Telekom-Finanzchef
Der Vertrag von Middelhoff war erst im Frühjahr bis Ende kommenden Jahres verlängert worden. Der ehemalige Bertelsmann-Manager war im Mai 2005 an die Spitze des damals um seine Existenz kämpfenden Konzerns geholt worden. Nach Abschluss einer Sanierung hatte er eigentlich bereits Ende 2008 gehen wollen. Im Sommer dieses Jahres war der Kurs der Arcandor-Aktie vor dem Hintergrund anhaltender Probleme bei der Warenhaustochter Karstadt drastisch eingebrochen und hatte sich seitdem nicht wieder durchgreifend erholen können.
WARENHAUSGESCHÄFT STECKT IN DER KRISE
Während die Arcandor-Tourismustochter Thomas Cook am Dienstag in London ihr Gewinnziel trotz der abflauenden Weltkonjunktur noch einmal bestätigen konnte, steckt das Warenhausgeschäft des Essener Konzerns seit Jahren in der Krise. Die Versandhandelssparte Primondo kann dagegen gerade die Nulllinie überschreiten. Noch im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (30.September) hatte die ertragreiche Tourismussparte die Verluste bei Karstadt nicht ausgleichen können, so dass der Konzern unterm Strich einen Verlust von 119,2 Millionen Euro verbuchen musste. Die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr will der Konzern am 15. Dezember in Frankfurt vorlegen.
Arcandor hatte bereits vergangene Woche einen radikalen Umbau des Vorstandes eingeleitet. Neben dem langjährigen Einkaufsvorstand Helmut Merkel verlässt auch Finanzvorstand Peter Diesch den Konzern. Vor zwei Monaten war bereits der Vertrag mit Personalvorstand Matthias Bellmann gekündigt worden.
EICK BAT TELEKOM UM AUFLÖSUNG SEINES VERTRAGES
Der scheidende Telekom-Finanzchef Eick habe um eine Auflösung seines noch bis 2012 laufenden Vertrages gebeten, teilte die Telekom am Dienstag mit. Der 54-jährige Manager soll noch bis Ende Februar den Jahresabschluss 2008 unter Dach und Fach bringen. Über Eicks Nachfolge werde "zeitnah" entschieden, sagte ein Telekom-Sprecher. Eick war Telekom-Finanzvorstand seit Anfang 2000.
Telekom-Chef René Obermann wies auf viele schwierige Situationen hin, die Eick während der Neuausrichtung des Konzerns gemeistert habe. Der studierte Betriebswirt war im November 1999 zur Telekom gekommen, von 2004 an war er stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
KRISENMANAGER AUF VERSCHIEDENEN POSTEN
Der Schwabe war Krisenmanager während des Kursverfalls, Regisseur des Schuldenabbaus und wurde auch immer wieder als ein möglicher Kandidat für den Posten des Vorstandschefs gehandelt. Kommissarisch übernahm Eick auch das Amt des Personalvorstands und führte die ersten Gespräche über die Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften.
Telekom-Aufsichtrsat und ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder sagte, er bedaure den Weggang von Eick. Der Finanzvorstand habe trotz allem Streit für Solidität im Unternehmen gesorgt und auch auf Arbeitnehmerseite Anerkennung geerntet.
Eick verlässt das Unternehmen in turbulenten Zeiten. Zwar sieht Vorstandschef Obermann das Unternehmen bei seinen Sparzielen auf Kurs. Die Telekom steckt allerdings in einer tiefgreifenden Umstrukturierung, um den Preisdruck durch die Wettbewerber aufzufangen. Zuletzt wurde die Schließung von Callcentern an fast der Hälfte der Standorte in Deutschland beschlossen. Darüber hinaus kommt der Konzern mit immer neuen Datenschutz-Pannen nicht aus den Schlagzeilen./uk/gr/so/DP/gr
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AXC0179 2008-12-02/19:14
