prozent komme sei jedoch zweifelhaft, sagte die Sprecherin.
Der Geschäftsführer des Verbraucherportals Toptarif, Thorsten Bohg, das seit dem vergangenen Jahr Verivox Konkurrenz macht, wies auf eine noch wenig ausgeprägte Bereitschaft vieler Verbraucher hin, den Gasversorger zu wechseln. Während etwa die Hälfte aller Haushalte beim Strom den Grundversorgungstarif verlassen und auf ein neues Angebot umgestellt hätten, liege der Anteil der Erdgaskunden, die den Tarif oder Anbieter im vergangenen Jahr gewechselt hätten bei rund elf Prozent, berichtete der Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft (BDEW).
Der Branchenverband wies in Berlin darauf hin, dass sich die deutschen Gaspreise im europäischen Vergleich derzeit noch im Mittelfeld bewegten. Angesichts weltweit steigender Gaspreise könne sich auch Deutschland von dieser Entwicklung nicht abkoppeln, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Wolf Pluge laut einer Mitteilung. In Italien hätten die Kunden im April 2008 über 20 Prozent mehr für Erdgas aufwenden müssen, in Dänemark und Schweden lägen die Preise sogar um rund 45 Prozent höher.
Das Bundeskartellamt kündigte zunächst nicht die Einleitung neuer Verfahren an. Neue Preisanhebungen flössen in die bereits laufenden Verfahren ein, sagte eine Sprecherin am Montag in Bonn. Die Prüfung der seit Jahresbeginn laufenden Verfahren gegen 35 Gasversorger werde sich vermutlich noch bis Ende 2008 hinziehen. Ermittelt werde wegen einer möglicherweise missbräuchlichen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung./uk/DP/fn
ISIN DE0007614406
AXC0126 2008-05-26/16:00
