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AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der letzte Akt im Drama um den durch die
Finanzkrise tief gestürzten niederländischen Finanzkonzern ING
Die staatliche Hilfe über zehn Milliarden Euro will das
Unternehmen, das in Deutschland die Direktbank ING-Diba betreibt,
jedoch zuvor zurückzahlen. Die erste Hälfte soll bereits im Dezember
getilgt werden - die andere so bald wie möglich. Bezahlt werden soll
dies unter anderem mit einer Kapitalerhöhung. Der Allianz-Konkurrent
Die ING-Aktie stürzte am Nachmittag in der Spitze um bis zu 18
Prozent auf 9,51 Euro ab. damit endete der Höhenflug des im
EuroStoxx 50
GESCHÄFTSMODELL ALLFINANZ AM ENDE
Die Versicherungs- und Kapitalanlagesparten sollen durch Verkäufe oder Börsengänge aus dem Konzern herausgelöst werden. ING-Chef Jan Hommen würde am liebsten das gesamte Versicherungsgeschäft in einer Einheit an die Börse bringen. Mit diesen drastischen Schritten soll das Risiko halbiert und das Geschäft des Konzerns insgesamt deutlich eingedampft werden. Neben dem Versicherungs- und Kapitalanlage-Geschäft müssen sich die Niederländer auch noch von einigen Banksparten trennen, vor allem vom Direktbankgeschäft in den USA.
Die ING war aus der Fusion des Versicherers
Nationale-Nederlanden und der NMB Postbank Group hervorgegangen. Mit
der angekündigten Aufspaltung ist auch der letzte europäische
Allfinanzkonzern mit dem Ziel eines ungefähr gleichgroßen Bank- und
Versicherungsgeschäfts am Ende. Europas größter Versicherer Allianz
hatte sich bereits 2008 endgültig vom Traum eines integrierten
Finanzkonzerns verabschiedet. Die Münchener verkauften die Dresdner
Bank an die Commerzbank
Auch dem neuen Eigentümer brachte die Dresdner Bank wenig Glück. Wie bei der ING musste der Staat stützend einspringen. Und wie bei den Niederländern müssen sich die Frankfurter auf Geheiß der EU von zahlreichen Sparten trennen, unter anderem dem Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo. Allerfrühestens im kommenden Jahr rechnet der Commerzbank-Vorstand damit, wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
STAATLICHER EINFLUSS SOLL REDUZIERT WERDEN
Der niederländische Konzern will den staatlichen Einfluss wieder reduzieren. In einem ersten Schritt will die ING Wertpapiere über fünf Milliarden Euro mit einem deutlichen Aufschlag vom Staat zurückkaufen. Neben der Zinszahlung von rund 260 Millionen Euro werde dem Staat für den zuletzt stark gestiegenen Aktienkurs ein Aufschlag zwischen 333 Millionen Euro und 691 Millionen Euro gezahlt, hieß es. Zudem muss die ING dem Staat für die Absicherung von wertlos gewordenen Wertpapieren eine höhere Gebühr bezahlen als bislang bekannt. Dies werde das Ergebnis des Unternehmens im vierten Quartal mit rund 1,3 Milliarden Euro belasten.
Experten hatten allerdings mit wesentlich höheren Zahlungen an den Staat gerechnet. Auch die Zahlen für das dritte Quartal, die ING am Montag ebenfalls vorlegte, überraschten positiv. Der Gewinn vor Sonderposten ist von 229 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 750 Millionen Euro gestiegen, wobei das Geschäft mit Versicherungen rund eine halbe Milliarde Euro beisteuerte. Im dritten Quartal 2008 hatte der Konzern noch einen Verlust vor Sonderposten von 568 Millionen Euro erlitten.
ANALYST: UMBAU GEHT WEITER ALS GEDACHT
Nach Einschätzung des WestLB-Experten Andreas Schäfer geht der von der EU auferlegte Umbau weiter als gedacht. Die Frist bis 2013 sollte dem Konzern aber genügend Spielraum geben, um vernünftige Preise für das Versicherungs- und Kapitalanlage-Geschäft zu erzielen. Cheuvreux-Analyst Hans Pluijgers zeigte sich vom Zeitpunkt der Ankündigung über die Aufspaltung überrascht. Der Umfang bewege sich dagegen im Großen und Ganzen innerhalb seiner Erwartungen. Positiv wertete er auch die Konditionen für die Rückzahlung der Staatshilfen. Die ING müsse hier für die erste Hälfte nur eine Prämie von einer Milliarde Euro zahlen. Beide Experten bestätigten am Vormittag ihre insgesamt positive Einstufung für die ING-Aktie./zb/stw/tw/das/he
--- Von Bernd Zeberl, dpa-AFX ---
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