(Neu: weitere Aussagen Francionis)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse
"Die klare Ausrichtung an den Kunden, die Organisation integrer und transparenter Märkte sowie die Weiterführung unserer Kostendisziplin stehen auch 2010 ganz oben auf unserer Agenda", sagte Francioni. Da die Deutsche Börse jedoch die vorausgegangenen wirtschaftlich sehr starken Jahre dazu genutzt habe, sich für schwierige Zeiten zu wappnen, stehe sie "heute besser da als nahezu alle Wettbewerber weltweit". Erreicht worden sei dies durch Innovationen, die Erschließung von Märkten, durch Übernahmen und organisatorisches Wachstum sowie durch das Drehen an der Kostenschraube. In diesem Zusammenhang verwies der Börsenchef auch auf die erfolgten Änderungen im Wertpapierhandel und darauf, dass auch der Parketthandel sich "grundlegend ändern" müsse, "denn der Wettbewerb macht auch vor den Toren der Alten Börse nicht halt".
FRANCIONI: EIGENKAPITAL WICHTIG WIE NIE ZUVOR
Mit Blick auf die Finanzkrise verwies Francioni darauf, dass diese nicht nur mit konjunkturellen Einschnitten verbunden sei, sondern auch mit "strukturellen Veränderungen an den Märkten weltweit". So sei der Zugang zu Fremdkapital schwieriger geworden, was zugleich bedeute, dass Eigenkapital so wichtig sei wie nie zuvor. Das wiederum könnte für 2010 bedeuten, dass der Zugang zu Eigenkapital über Börsengänge laufen könnte. "Das vergangene Jahr war kein gutes Jahr für Börsengänge. Ich kann mir vorstellen, dass sich dies im laufenden Jahr ändert", so Francioni.
Um die Wiederholung von Fehlentwicklungen, wie sie durch die Krise sichtbar wurden, zu verhindern, sei inzwischen bereits einiges passiert, führte der Börsenchef weiter aus. Allerdings stünden "entscheidende regulatorische Konsequenzen" weiterhin aus. "Es ist zu hoffen, dass die Notwendigkeit, diese Konsequenzen auf internationaler Ebene zu ziehen, nicht dazu führen wird, dass sie auf die lange Bank geschoben oder im Interesse der Konsensfindung verwässert werden. Sie sind absolut erforderlich", betonte Francioni.
GENTZ BETONT MÄNGEL BEI DER REGULIERUNG
Aufsichtsratschef Manfred Gentz sagte: "Die Krise ist nicht nur durch Marktversagen verursacht worden, sondern auch aufgrund von Mängeln bei der Regulierung und der staatlichen Aufsicht." Die Regulierung der Abwicklung (Clearing) von Derivategeschäften über so genannte Zentrale Gegenparteien (CCP) sei ein Weg mehr Transparenz zu schaffen und verstärkt Risiken zu managen. "Es ist konsequent und richtig, wenn über ein verpflichtendes Clearing über Zentrale Gegenparteien für möglichst alle standardisierten Derivate nachgedacht wird. Solche neutralen Clearingstellen sollten möglichst bald flächendeckend eingeführt werden."
Zugleich sprach sich Gentz gegen die Pläne für eine Börsenumsatzsteuer aus, wie sie in jüngster Zeit auch verstärkt von der CDU gefordert werden. Eine solche Steuer verschlimmere das Problem, das sie zu lösen vorgebe. "Sie bestraft die Umsätze an regulierten Märkten" und sei "ein Geschenk an die unregulierten Finanzplätze dieser Welt"./ck/he
ISIN DE0005810055
AXC0169 2010-01-25/20:29
