Frankfurt (BoerseGo.de) - Vielleicht ein Glück, dass der deutsche Aktienmarkt viel früher schloss als die Wall Street, damit blieb ihm die Hektik der US-Börsen erspart (nachfolgender Wall Street Bericht).
Bis zum Xetra-Schluss ruschte der DAX heute 1,79 Prozent auf 5.434 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche verlor der Index 3,1 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht eine Verbesserung auf 5.474 Punkte.
Tagessieger wurde Henkel. Der Persil-Hersteller gilt als defensiv.
Der Flop des Tages hieß Infineon. Chipwerte gelten als besonders riskant.
Wall Street: Belastbar
New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street zeigte sich heute wieder einmal hyperaktiv. Zumindest im Börsenbereich haben die Mediziner keine Rezepte dagegen. Zum "guten Ende" zeigte sich der US-Aktienmarkt aber sehr belastbar, jedenfalls schlossen die Barometer im Plus und der Dow Jones rettete sich wieder über die psychologisch brisante Marke 10.000.
Die Ursache der Hyperaktivität war die Tatsache, dass die Wall Street eine Vielzahl von Einflüssen (und Signalen) verarbeiten musste.
1. Spekulationen um den Süden
Ausgerechnet die Regionen Europas, die im Sommer gerne von den Massen heimgesucht werden, machen Verdruss: Die Urlaubsländer Griechenland, Spanien & Portugal haben Schwierigkeiten ihre Staatshaushalte in Ordnung zu bringen. Das treibt die Kurse bestimmter Derivate (CDS) in die Höhe, die eine Wette auf den Bankrott der betreffenden Staaten sind. Steigende CDS-Preise signalisieren wiederum steigende Risiken und lösten - zumindest zeitweise - eine Flucht aus dem Euro und allem was als riskant gilt aus, also Aktien & Rohstoffe.
2. Glas halbleer oder halbvoll?
Der heutige Arbeitsmarktbericht war unbefriedigend und verwirrend. Im Januar gingen wieder wieder 20.000 Arbeitsplätze verloren, die Volkswirte hatte dagegen mit einem Zuwachs, also 15.000 neu-geschaffenen Jobs gerechnet. Der Dezember wurde auf 150.000 Jobverluste revidiert, zuvor waren 85.000 verlorene Arbeitsplätze gemeldet worden. Der November wurde dagegen auf ein Plus, also auf 64.000 neue Arbeitsplätze verbessert von plus 4.000 Jobs.
Verblüffend fiel die Arbeitslosenrate aus, die - trotz der Jobverluste - auf 9,7% zurück ging. Die Volkswirte hatten dagegen eine unveränderte Quote von 10,0% in Aussicht gestellt. Im Börsenverlauf schien der Markt das Zahlenglas als halbleer (Jobverluste) , dann aber wieder als halbvoll (besser als im Vormonat, sinkende Arbeitslosenrate) zu betrachten. Das Wall Street Journal stellte jedenfalls den Rückgang der Arbeitslosenrate in den Vordergrund.
3. Rekordverdächtige Q4-Saison
Für Auftrieb sorgte außerdem die - gestern etwas in Vergessenheit geratene - Berichtssaison Q4, in der rund 80% der Unternehmen die Gewinnerwartungen schlugen, zumindest für die vergangenen 10 Jahre ein Rekord. Auch heute setzte sich die Serie positiver Gewinnüberraschungen fort. Vor allem die Technologiewerte profitierten noch nachträglich davon, dass der Cisco CEO am Mittwoch Abend von einem breiten Aufschwung des IT-Bereichs berichtete.
4. Produktivitätsanstieg steigert Unternehmensgewinne & zähmt Inflationsrisiko
Stützend wirkte der Ölpreis, der wieder zurückging, eine Entlastung für die Verbraucher und damit ein Plus für den Konsum. Der Ölpreisanstieg war in den vergangenen Jahren der größte Inflationstreiber gewesen. Das passt zu der gestrigen Meldung, dass - wegen des Produktivitätssprungs von 6,2% - die Arbeitskosten - die zweite potentielle Ursache für Inflation - stagnieren. Laut Bloomberg wuchs die Effizienz der US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten mit der höchsten Geschwindigkeit seit 1966. Eine gute Ausgangsbasis für weiter steigende Unternehmensgewinne und wenig Spielraum für Inflation.
