Hamburg (BoerseGo.de) - Der Anleihemarkt steht vor einem Kollpas. Ebenso steht eine Hyperinflation bevor. Davon geht der als Crash-Prophet bekannte ehemalige Finanzanalyst und nunmehrige Buchautor und Börse Online-Kolumnist Roland Leuschel gegenüber der "Financial Times Deutschland" aus. Dieser sieht weiters Massenunruhen aufkommen. Er macht zudem darauf aufmerksam, dass alle von ihm prophezeiten Crashs noch schlimmer gekommen sind als er selber dachte. Das Unheil habe mit dem Crash von 1987 angefangen. Eine richtige Reaktion wäre das Zulassen einer Rezession gewesen. Dies habe der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan verhindert. Greenspan intervenierte und 20 Jahre lang sei es zur Anhäufung eines Schuldenbergs gekommen. Nach dem Minicrash aus dem Jahr 2008 sei das selbe getan worden. Das Problem habe sich dadurch kontinuierlich verschärft. Daher stünde nun ein Megacrash bevor.
Mit großer Wahrscheinlichkeit steuere die Welt auf einen Anleihecrash mit stark steigenden Zinsen und einem enormen Kursverfall der Papiere entgegen. Dies könne noch ein bis zwei Jahre dauern, aber er befürchte ein schnelleres Desaster als alle glauben. Ein Grund sei in den drastisch gestiegenen Staatsverschuldungen zu suchen. In den USA liege das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr bei einem gigantischen Anteil von 9,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Zudem habe das Tempo des Wachstums der Staatsverschuldungen drastische Ausmaße erricht. Als Hauptgrund für die voraussichtliche Katastrophe nennt Leuschel die unverantwortliche Politik der Notenbanken und deren unglaubliche Überschwemmung des Marktes mit Geld. Diese Vorgehensweise bringe die Inflationserwartungen sowie die Zinsen am Rentenmarkt nach oben. Er geht davon aus, dass die Bondrendite einen Aufschlag von fünf Prozent erhält und damit die Ausmaße vom Anleihecrash aus dem Jahr 1993 erreicht, als die Kurse um ein Drittel eingebrochen sind. Eine Begleiterscheinung spiegle sich in einer dramatischen Inflation mit Preisanstiegen in den USA von mehr als zehn Prozent.
In Europa dürften die Preise um mehr als fünf Prozent anziehen. Eine solche Inflation stelle eine Art Staatsbankrott dar und entwerte massiv die Schulden des Staates. Der Staat kaufe sich daher über Inflation quasi von den Schulden frei. Seinem erwarteten Szenario legt er die Kreditmenge plus dem Geldmengenzuwachs im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zugrunde. Dieser Wert betrage in den USA derzeit 13,5 Prozent. In diesem Ausmaß steige die Inflation. Die derzeit niedrigen Inflationsraten hätten ihre Ursachen in einer extrem niedrigen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes als Folge der restriktiven Kreditvergaben. Dieser Faktor könne sich aber schnell ändern und damit die Inflation zum Anheizen bringen. In diesem Fall bestehe keine Kontrolle mehr. Die Staaten hätten dann kein Geld mehr für weitere Schulden und müssten dramatisch sparen. Die Leute stünden vor Arbeitsplatzverlusten und geringeren Sozialleistungen und hätten dann nicht einmal so viel Geld, um sich Essen zu leisten. Daraus würden Massenproteste und soziale Unruhen resultieren. Er stelle sich auf dieses erwartete Szenario bereits durch Installierung umfangreicher Sicherheitstechniken in seinem Haus ein.
Er habe im Jahr 2004 in richtiger Weise zum Kauf von Edelmetallen geraten und kaufe nun bei kleineren Korrekturen nach. Zu einem seiner Grundsätze gehöre die Ansicht, dass Crashs an den Finanzmärkten Chancen zum Einstieg bieten. Mittlerweile habe er 70 Prozent seines liquiden Vermögens in Gold und Silber investiert. Der Anteil von Silber liege etwas über dem von Gold, da er glaubt, dass Silber noch immer billig ist und der Silberpreis vor starken Anstiegen steht. Fast der gesamte Rest seines weiteren Vermögens sei in Cash geparkt. Davon ein Teil in Schweizer Franken, der Großteil in Euro, aber kein Teil in den Dollar.
Die Länge einer von ihm vermuteten weltweiten Rezession dürfte bei zehn Jahren liegen. So lange dauere es bis zur Herstellung eines wirtschaftlichen Gleichgewichts. Daher besitze er einige Short-Positionen auf Papiere der Royal Bank of Scotland, DAX und den Dow Jones. Einzelne Aktien seien ihm derzeit zu risikoreich. Leuschel würde es nicht wundern, wenn der DAX-Stand am Jahresende bei 4.000 bis 4.500 Punkten steht.
Der große Crash lasse sich nicht verhindern wegen der Beherrschung der Politik durch die Finanzlobby. Dies gelte für die US-Notenbank und im Großen und Ganzen ebenso für die Europäische Zentralbank. Fed-Chef Ben Bernanke müsste daher die Zinsen drastisch erhöhen, um die Inflationsgefahr zu bannen. Dazu habe sich bislang nur der Vorvorgänger Bernankes, Paul Volcker Anfang der 80er-Jahre durchgerungen. Derart mutige Leute gebe es aber nicht mehr. Kräftige Zinsanstiege würden die Wirtschaft zwar für eine Zeit lang schwächen, aber danach wäre die Krise überwunden. Zur Benennung von Bernanke als Mann des Jahres 2009 im "Time Magazine" falle ihm nur ein, dass auch Hitler und Stalin diese Auszeichnungen erhalten haben und danach ein Chaos angerichtet haben. Die Journalisten dürften irgendwann einmal sagen, dass Bernanke für das anstehende Chaos die Verantwortung zu tragen hat, führte Leuschel weiter aus. Der 72-jährige Roland Leuschel sagte richtig die Kursstürze an den weltweiten Börsen in den Jahren 1987 und 1989 voraus.
