New York (BoerseGo.de) – An den US-Börsen ist der positive Effekt nach Bekanntgabe des chinesischen Konjunkturprogramms in Höhe von 586 Milliarden Dollar schnell verpufft. Anleger besinnen sich auf die hauseigenen Probleme. Im Mittelpunkt standen heute die Krise der US-Autobauer und eine zusätzliche Finanzspritze für den US-Versicherungskonzern American International Group (AIG). Die Aktie des um das Überleben kämpfenden US-Automobilherstellers General Motors fällt auf das niedrigste Kursniveau seit dem Jahre 1946 zurück, nachdem die Analysten der Deutschen Bank ihr Kursziel für General Motors von 4 Dollar auf 0 Dollar reduzieren. Laut den Finanzexperten, die zugleich ihr Rating für die Aktie von Hold auf Sell senken, geht dem US-Autoriesen Ende des Jahres das Bargeld aus und ein Bankrott ist ohne Staatshilfe nicht mehr zu verhindern. Die Aktie verliert 22,94 Prozent auf 3,36 Dollar, das Papier des ebenfalls angeschlagenen US-Autobauers Ford hält sich dagegen mit einem Minus von 4,46 Prozent auf 1,93 Dollar noch vergleichsweise wacker.
Nach einem gigantischen Verlust von fast 25 Milliarden Dollar im dritten Quartal muss die US-Notenbank Fed für den US-Versicherungsriesen American International Group (AIG) ein weiteres Mal in die Bresche springen. Die Fed weitet ihre Finanzspritze für AIG von ursprünglich 85 Milliarden Dollar auf 150 Milliarden Dollar aus. Dadurch soll dem Versicherungsgiganten mehr Zeit eingeräumt werden, bestimmte Vermögensbestandteile zu verkaufen und mit dem Erlös seine Gläubiger zu befriedigen. Zusätzlich verbessert die Fed ihre Konditionen für das Darlehen, es werden niedrigere Zinsen und längere Rückzahlungsfristen gewährt. Die Aktie gewinnt 8,06 Prozent auf 2,28 Dollar.
Deutlich bergab ging es heute wieder einmal für den Finanzsektor. Mit zu den großen Verlierern aus diesem Bereich zählt die Aktie von Goldman Sachs, die den Handel mit einem Minus von 8,45 Prozent auf 71,21 Dollar beendet. Händler führen die Kursschwäche der einstigen Investmentbank auf folgende Szenarien zurück. Zum Einen wirkt sich die mögliche Übernahme des US-Finanzinstituts State Street Corporation belastend auf den Kurs aus. Weiter kursieren Gerüchte einer erneuten Kapitalerhöhung. Zusätzlich haben in den letzen Tagen gleich mehrere Analysten ihre Prognosen für Goldman Sachs reduziert, viele Finanzexperten rechnen für das US-Finanzinstitut für das vierte Quartal mit dem ersten Verlust seit Börsengang.
Der Konsumelektronikhändler Circuit City hat einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt. Während eines solchen Verfahrens kann ein Unternehmen seine Geschäfte unter dem temporären Schutz des Gerichts vor den Gläubigern weiterführen, sich reorganisieren und sanieren. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen Vermögenswerte von 3,4 Milliarden Dollar und Verbindlichkeiten von 2,32 Milliarden Dollar offen gelegt. Erst vor einer Woche hat der Konsumelektronikhändler die Schließung eines Fünftels sämtlicher Läden angekündigt. Die Aktie stürzt um 60 Prozent auf 10 Cents ab.
Positive News gab es von McDonald‘s. Die Schnellrestaurantkette erreichte im Oktober im Bereich der weltweiten Filialumsätze gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Zuwachs von 8,2 Prozent. In den USA stellte sich ein Plus von 5,3 Prozent ein, in Europa sowie in den Regionen Asien-Pazifik, mittleren Osten und Afrika legten die Filialumsätze um 9,8 Prozent beziehungsweise 11,5 Prozent zu. Die Aktie gewinnt 1,82 Prozent auf 56,48. Die Aktien der beiden Paketzusteller Fedex und UPS konnten ebenfalls zulegen, nachdem sich die Deutsche Post aus dem Expressgeschäft in den USA zurückzieht.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 1,22 Dollar auf einen Schlusstand von 62,26 Dollar. Händler führen den Kursgewinn für das schwarze Gold auf die Ankündigung des weltweiten zweitgrößten Ölkonsumenten Chinas zurück, ein Konjunkturprogramm in Höhe von 586 Milliarden Dollar ins Leben zu rufen. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 13,30 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 747,50 Dollar. Händler begründen den Preisanstieg des Edelmetalls ebenfalls mit dem geplanten Konjunkturpaket der chinesischen Regierung. Kein anderes Land der Welt kauft mehr Industriemetalle ein als China.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 0,82 Prozent auf 8870 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 1,27 Prozent auf 919 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 1,86 Prozent auf 1616 Punkte nach. Sieger im Dow ist die Aktie von Alcoa mit einem Plus von 5,27 Prozent auf 11,78 Dollar. Bei den Techs überzeugt Tellabs mit einem Plus von 3,19 Prozent auf 3,88 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,14 Milliarden Aktien den Besitzer. 991 Werte legten zu, 2095 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 1,71 Milliarden Aktien 745 Gewinner und 1954 Verlierer.
