US2605661048New York (BoerseGo.de) – Der durchwachsene Auftakt der „Earnings Season“ sorgt für Unsicherheit bei den Marktteilnehmern und veranlasst Investoren nach dem positiven Wochenauftakt an Wall Street zu Gewinnmitnahmen. Von den siebenundsiebzig Unternehmen, die gestern nachbörslich oder heute vorbörslich ihr Quartalsergebnis veröffentlicht haben, haben 52 Prozent die Erwartungen von Wall Street übertroffen, 35 Prozent verfehlten die Prognosen und 13 Prozent berichteten im Rahmen der Erwartungen. Von den neunundvierzig Unternehmen, die eine Prognose für das kommende Quartal abgaben, waren 45 Prozent negativ und unter den Erwartungen der Analysten, 30 Prozent im Rahmen der Erwartungen und nur 3 Prozent erhöhten ihre Prognose oder zeigten sich zuversichtlich.
Zu den bekannten Adressen, die die Erwartungen von Wall Street übertreffen konnten, zählen American Express, Dupont, Pfizer und Lockheed Martin. Die Aktien von DuPont und Lockhhed Martin verbuchten dennoch deutliche Kursverluste, nachdem der Ausblick der Unternehmen enttäuschte. Zu den Unternehmen, die die Erwartungen von Wall Street verfehlten, reihen sich Namen wie Blackrock, Caterpillar, Free-McMoRan und Texas Instruments ein. Der Halbleiterspezialist verbuchte im dritten Quartal vor allem aufgrund des sich abschwächenden Mobilfunkgeschäfts einen Gewinneinbruch um 25 Prozent. Zum Einen halten sich Konsumenten und Unternehmen infolge des unsicheren Konjunkturumfeldes mit Ausgaben zurück, zum Anderen verliert das Unternehmen Kunden an Konkurrenten wie Qualcomm oder STMicroelectronics. Aufgrund von sinkenden Auftragseingängen in den letzten Wochen reduziert CEO Kevin March die Gewinn-und Umsatzprognose für das aktuelle vierte Quartal. Gleich mehrere Analysten kappten ihre Kursziele, die Aktie von Texas Instruments beendet den Handel mit einem Minus von 6,28 Prozent auf 16,85 Dollar.
Aber es gibt auch Positives von Wall Street zu berichten. Die Lage an den Kreditmärkten entspannt sich weiter, die Kosten für Dollar-Kredite sind erneut gesunken und setzen den zuletzt gestarteten Trend nach unten fort. Damit ergeben sich Anhaltspunkte, dass sich im Zuge der jüngsten Maßnahmen weltweiter Regierungen der eingefrorene Kreditmarkt aufzuweichen beginnt. Der entsprechende 3-Monats-LIBOR fiel von 4,05875 Prozent am Montag auf aktuell 3,83375 Prozent. Zusätzlich hat die US-Notenbank Fed eine weitere Hilfsaktion ins Leben gerufen, um die Liquidität am Geldmarkt sicherzustellen. Die Fed lässt sich das Programm mit dem Namen „Money Market Investor Funding Facility (MMIFF)“ rund 540 Milliarden Dollar kosten. Zielgruppe der Unterstützungsmaßnahme der Fed sind US-Geldmarktfonds, denen die Fed bei Bedarf illiquide Papiere abkaufen will. Geldmarktfonds sind in Schieflage geraten, da Investoren wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten ihre Einlagen zurückfordern und es zu einer Kreditverknappung gekommen ist.
Deutliche Kursverluste nach einem negativen Analystenkommentar verzeichnet die Aktie der Citigroup. Analyst William Tanoma von Goldman Sachs stuft die Aktie der US-Großbank mit Sell Rating ein. Der Finanzexperte empfiehlt die Aktie von Citigroup zu shorten, also auf fallende Kurse zu setzen. Analyst William Tanoma geht nicht davon aus, dass das US-Finanzinstitut innerhalb der nächsten zwölf Monate in die Profitabilität zurückkehren wird. Das schwache Konjunkturumfeld wird den Kurs der Aktie belasten, Tanona rechnet mit weiteren Abschreibungen infolge der Finanz- und Kreditkrise. Der Finanzexperte gibt für die Aktie von Citigroup ein 6-Monatskursziel von 11 Dollar aus. Die Aktie verliert 6,03 Prozent auf 14,18 Dollar.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 3,00 Dollar auf einen Schlusstand von 71,25 Dollar. Händler begründen den Preisrückgang des schwarzen Goldes mit der Dollarstärke. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 21,50 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 768,50 Dollar. Händler führen den Preisrückgang auf die Dollarstärke zurück. Der Euro fiel heute gegenüber dem US-Dollar auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2007, nachdem Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Europäische Zentralbank weitere Zinssenkungen vornehmen wird.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 2,50 Prozent auf 9033 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 3,08 Prozent auf 955 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 4,14 Prozent auf 1696 Punkte ab. Sieger im Dow ist die Aktie von American Express mit einem Plus von 8,37 Prozent auf 26,39 Dollar. Bei den Techs überzeugt SanDisk Corporation mit einem Plus von 2,35 Prozent auf 14,76 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,16 Milliarden Aktien den Besitzer. 925 Werte legten zu, 2182 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 2,15 Milliarden Aktien 745 Gewinner und 2029 Verlierer.
