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05.11.2008 01:10

Wall Street feiert Wahltag

New York (BoerseGo.de) – Die US-Börsen zeigen sich am Wahltag von ihrer besten Seite und verbuchen kräftige Kursgewinne. Bei der Suche nach Gründen für den Kursanstieg sind die Meinungen der Händler gespalten. Einige Investoren rechnen damit, dass Wall Street zu einer Jahresendrallye ansetzen wird und viele Börsianer von Anfang an daran partizipieren wollen. Der angesehene Investmentstratege Edward Yardeni geht nicht davon aus, dass die freundliche Stimmung an den Aktienmärkten etwas mit den US-Präsidentschaftswahlen zu tun hat. Seiner Ansicht nach kam es fast lehrbuchmäßig in den Monaten September/Oktober zum Crash, auf den im November dann eine Jahresendrallye folgt.  Andere Marktteilnehmer führen die Kauflaune der Investoren darauf zurück, dass die Unsicherheiten über den Wahlausgang nach dem heutigen Tage ein Ende haben sollten.

Unstrittig positiv für die Aktienmärkte wirkt die Tatsache, dass die Entspannung an den Kreditmärkten weiter anhält. Die Kosten für Dollar-Kredite sind am Dienstag auf das niedrigste Niveau seit dem 9.Juni dieses Jahres gefallen. Der entsprechende 3-Monats-LIBOR fiel von 2,859 Prozent am Montag auf aktuell 2,706 Prozent. Auch die Überlegung des US-Finanzministeriums, einen höher als geplanten Anteil des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets für den Finanzsektor in ein breites Spektrum an Finanzinstitutionen zu investieren, führte zu positivem Echo bei den Börsianern. Das Vorhaben würde mit einer Ausweitung der ursprünglich in Betracht gezogenen Fokussierung auf Banken und Versicherer verbunden sein. In die Gunst des Rettungspakets sollen nun auch Anleihenversicherer und spezielle Finanzdienstleister wie etwa die zu General Electric gehörende CE Capital sowie die CIT Group fallen. Die Aktie des Mischkonzerns General Electric profitiert von der Ankündigung und beendet den Handel mit einem Plus von 7,62 Prozent auf 20,77 Dollar.

Weiter gab es auch einige positive Quartalsergebnisse zu berichten. Der weltweit zweitgrößte Kreditkartenkonzern MasterCard hat im gerade abgelaufenen dritten Quartal die Gewinn-und Umsatzprognosen der Analysten übertroffen. Aufgrund des schwierigen Konjunkturumfeldes reduziert das Unternehmen jedoch für das Geschäftsjahr 2009 seine ursprüngliche Wachstumsprognose von 12 bis 15 Prozent auf Wachstumsraten im höheren einstelligen Bereich. Das Unternehmen bekommt den schrumpfenden Konsum zu spüren, Finanzchefin Martina Hund-Mejean spricht von einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise. Das Investmenthaus SunTrust bewertet die Zahlen dennoch positiv und bestätigt sein Buy Rating für den  Kreditkartendienstleister mit Kursziel 233 Dollar. Die Aktie gewinnt 18,31 Prozent auf 170,24 Dollar. Der US-Agrar-Großkonzern Archer Daniels berichtet für das erste Quartal ein Gewinnwachstum von fast 140 Prozent auf 1,63 Dollar pro Aktie und übertrifft damit die Erwartungen von Wall Street deutlich. Die Aktie legt um 15,25 Prozent auf 24,33 Dollar zu. Der größte Lohnabrechnungs-Dienstleister in den USA, Automatic Data Processing, schlägt ebenfalls die Konsensschätzungen der Analysten für das abgelaufene erste Quartal, die Aktie verteuert sich 8,90 Prozent auf 36,23 Dollar.

Der zweitgrößte PC-Hersteller Dell weitet sein Kosteneinsparungsprogramm aus kündigt zusätzliche Maßnahmen zur Kostensenkung an. Dazu zählen zum Beispiel Einstellungsstopps, unbezahlte Urlaubstage, Reduzierung der Anzahl der Vertragsarbeiter, Senkung der Reisekosten und Abfindungen für freiwillige Kündigungen. Die Aktie gewinnt 2,54 Prozent auf 12,93 Dollar. Der Computer-und Unterhaltungselektronikhersteller Apple teilt mit, dass einer der Erfolgsgaranten für das Smartphone „iPhone“, nämlich Tony Fadell, das Unternehmen verlassen wird. Laut Unternehmensaussagen wird Fadell von dem ehemaligen Vice President von IBM, Mark Papermaster, ersetzt. Zusätzlich kündigt der iPhone-Hersteller an, dass vor der Weihnachtsaison mit keinen neuen Produkten zu rechnen sei. Das Papier legt um 3,77 Prozent auf 110,99 Dollar zu. Bedenken der US-Kartellbehörde veranlassen den Suchmaschinengiganten Google, die Zusammenarbeit mit dem Internetkonzern Yahoo im Bereich Online-Werbung zu reduzieren. Die geplante Kooperation wird von zehn auf zwei Jahre gekürzt, die Aktie von Google gewinnt 5,90 Prozent auf 366,94 Dollar, das Papier von Yahoo klettert um 4,71 Prozent auf 13,35 Dollar.