Die Konsequenz:
Der Bankensektor - der tief ins Rot gerutscht war - schloss nach einem scharfen späten Schwenk mit plus 1,33%. Die Chip-Titel kletterten 2,39%.
Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, stieg 0,56%.
Der konjunktursensible Transportsektor avancierte 0,22%.
Die Eigenheimbauer fielen dagegen 1,27%.
Die - als defensiv geltenden - Versorger gaben 0,31% ab, wurden anscheinend in riskantere Papiere getauscht.
Der Ölsektor verbilligte 0,72%.
Der Dow Jones Industrial Average plus 0,10 Prozent auf 10.012 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,29 Prozent auf 1.066 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,74 Prozent auf 2.141 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow Jones minus 0,5 Prozent
S&P 500 minus 0,7 Prozent
Nasdaq minus 0,3 Prozent
Dow Jones Average: Verzögerte Reaktion
Tops:
Cisco Systems plus 2,5 Prozent auf 23,70 Dollar. Der Technologiewert war bereits gestern die beste Aktie im Dow Jones. Der Internet-Ausrüster (Netzwerke) hatte schon am Mittwoch Abend die Gewinn & Umsatzerwartungen der Analysten um Längen geschlagen. Das gleiche galt für den Ausblick.
Nachträglich wurde wohl CEO John Chambers honoriert, dessen Aussagen gestern noch weitgehend ignoriert wurden. Chambers berichtete eine über breit gestreute Erholung des IT-Marktes. Das gelte für alle Regionen & Produktbereiche. Die IT-Unternehmens Nachfrage springe wieder an, sogar in Europa, das bislang hinter der USA zurückblieb.
Im Sog von Cisco wurde auch Intel gekauft. Der Chip-Riese, der von der wachsenden IT-Nachfrage profitiert, gewann 2,4 Prozent auf 19,47 Dollar.
Alcoa plus 2,1 Prozent auf 13,18 Dollar.
Bank of America plus 1,7 Prozent auf 15,00 Dollar.
Flops:
General Electric minus 1,56 Prozent auf 15,79 Dollar.
Boeing minus 1,55 Prozent auf 58,40 Dollar.
S&P 500: Profit mit Hühnchen
Tops:
Tyson Foods plus 4,7 Prozent auf 14,65 Dollar. Der Fleischverarbeiter, vor allem Hühnchen, schüttelte einen überraschenden Gewinn aus dem Ärmel. Vor allem die Hühnchen-Division habe sich sich markant verbessert, aber auch mit Rind- & Schweinefleisch mache man wieder Gewinn.
Pitney Bowes plus 4,9 Prozent auf 22,34 Dollar. Der Anbieter von Versandsystemen meldete gestern Abend einen Gewinnsprung um 33% und verdiente je Aktie 3 Cents mehr als erwartet. Das wird heute an der Wall Street gewürdigt - trotz Griechenland.
Archer-Daniels plus 1,8 Prozent auf Dollar. Das verdankte der Verarbeiter von Agrargütern auch der Deutsche Bank. Die Frankfurter lupften das Rating von Hold auf Buy mit Kursziel $35. Der Konzern profitiere von größeren Mais-Ernten, das senke die Kosten für Archer-Daniels, den Käufer & Verarbeiter. Außerdem erwartet die Bank größere Verkäufe von Süßstoffen nach Mexiko und eine Erholung der Sojabohnenmehl - und -öl-Nachfrage.
The Gap plus 2,1 Prozent auf 19,88 Dollar. Die Aktie gehörte bereits gestern zu den (raren) Gewinnern an der Wall Street. Der Grund der Fashionhändler steigerte seinen Umsatz im Januar um 5%, mehr als erwartet. Heute reagierte die Citigroup auf die guten Zahlen und wertete den Einzelhandels-Titel von Hold auf Buy auf, mit Kursziel $24.
