Russland-Tag auf der 63. IAA PKW
Wenn sich der russische Automobilmarkt im kommenden Jahr erholt, haben deutsche Hersteller und Zulieferer die Chance, ganz vorne mitzufahren. Hauptsorge bleiben allerdings protektionistische Tendenzen. „Technologie Made in Germany erfährt in Russland eine hohe Wertschätzung. Als Partner für die Modernisierung der russischen Wirtschaft sind wir sehr gefragt“, sagte Prof. Dr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und Veranstalter des stark besuchten Gesprächsforums „Automobilstandort Russland - Wachstumsmarkt nach der Krise“ auf der 63. IAA PKW in Frankfurt. Russland gehöre „zu den ganz starken Wachstumsmärkten“, führte Mangold aus. „An diesem Trend ändern auch die momentanen Absatzeinbrüche nichts."
Auch aus Sicht von Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), bleibe Russland „ein zentraler Zukunftsmarkt“. Mit einer Pkw-Dichte von erst 225 Autos auf 1000 Personen sei der Nachholbedarf „enorm“. Die deutsche Automobilwirtschaft begrüße es, wenn die russische Regierung erwäge, mit Marktimpulsen Rahmenbedingungen für eine Belebung des Automarktes zu schaffen. „Allerdings sollten diese Anreize nicht protektionistisch angelegt sein“, fügte Wissmann unter Verweis auf eine Förderprämie von umgerechnet 1.100 Euro beim Kauf eines russischen Neuwagens hinzu. „In Deutschland hat die Regierung gut daran getan, dass sie ihre staatlichen Anreize nicht auf die deutsche Industrie beschränkt hat.“
Der Abschwung der russischen Wirtschaft gehe in diesen Tagen zu Ende, prognostizierte Ralf Kalmbach, Partner und Leiter der Automobilsparte bei der Unternehmensberatung Roland Berger. „Ab Frühjahr 2010 werden wir wieder Wachstum sehen.“ Im kommenden Jahr sei in Russland mit dem Verkauf von 1,5 bis 1,7 Millionen Neuwagen zu rechnen nach voraussichtlich 1,2 Millionen in diesem Jahr. Die Erwartungen für 2020 lauteten auf 3,0 bis 3,6 Millionen Neuzulassungen. Positiv für die deutsche Automobilindustrie sei, dass die Nachfrage in Russland dauerhaft größer sein werde als die Inlandsproduktion. Auch gäben russische Käufer mehr Geld für einen neuen Pkw aus als Kunden in anderen Wachstumsmärkten wie Brasilien, China oder Indien.
Detlef Wittig, Leiter Konzernvertrieb der Volkswagen AG, bezeichnete die Großräume Moskau und St. Petersburg als „gute Standorte“ für Automobilhersteller und -zulieferer. Mit technologischer Unterstützung des Westens könne die russische Automobilindustrie einen großen Sprung nach vorn machen. „Denn noch liegt das Kostenniveau in der russischen Produktion oberhalb von Westeuropa.“
„Wir stellen unser Engagement auch in der Krise nicht in Frage“, sagte Réné Schlegel, Osteuropa-Chef der Robert Bosch GmbH. Erfreulicherweise sei das Ersatzteilgeschäft von der aktuellen Marktlage kaum betroffen. Als vorteilhaft bewertete er „die hohe Lernkurve und die niedrigere Fluktuationsrate russischer Beschäftigter“ im Automobilsektor.
Igor Strehle von der VTB Bank nannte die Stabilität des russischen Finanzsystems eine „gute Basis für den Aufschwung“. Mit Bankpleiten sei nicht zu rechnen. Zurzeit seien allerdings die Zinsen zur Stärkung des Rubels noch zu hoch für breitflächige Neuinvestitionen. Die VTB Bank ist auf das Industriegeschäft mit Russland spezialisiert.
Als problematisch sahen die Experten den hohen Importzoll von 30 Prozent auf ausländische Pkw in Russland an. Das Land ist noch nicht Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO. Auch der per Regierungsdekret geforderte heimische Fertigungsanteil von 30 Prozent bei der Produktion von Pkw und Autoteilen sei wegen der noch fehlenden technischen Voraussetzung schwer einzuhalten. Die heimischen Hersteller und Zulieferer müssten zudem sowohl ihre Produktpalette als auch ihre Managementstrukturen modernisieren. Hierfür sei ein „Masterplan Automobil“ der russischen Regierung notwendig. Davon würden auch die ausländischen Hersteller und Zulieferer profitieren, die sich in Russland engagieren.
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