Die heutigen Konjunkturdaten gaben erneut wenig Anlass für Freudensprünge. Die Auftragseingänge der US-Industrie verzeichnen im September einen Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, Volkswirte haben lediglich mit einer Abschwächung von 0,2 Prozent gerechnet. Die Industrieauftragseingänge berücksichtigen sowohl den Umsatz langlebiger Wirtschaftsgüter wie auch den Absatz von Verbrauchsgütern. Verbrauchsgüter machen etwa 47 Prozent aller Industrieumsätze aus, langlebige Wirtschaftsgüter den Rest. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter kletterten gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent, die Auftragseingänge für Verbrauchsgüter sind jedoch um 5,5 Prozent eingebrochen.


Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 7,59 Dollar auf einen Schlusstand von 71,50 Dollar. Händler führen den Kursanstieg des schwarzen Goldes auf die weltweit positive Stimmung an den Aktienmärkten und die heutige Dollarschwäche zurück. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 30,70 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 757,50 Dollar. Händler führen den größten Preisanstieg innerhalb der letzten sechs Wochen für das Edelmetall auf die heutige Dollarschwäche zurück.


Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Plus von 3,28 Prozent auf 9625 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 4,08 Prozent  auf 1005 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt um 3,12 Prozent auf 1780 Punkte zu. Sieger im Dow ist die Aktie von Caterpillar mit einem Plus von 8,30 Prozent auf 42,25 Dollar. Bei den Techs überzeugt VeriSign  mit einem Plus von 8,71 Prozent auf 22,33 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,31 Milliarden Aktien den Besitzer. 2464 Werte legten zu, 663 gaben nach. An der Nasdaq gab es  bei Umsätzen von 2,33 Milliarden Aktien 1758 Gewinner und 1006 Verlierer.


Foster Wheeler mit Kurssprung

Die Aktie des Anbieters von Ingenieur-und Baudienstleistungen, Foster Wheeler, ist mit einem Gewinn von 19,02 Prozent auf 31,60 Dollar der große Gewinner im Nasdaq 100-Index, nachdem das US-Anlegermagazin Barron’s die Aktie für Langfristanleger zum Kauf empfiehlt. Das Unternehmen, das unter anderem Öl- und Gasanlagen installiert und große Ölkonzerne wie Exxon Mobil oder Royal Dutch Shell als Kunden hat, wird den Finanzexperten zufolge als einer der Sieger aus der aktuellen Konjunkturkrise hervorgehen. Die Aktie hat in den letzten zwölf Monaten über 60 Prozent verloren und ist bei aktuellem Kursniveau mit einem 2009 KGV von 6,5 günstig bewertet. Laut Barron’s bietet das überverkaufte Kursniveau für Anleger mit einem längeren Atem eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit.


Cisco Systems: Kursziel erneut gesenkt

Die Analysten der Deutschen Bank reduzieren ihr Kursziel für den Netzwerkriesen Cisco Systems von 30 Dollar auf 23 Dollar. Aufgrund zu erwartender zurückgehender Auftragseingänge senken die Finanzexperten ihre Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2009 von 1,68 Dollar auf 1,51 Dollar pro Aktie, was gleichzeitig unter den aktuellen Prognosen der Analysten von 1,61 Dollar pro Aktie liegt. Cisco Systems berichtet sein Quartalsergebnis am 05.November nach Marktschluss, die Erwartungen von Wall Street gehen für das erste Quartal von einem Gewinn von 0,39 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 10,30 Milliarden Dollar aus. Die Aktie gewinnt 6,57 Prozent auf 18,33 Dollar.


Boeing: Dreamliner hebt erst in 2010 ab

Der Flugzeughersteller und Rüstungskonzern Boeing verschiebt den Jungfernflug seiner Boeing 787 ein weiteres Mal, ursprünglich war die Premiere des Dreamliners für das vierte Quartal prognostiziert. Insider rechnen damit, dass der siebenwöchige Mechaniker-Streit den Zeitplan für den Erstflug beeinträchtigt hat und nun in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2010 stattfinden wird. Der Jungfernflug des Dreamliners liegt nun schon sechzehn Monate hinter dem eigentlichen Zeitplan zurück. Die Aktie gewinnt 1,46 Prozent auf 53,62 Dollar.


US-Ingenieurkonzern mit Kurssprung

Analyst Curt Woodworth von JP Morgan stuft die Aktie des Ingenieurkonzerns Fluor Corporation mit Overweight Rating und Kursziel 46 Dollar ein und fügt die Aktie auf seine „Focus List“ hinzu. Fluor Corporation ist spezialisiert, Bauprojekte anderer Unternehmen zu planen und umzusetzen, die Kunden kommen hauptsächlich aus dem Bereich Energie und Infrastruktur. Die Aktie hat in den letzten drei Monaten fast 60 Prozent an Wert eingebüßt, während der S&P 500-Index in gleichen Zeitraum 25 Prozent verloren hat. Laut Analyst Curt Woodworth ist die Aktie deutlich überverkauft, langfristig geht der Analyst wieder von deutlich höheren Kursen aus. Die Aktie legt um 13,76 Prozent auf 42,58 Dollar zu.


JP Morgan Chase: CEO mit vorsichtigem Ausblick

Der CEO der US-Großbank JPMorgan Chase&Co., Jamie Dimon, sieht sein Institut im nächsten Jahr mit schweren problematischen Bedingungen konfrontiert. Für 2010 bestehe jedoch die Wahrscheinlichkeit einer kräftigen Erholung. Aufgrund der Übernahmen von Bear Stearns und Washington Mutual würde JPMorgan in seiner Performance langfristig profitieren. Asien dürfte schlechter als erwartet laufen. "Ich glaube nicht, dass sich Asien den weltweiten Problemen entziehen wird", führte Dimon in Hongkong weiter aus. Die Aktie gewinnt 3,54 Prozent auf 42,17 Dollar.

 

(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Hoyer Christian, Redakteur)


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