Einige Hotelketten wurden von dem Broker Robert W. Baird angeregt, der die Beherbergungs-Firmen mit Upgrades beglückte. Die Zahl der Zimmerbuchungen sollte wieder steigen und die Kern-Umsatzgrößen dürften sich bis Jahresende verbessern.
Starwood Hotels wurde von Underperform auf Neutral gelupft und das Kursziel von $29 auf $31.
Intercontinental Hotels Group von Neutral auf Outperform, mit Kursziel $16
Choice Hotels ebenfalls Neutral » Outperform, mit Kursziel $37
Starwood plus 4,2 Prozent auf 36,75 Dollar.
Choice Hotels plus 2 Prozent auf 31,71 Dollar.
Intercontinental Hotels plus 0,3 Prozent auf 14,00 Dollar.
Trotz Griechenland & Spanien waren heute an der Wall Street auch richtige Kurssprünge möglich. Den machte Airgas, ein Anbieter von technischen Gasen. Der Grund: Der Rivale Air Products machte ein feindliches Übernahmeangebot.
Airgas sprang 40 Prozent auf 60,96 Dollar.
Flops:
Air Products plumpste 6,9 Prozent auf 68,64 Dollar. Traditionell werden die Aufkäufer abgestraft, weil die Investoren die Koten scheuen und die erhofften Synerergieeffekte bezweifeln. Daimler/Chrrysler lässt grüßen.
Mastercard minus 0,6 Prozent auf 220,74 Dollar. Die Aktie zählte gestern zu den größten Verlierern an der Wall Street. Der Grund: Der Kreditkarten-Dienstleister meldete zwar einen Gewinnanstieg um 23%, verfehlte aber die ehrgeizigen Erwartungen der Wall Street.
Heute gab Wells Fargo Rückendeckung. Die Großbank lupfte ihr Rating von Market Perform auf Outperform. Der Umsatzanstieg (im Rahmen ihrer Erwartungen) sei durch höhere Kosten aufgehoben worden, hieß es. Die Bewertung sei aber attraktiv und biete daher Spielraum für Kursgewinne (Spanne $270-280). Das Risiko für Kursverluste sei moderat.
Nasdaq: Tröge Firmennachrichten?
Die technologielastige Computerbörse schien erst heute auf die gestrigen Äußerungen des Cisco-CEOs zu reagieren. Der Lenker des Technologiegiganten hatte von einer breiten Erholung der IT-Branche berichtet (Wie man inzwischen aus einem YouTube-Video gelernt hat, haben die Händler auch was Besseres zu tun, als tröge Firmennachrichten zu verfolgen).
Jedenfalls gab es Rückkäufe, davon profitierte vor allem die gestern gebeutelte Chip-Gruppe:
AMD plus 2,2 Prozent auf 29,39 Dollar.
Broadcom plus 6,1 Prozent auf 29,39 Dollar.
MEMC Electronic Materials plus 7,7 Prozent auf 12,49 Punkte. Die Aktien waren gestern deftig eingebrochen, stärker als der Gesamtmarkt. Der Grund: Der Ausblick des Wafer-Herstellers (sowohl für die Chip-Hersteller als auch die Solar-Industrie) war nicht nach dem Geschmack der Wall Street.
Heute eilte aber Credit Suisse-Analyst Satya Kumar zur Hilfe herbei. Kumar beförderte das Chip-Papier von Neutral auf Outperform und das Kursziel von $17 auf $19.50. Allein das Zuliefergeschäft für die Halbleiter-Hersteller sei etwa $11 wert. Hinzu käme Cash von $4,50 je Aktie. Das Solargeschäft sei mindestens $4 je Aktie wert. Vor allem das Chip-Geschäft profitiere von einer anziehenden Nachfrage.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, plus 2,4 Prozent auf 320 Punkte.
Apple plus 1,7 Prozent auf 195,29 Dollar.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, plus 2,4 Prozent auf 67,75 Dollar.
