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US-Arbeitsmarkt - keine Beruhigung in Sicht?

Jochen Steffens

 

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist um 4.000 auf 621.000 gesunken. Analysten hatten mit einem Rückgang um 3.000 gerechnet. Der Wert für den gleitenden Vierwochendurchschnitt stieg damit auf 631.250, nach 627.250 zuvor.

 

 

 

Seit Januar werden kontinuierlich über 600.000 neue Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Das ist es, was ich gestern meinte: So lange hier keine eindeutige Verbesserung zu erkennen ist, muss jede Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in den USA mit Vorsicht genossen werden. Natürlich weiß ich auch, dass der Arbeitsmarkt eigentlich ein nachlaufender Indikator ist, aber die Zahlen sind einfach zu extrem (siehe Diagramm weiter unten).

 

US-Arbeitsmarktbericht

 

Morgen um 14.30 MEZ wird der neue US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Analysten rechnen mit einem Rückgang um 540.000 Stellen. Der ADP-Bericht, der bereits am Mittwoch veröffentlicht wurde und der als Indikator für den eigentlichen Arbeitsmarktbericht genutzt wird, hatte einen Rückgang um 523.000 Stellen gemeldet. Allerdings rechneten Analysten hier mit einem deutlich höheren Rückgang um ca. 550.000 Stellen.


Aber so sehr sich die Märkte auch darüber freuen werden, wenn die Zahlen besser als erwartet ausfallen oder es betrauern, wenn die Erwartungen verfehlt werden, bei diesen Zahlen geht es nicht mehr um 20.000 oder 30.000 Stellen. Das wären Peanuts...

 

Dazu noch einmal der alte Chart (morgen werden ich ihn aktualisieren):

 

 

                               

Vergleichen Sie nur einmal den fast schon zart wirkenden Einbruch in den Crash-Jahren 2000-2003 mit dem martialischen Einbruch der letzten Monate. Nun gehen Sie davon aus, dass diese extremen Zahlen uns vielleicht sogar noch einige Monate begleiten werden. Der Unterschied ist derart augenfällig, dass jede Hoffnung auf eine Belebung des US-Konsum sehr gewagt ist. Die Situation ist nicht einmal annähernd mit der in den Jahren 2000-2003 zu vergleichen und damals redete man schon von den Auswirkungen des Arbeitsmarktes auf die US-Wirtschaft. 2002-2005 rettete der US-Immobilienmarkt die US-Wirtschaft und damit auch den Arbeitsmarkt. Doch was soll jetzt diesen wesentlich größeren Einbruch kompensieren?


Folgen des Konkurses von GM

 

Und nun kommt auch noch der Konkurs von GM hinzu, der sicherlich noch zusätzlich einige Zulieferer, Händler und andere Bereiche betreffen wird. Auch hier werden also noch einmal massiv Arbeitsplätze verloren gehen. Selbst Ben Bernanke hat gestern betont, dass sich der massive Stellenabbau in den USA in den nächsten Monaten noch fortsetzen werde. Zudem wiederholte er, dass sich seiner Meinung nach der wirtschaftliche Abschwung in den USA zwar in den nächsten Monaten verlangsamen werde, es aber erst zum Jahresende zu einer Stabilisierung kommen wird. Im Anschluss könne es zwar zu einem langsamen Wachstum kommen, dieses werde aber noch weit vom Potenzialwachstum entfernt sein (Das Potenzialwachstum ist – in der kurzfristigen Betrachtung –  das mögliche Wachstum der Volkswirtschaft bei einem normalen Auslastungsgrad aller Produktionskapazitäten; das tatsächliche Wachstum kann je nach Konjunktursituation – Rezession/Boom – darüber oder darunter liegen).

 

Aktienmarkt

 

Die Börse nimmt zurzeit unter anderem diese Stabilisierung vorweg. Zusätzlich kann, wie schon geschildert, die enorme weltweite Ausweitung der Geldmengen dazu führen, dass ein Teil dieses Geldes in den Aktienmarkt fließt und somit die bisherige Aufwärtsbewegung weiter fortgesetzt wird. Allerdings hatte ich gestern zum ersten Mal das Gefühl, dass die Aktienmärkte von den Nachrichten und auch von den Aussagen Ben Bernankes verunsichert waren. Gestern Nacht und heute Morgen spürte man sogar in den Kommentaren diverser Beobachter erste Zweifel, was die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft und der Börsen anbetrifft.

 

Viele Grüße

 

Jochen Steffens

 

 

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© 2009 Börse-Intern
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