US-Stahlkocher mit hohem Gewinnwachstum
Der US-Stahlkocher AK Steel Holding Corporation übertrifft im dritten Quartal mit einem Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr von 74 Prozent auf 1,67 Dollar pro Aktie die Erwartungen von Wall Street um 22 Cents. Der Umsatz klettert gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 25,3 Prozent auf 2,16 Milliarden Dollar, was im Rahmen der Erwartungen liegt. Das Management teilt mit, dass der durchschnittliche Verkaufspreis für Stahl im dritten Quartal um 36 Prozent angestiegen ist. Für das vierte Quartal rechnet das Management mit Auslieferungen in einem Volumen von 1,4 Millionen Tonnen, mit niedrigeren Energie- und Rohstoffkosten und einem Rückgang des Stahlpreises von etwa 10 Prozent. Zusätzlich kündigt das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 150 Millionen Aktien. Die Aktie verliert 7,55 Prozent auf 13,96 Dollar.
US-Paulson besucht Wall Street
US-Finanzminister Henry Paulson verweilte heute an der New York Stock Exchange. Nach dem Mittagessen stattete er Händler am Parkett einen Besuch ab, schüttelte Hände und gab Autogramme. Paulson bestätigte einem Händler, dass die Umsetzung des Rettungspakets zu seiner vollen Zufriedenheit verläuft. Paulson traf sich mit Firmenchefs großer Unternehmen, um mögliche Neuregelungen im Aktienhandel zu besprechen.
Ford Motor: Kerkorian steigt aus
Die Aktie des US-Automobilherstellers Ford Motor Company beendet den Handel mit einem Minus von 6,78 Prozent auf 2,17 Dollar, nachdem US-Multimilliardär Kirk Kerkorian’s private Holding Tracinda 7,3 Millionen Ford-Aktien verkauft hat und seine noch verbleibende Beteiligung von aktuell 6,1 Prozent weiter verringern will. Seine Investmentfirma Tracinda behält sich vor, den Restbestand von 133,5 Millionen Ford-Aktien zu verkaufen. Der Multimilliardär sieht aktuell einmalige Investmentchancen in den Bereichen Glücksspiel/Hotellerie sowie Öl und Gas.
United Technologies: Kursziel gesenkt
Analystin Heidi Wood von Morgan Stanley reduziert ihr Rating für die Aktie des US-Mischkonzerns United Technologies Corporation von Overweight auf Equal Weight. Die Finanzexpertin senkt ihr Kursziel von 86 Dollar auf 55 Dollar. Die Analystin geht davon aus, dass der Gewinn des Unternehmens durch einen stärkeren Dollar und höheren Rentenzahlungen beeinträchtigt wird und senkt ihre Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2009 von 5,60 Dollar auf 5,10 Dollar pro Aktie. Wood sieht kurzfristig keine Kurskatalysatoren für die Aktie und rechnet bestenfalls mit einer Seitwärtsbewegung. Die Aktie verliert 2,45 Prozent auf 50,95 Dollar.
Coach mit Kurssprung
Der auf die Vermarktung von Accessoires und hochwertiger Lederwaren spezialisierte Konzern Coach Inc. berichtet für das erste Quartal einen im Rahmen der Erwartungen der Analysten liegenden Gewinn von 0,44 Dollar pro Aktie. Der Umsatz klettert gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 11,2 Prozent auf 753 Millionen Dollar, was unter den Erwartungen von Wall Street von 761,1 Millionen Dollar liegt. Für das Geschäftsjahr 2009 hält das Unternehmen an seiner Gewinnprognose von 2,25 Dollar pro Aktie fest, reduziert jedoch seine Umsatzprognose um etwa 13 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. CEO Lew Frankfort erwartet ein schwieriges Weihnachtsgeschäft, jedoch konnte sein Unternehmen das schwache Inlandsgeschäft durch hohe Nachfrage aus Asien ausgleichen. Die Aktie gewinnt 9,34 Prozent auf 20,37 Dollar.