Palm bröckelte dagegen 0,6 Prozent auf 10,38 Dollar.
Motorola plus 1,3 Prozent auf 6,40 Dollar. Analyst Jeff Kvaal von Barclays Capital wertete die Aktie von Equal Weight auf Overweight auf, mit Kursziel $9.
Kvaal sieht solide Verkäufe des Motorola-Smartphones Droid (basierend auf dem Betriebssystem Android von Google). Das firmeneigene Verkaufsziel von 11-14 Mio. verkauften Geräten in 2010 sei erreichbar. Kvaal geht von 13 Mio. Stück aus.
Wenn der Handy-Bereich, wie erwartet, die Gewinnzone erreicht, falle es dem Technologiekonzern leichter, sich von Bereichen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, was wiederum den Aktienkurs steigere. Der jüngste Kursrückschlag sei daher eine Kaufgelegenheit.
Microsoft plus 0,7 Prozent auf 28,02 Dollar.
Internet: Monopol in China?
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets gehörten heute zu den Zugpferden der Wall Street. Die nach dem Kursrutsch entstandenen Schnäppchenpreise lockten anscheinend wieder Käufer an.
Das Online-Kaufhaus Amazon.com plus 1,3 Prozent auf 117,39 Dollar. Bereits gestern bekräftigte der Broker MKM Partners sein Buy-Rating und Kursziel $200 (derzeit das höchste im Markt). Die Aktie seit angesichts der Einnahmen (Free Cash Flow) und der hohen Wachstums attraktiv bewertet, also günstig, hieß es.
Der Rivale Ebay plus 1,2 Prozent auf 22,71 Dollar.
Die Online-Videothek Netflix plus 0,8 Prozent auf 60,84 Dollar.
Shutterfly plus 10,2 Prozent auf 17,66 Dollar. Der Internet-Fotodienst meldete gestern Abend einen Gewinnsprung um 68%, die Umsätze kletterten 21,7 %. Das wurde heute gefeiert.
Google plus 0,9 Prozent auf 531,29 Dollar.
Yahoo plus 1,2 Prozent auf 15,19 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, plus 1,8 Prozent auf 448,80 Dollar. Der Aktienkurs wird derzeit weniger von den eigenen Geschäften beeinflusst, sondern von den Geschäften des Rivalen Google. Seit die Amerikaner mit der Regierung in Beijing - wegen der Zensur - in Streit gerieten und mit Rückzug aus dem Reich der Mitte drohten, stellt sich die Frage, ob Baidu dadurch seinen größten Konkurrenten los wird.
Um dieses Thema dreht sich auch die heutige Notiz, die der Broker RBC Capital Markets an seine Klienten verschickte. Das Wertpapierhaus schraubte das Kursziel für Baidu von $403 auf $554 hoch. Dort sieht man eine Wahrscheinlichkeit von 75%, dass Google die Volksrepublik verlässt. Daher verfüge Baidu über das Potential, in China eine Monopol-Stellung bei den Suchmaschinen zu erreichen.
Gleichzeitig nahm der Broker seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für Q1 zurück (Umsatz: 173 Mio. $, statt 177 Mio. $; Gewinne je Aktie: $1.42, statt: $1.48). Der Grund: Der Broker schätzt die (schwierige) Umstellung (Upgrade) der Werbe-Plattform Phoenix Nest konservativer ein als bisher. Für die Aktien von Baidu seien aber die strategischen Implikationen des möglichen Google-Rückzugs entscheidender, hieß es.
AOL (an der New York Stock Exchange notiert) verlor dagegen 2,2 Prozent auf 23,65 Dollar.
Rohstoffe: Pendelbewegungen
Öl: Preisrückzug setzt sich fort
Der März-Kontrakt für Crude fiel an der New York Mercantile Exchange um 1,95 Dollar und schloss auf 71,19 Dollar.
Gold: Solidarisch mit dem Aktienmarkt
Der Gold-Kontrakt für April fiel heute an der New York Mercantile Exchange um 9,50 Dollar ein und schloss auf 1.053,20 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall wieder auf 1.065,00 Dollar hoch.