Intel mit Upgrade
Das Investmenthaus Global Crown erhöht seine Einschätzung für die Aktie des weltgrößten Chipherstellers Intel von Neutral auf Overweight. Die Finanzexperten gehen davon aus, dass durch das geplante Konjunkturpaket der chinesischen Regierung die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft von 8 bis 9 Prozent aufrechterhalten werden können. Nach den USA ist China für Intel der zweitgrößte Absatzmarkt, insgesamt machen die Schwellenländer 25 Prozent des Gesamtumsatzes von Intel aus. Die Aktie verliert 1,91 Prozent auf 14,35 Dollar.
Fairchild Semiconductor mit Umsatzwarnung
Der Chiphersteller Fairchild Semiconductor hat wegen der schwachen Konjunktur und den damit verbundenen Nachfragerückgängen seine Prognose zum vierten Quartal gesenkt und rechnet nun für jene Periode mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem dritten Quartal von 16-21% auf 338-360 Millionen Dollar. Ursprünglich erfolgt die Inaussichtstellung eines Umsatzrückgangs von 6-12% auf 377-403 Millionen Dollar. Die von Thomson Reuters erhobenen durchschnittlichen Analystenschätzungen liegen bei einem Umsatz von 387,9 Millionen Dollar. Die Aktie verliert 8,68 Prozent auf 5,05 Dollar.
Kosten für Dollar-Kredite fallen weiter
Die Kosten für Dollar-Kredite sind auf das niedrigste Niveau seit dem September 2004 gefallen. Der 3-Monats-Euro-LIBOR fällt den einundzwanzigsten Handelstag in Folge und notiert aktuell bei 2,24 Prozent. Die London Interbank Offered Rate (LIBOR) ist eine am Bankenplatz London festgestellte Interbankrate, welche den durchschnittlichen Geldmarkt-Referenzzinssatz repräsentiert, zu dem Geschäftsbanken erster Bonität wechselseitig kurzfristiges Geld (Termingeld) ausleihen.
Credit Suisse bullisch für Wells Fargo
Das Investmenthaus Credit Suisse First Boston erhöht sein Rating für die US-Bank Wells Fargo von Neutral auf Outperform mit Kursziel 38 Dollar. Gemäß den Finanzexperten hat sich nach der jüngsten Kapitalerhöhung zu einem Volumen von 11 Milliarden Dollar die Kapitaldecke des Unternehmens deutlich verbessert und das Unternehmen sei gegen eine weitere Konjunkturabkühlung gut gewappnet. Die Analysten rechnen für das Geschäftsjahr 2010 mit einem Gewinn von 3,50 bis 4,00 Dollar pro Aktie und sehen für die Aktie innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate ein Kurspotential bis auf 45 bis 50 Dollar.
Stahl-Aktien profitieren von chinesischem Konjunkturpaket
Stahl-Aktien gehören heute zu den Gewinnern an Wall Street, nachdem Chinas Konjunkturpaket in Höhe von fast 600 Milliarden Dollar Rohstoffaktien zu einem Kurssprung verhilft. Händler gehen davon aus, dass durch die Finanzspritze der chinesischen Regierung die zuletzt abgeschwächte Nachfrage nach Rohstoffen wieder angekurbelt wird. Mit den finanziellen Mitteln plant die chinesische Regierung unter anderem die Finanzierung von Wohnungsbau und Infrastrukturprojekten für die Landwirtschaft und das Transportwesen. Die Aktie von ArcelorMittal gewinnt 3,81 Prozent auf 23,15 Dollar, Nucor legt um 0,98 Prozent auf 35,13 Dollar zu und das Papier von United States Steel verteuert sich um 1,01 Prozent auf 34,02 Dollar.