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FOKUS: Finanzkrise bringt nun europäischen Versicherern Probleme

DJ FOKUS: Finanzkrise bringt nun europäischen Versicherern Probleme

Von Goran Mijuk 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Bislang haben die europäischen Versicherer die Finanzkrise weitgehend unbeschadet überstanden - zumindest im Vergleich zu den Banken des Kontinents. Schenkt man aber Analysten Glauben, werden die Versicherungskonzerne in Zukunft hohe Abschreibungen auf ihre Investitionsportfolien vornehmen müssen und unter dem sich schnell verdunkelnden Marktumfeld leiden. Dies dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern die Gewinne und Bilanzen der Unternehmen unter Druck setzen.

Vor dem Hintergrund dieser erwarteten Probleme senkte die Analysten von Morgan Stanley am Freitag die Kursziele für die größten europäischen Versicherer - darunter auch für die Allianz SE - um durchschnittlich 9%. Ihre Entscheidung begründeten die Experten der US-Bank mit der Erwartung eines signifikanten Prämienrückgangs - vor allem im Lebensversicherunggeschäft - in Europa, den USA und in Asien

Die Ängste, die durch den Beinahe-Kollaps des US-Versicherers American International Group (AIG) aufgekommen waren, wurden zusätzlich durch den Zusammenbruch der japanischen Yamato Life Insurance befeuert. Das mittelgroße, nichtbörsennotierte Versicherungsunternehmen meldete nach eigenen Angaben am Freitag Gläubigerschutz an. Die Verbindlichkeiten bezifferte der Konzern auf 2,7 Mrd USD. Die Finanzkrise forderte somit auch in Japan ein erstes Opfer in der Finanzbranche.

Infolge dieser Nachricht rutschten die Aktien europäische Versicherer ins Bodenlose. Das europäische Branchenbarometer für Versicherungstitel rutschte bis gegen 15.45 Uhr um fast 11% ins Minus. Seit Jahresbeginn verloren die Aktien damit im Branchendurchschnitt deutlich über 40% ihres Wertes.

Nach Einschätzung eines Londoner Bankers könnten besonders britische Lebensversicherer - die zu den größten Verlierern des vergangenen Jahres gehören - weiter unter Druck geraten, sollte der Wertverfall fortschreiten. Die Unternehmen hätten bislang erfolgreich Abschreibungen vermieden. Sollten sich die Marktbedingungen weiter verdunkeln, müssten die Versicherer im Umkehrschluss Wertkorrekturen in enormem Ausmaß vornehmen, so der Banker. Dies wiederum könnte zu neuem Kapitalbedarf führen.

Das europäische Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors (CEIOPS) - ein unabhängiger Ausschuss für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung - versuchte die Zukunftssorgen am Markt zu zerstreuen und teilte am Freitag mit, das europäische System sei stabil. Die derzeitigen Verwerfungen an den Finanzmärkten haben nach Einschätzung des Ausschusses nur begrenzte Auswirkungen auf die Versicherungskonzerne und Pensionsfonds in Europa.

Analysten warnen aber davor, die Gefahren für den Sektor zu unterschätzen. Das Argument: Viele Versicherer verkaufen inzwischen Produkte, die an die Aktienmarktentwicklung gebunden sind. Sollten die Aktienkurse weltweit weiter abstürzen, sind diese Produkte nur schwierig abzusetzen.

Auch wenn Branchenexperten den europäischen Versicherern eine schwierige Zukunft prophezeien, wird eine Serie von Versicherer-Pleiten als wenig realistisches Szenario angesehen. "Verglichen mit Banken, ist die Wahrscheinlichkeit von Kapitalerhöhungen und Zusammenbrüchen von Versicherern in Europa gering", sagt Helvea-Analyst Tim Dawson.

Von Goran Mijuk, Dow Jones Newswires; +49 - (0)69 297 25 111; 
   unternehmen.de@dowjones.com 
   (Victoria Howley und Vladimir Guevarra trugen zu diesem Artikel bei) 
 
   DJG/DJN/ncs/nas 
 

(END) Dow Jones Newswires

October 10, 2008 10:27 ET (14:27 GMT)

Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.

© 2008 Dow Jones News
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