Ausblick: Es sieht dünn aus
Montag:
Dienstag:
Quartalszahlen: Coca Cola, Walt Disney
Mittwoch:
16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche plus Einzelhandelsumsätze Januar
Freitag:
Bis zum Xetra-Schluss ruschte der DAX heute 1,79 Prozent auf 5.434 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche verlor der Index 3,1 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht eine Verbesserung auf 5.474 Punkte.
Tagessieger wurde Henkel. Der Persil-Hersteller gilt als defensiv.
Der Flop des Tages hieß Infineon. Chipwerte gelten als besonders riskant.
Wall Street: Belastbar
New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street zeigte sich heute wieder einmal hyperaktiv. Zumindest im Börsenbereich haben die Mediziner keine Rezepte dagegen. Zum "guten Ende" zeigte sich der US-Aktienmarkt aber sehr belastbar, jedenfalls schlossen die Barometer im Plus und der Dow Jones rettete sich wieder über die psychologisch brisante Marke 10.000.
Die Ursache der Hyperaktivität war die Tatsache, dass die Wall Street eine Vielzahl von Einflüssen (und Signalen) verarbeiten musste.
1. Spekulationen um den Süden
Ausgerechnet die Regionen Europas, die im Sommer gerne von den Massen heimgesucht werden, machen Verdruss: Die Urlaubsländer Griechenland, Spanien & Portugal haben Schwierigkeiten ihre Staatshaushalte in Ordnung zu bringen. Das treibt die Kurse bestimmter Derivate (CDS) in die Höhe, die eine Wette auf den Bankrott der betreffenden Staaten sind. Steigende CDS-Preise signalisieren wiederum steigende Risiken und lösten - zumindest zeitweise - eine Flucht aus dem Euro und allem was als riskant gilt aus, also Aktien & Rohstoffe.
2. Glas halbleer oder halbvoll?
Der heutige Arbeitsmarktbericht war unbefriedigend und verwirrend. Im Januar gingen wieder wieder 20.000 Arbeitsplätze verloren, die Volkswirte hatte dagegen mit einem Zuwachs, also 15.000 neu-geschaffenen Jobs gerechnet. Der Dezember wurde auf 150.000 Jobverluste revidiert, zuvor waren 85.000 verlorene Arbeitsplätze gemeldet worden. Der November wurde dagegen auf ein Plus, also auf 64.000 neue Arbeitsplätze verbessert von plus 4.000 Jobs.
Verblüffend fiel die Arbeitslosenrate aus, die - trotz der Jobverluste - auf 9,7% zurück ging. Die Volkswirte hatten dagegen eine unveränderte Quote von 10,0% in Aussicht gestellt. Im Börsenverlauf schien der Markt das Zahlenglas als halbleer (Jobverluste) , dann aber wieder als halbvoll (besser als im Vormonat, sinkende Arbeitslosenrate) zu betrachten. Das Wall Street Journal stellte jedenfalls den Rückgang der Arbeitslosenrate in den Vordergrund.
3. Rekordverdächtige Q4-Saison
Für Auftrieb sorgte außerdem die - gestern etwas in Vergessenheit geratene - Berichtssaison Q4, in der rund 80% der Unternehmen die Gewinnerwartungen schlugen, zumindest für die vergangenen 10 Jahre ein Rekord. Auch heute setzte sich die Serie positiver Gewinnüberraschungen fort. Vor allem die Technologiewerte profitierten noch nachträglich davon, dass der Cisco CEO am Mittwoch Abend von einem breiten Aufschwung des IT-Bereichs berichtete.
4. Produktivitätsanstieg steigert Unternehmensgewinne & zähmt Inflationsrisiko
Stützend wirkte der Ölpreis, der wieder zurückging, eine Entlastung für die Verbraucher und damit ein Plus für den Konsum. Der Ölpreisanstieg war in den vergangenen Jahren der größte Inflationstreiber gewesen. Das passt zu der gestrigen Meldung, dass - wegen des Produktivitätssprungs von 6,2% - die Arbeitskosten - die zweite potentielle Ursache für Inflation - stagnieren. Laut Bloomberg wuchs die Effizienz der US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten mit der höchsten Geschwindigkeit seit 1966. Eine gute Ausgangsbasis für weiter steigende Unternehmensgewinne und wenig Spielraum für Inflation.
Die Konsequenz:
Der Bankensektor - der tief ins Rot gerutscht war - schloss nach einem scharfen späten Schwenk mit plus 1,33%. Die Chip-Titel kletterten 2,39%.
Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, stieg 0,56%.
Der konjunktursensible Transportsektor avancierte 0,22%.
Die Eigenheimbauer fielen dagegen 1,27%.
Die - als defensiv geltenden - Versorger gaben 0,31% ab, wurden anscheinend in riskantere Papiere getauscht.
Der Ölsektor verbilligte 0,72%.
Der Dow Jones Industrial Average plus 0,10 Prozent auf 10.012 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,29 Prozent auf 1.066 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,74 Prozent auf 2.141 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow Jones minus 0,5 Prozent
S&P 500 minus 0,7 Prozent
Nasdaq minus 0,3 Prozent
Dow Jones Average: Verzögerte Reaktion
Tops:
Cisco Systems plus 2,5 Prozent auf 23,70 Dollar. Der Technologiewert war bereits gestern die beste Aktie im Dow Jones. Der Internet-Ausrüster (Netzwerke) hatte schon am Mittwoch Abend die Gewinn & Umsatzerwartungen der Analysten um Längen geschlagen. Das gleiche galt für den Ausblick.
Nachträglich wurde wohl CEO John Chambers honoriert, dessen Aussagen gestern noch weitgehend ignoriert wurden. Chambers berichtete eine über breit gestreute Erholung des IT-Marktes. Das gelte für alle Regionen & Produktbereiche. Die IT-Unternehmens Nachfrage springe wieder an, sogar in Europa, das bislang hinter der USA zurückblieb.
Im Sog von Cisco wurde auch Intel gekauft. Der Chip-Riese, der von der wachsenden IT-Nachfrage profitiert, gewann 2,4 Prozent auf 19,47 Dollar.
Alcoa plus 2,1 Prozent auf 13,18 Dollar.
Bank of America plus 1,7 Prozent auf 15,00 Dollar.
Flops:
General Electric minus 1,56 Prozent auf 15,79 Dollar.
Boeing minus 1,55 Prozent auf 58,40 Dollar.
S&P 500: Profit mit Hühnchen
Tops:
Tyson Foods plus 4,7 Prozent auf 14,65 Dollar. Der Fleischverarbeiter, vor allem Hühnchen, schüttelte einen überraschenden Gewinn aus dem Ärmel. Vor allem die Hühnchen-Division habe sich sich markant verbessert, aber auch mit Rind- & Schweinefleisch mache man wieder Gewinn.
Pitney Bowes plus 4,9 Prozent auf 22,34 Dollar. Der Anbieter von Versandsystemen meldete gestern Abend einen Gewinnsprung um 33% und verdiente je Aktie 3 Cents mehr als erwartet. Das wird heute an der Wall Street gewürdigt - trotz Griechenland.
Archer-Daniels plus 1,8 Prozent auf Dollar. Das verdankte der Verarbeiter von Agrargütern auch der Deutsche Bank. Die Frankfurter lupften das Rating von Hold auf Buy mit Kursziel $35. Der Konzern profitiere von größeren Mais-Ernten, das senke die Kosten für Archer-Daniels, den Käufer & Verarbeiter. Außerdem erwartet die Bank größere Verkäufe von Süßstoffen nach Mexiko und eine Erholung der Sojabohnenmehl - und -öl-Nachfrage.
The Gap plus 2,1 Prozent auf 19,88 Dollar. Die Aktie gehörte bereits gestern zu den (raren) Gewinnern an der Wall Street. Der Grund der Fashionhändler steigerte seinen Umsatz im Januar um 5%, mehr als erwartet. Heute reagierte die Citigroup auf die guten Zahlen und wertete den Einzelhandels-Titel von Hold auf Buy auf, mit Kursziel $24.
Einige Hotelketten wurden von dem Broker Robert W. Baird angeregt, der die Beherbergungs-Firmen mit Upgrades beglückte. Die Zahl der Zimmerbuchungen sollte wieder steigen und die Kern-Umsatzgrößen dürften sich bis Jahresende verbessern.
Starwood Hotels wurde von Underperform auf Neutral gelupft und das Kursziel von $29 auf $31.
Intercontinental Hotels Group von Neutral auf Outperform, mit Kursziel $16
Choice Hotels ebenfalls Neutral » Outperform, mit Kursziel $37
Starwood plus 4,2 Prozent auf 36,75 Dollar.
Choice Hotels plus 2 Prozent auf 31,71 Dollar.
Intercontinental Hotels plus 0,3 Prozent auf 14,00 Dollar.
Trotz Griechenland & Spanien waren heute an der Wall Street auch richtige Kurssprünge möglich. Den machte Airgas, ein Anbieter von technischen Gasen. Der Grund: Der Rivale Air Products machte ein feindliches Übernahmeangebot.
Airgas sprang 40 Prozent auf 60,96 Dollar.
Flops:
Air Products plumpste 6,9 Prozent auf 68,64 Dollar. Traditionell werden die Aufkäufer abgestraft, weil die Investoren die Koten scheuen und die erhofften Synerergieeffekte bezweifeln. Daimler/Chrrysler lässt grüßen.
Mastercard minus 0,6 Prozent auf 220,74 Dollar. Die Aktie zählte gestern zu den größten Verlierern an der Wall Street. Der Grund: Der Kreditkarten-Dienstleister meldete zwar einen Gewinnanstieg um 23%, verfehlte aber die ehrgeizigen Erwartungen der Wall Street.
Heute gab Wells Fargo Rückendeckung. Die Großbank lupfte ihr Rating von Market Perform auf Outperform. Der Umsatzanstieg (im Rahmen ihrer Erwartungen) sei durch höhere Kosten aufgehoben worden, hieß es. Die Bewertung sei aber attraktiv und biete daher Spielraum für Kursgewinne (Spanne $270-280). Das Risiko für Kursverluste sei moderat.
Nasdaq: Tröge Firmennachrichten?
Die technologielastige Computerbörse schien erst heute auf die gestrigen Äußerungen des Cisco-CEOs zu reagieren. Der Lenker des Technologiegiganten hatte von einer breiten Erholung der IT-Branche berichtet (Wie man inzwischen aus einem YouTube-Video gelernt hat, haben die Händler auch was Besseres zu tun, als tröge Firmennachrichten zu verfolgen).
Jedenfalls gab es Rückkäufe, davon profitierte vor allem die gestern gebeutelte Chip-Gruppe:
AMD plus 2,2 Prozent auf 29,39 Dollar.
Broadcom plus 6,1 Prozent auf 29,39 Dollar.
MEMC Electronic Materials plus 7,7 Prozent auf 12,49 Punkte. Die Aktien waren gestern deftig eingebrochen, stärker als der Gesamtmarkt. Der Grund: Der Ausblick des Wafer-Herstellers (sowohl für die Chip-Hersteller als auch die Solar-Industrie) war nicht nach dem Geschmack der Wall Street.
Heute eilte aber Credit Suisse-Analyst Satya Kumar zur Hilfe herbei. Kumar beförderte das Chip-Papier von Neutral auf Outperform und das Kursziel von $17 auf $19.50. Allein das Zuliefergeschäft für die Halbleiter-Hersteller sei etwa $11 wert. Hinzu käme Cash von $4,50 je Aktie. Das Solargeschäft sei mindestens $4 je Aktie wert. Vor allem das Chip-Geschäft profitiere von einer anziehenden Nachfrage.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, plus 2,4 Prozent auf 320 Punkte.
Apple plus 1,7 Prozent auf 195,29 Dollar.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, plus 2,4 Prozent auf 67,75 Dollar.
Palm bröckelte dagegen 0,6 Prozent auf 10,38 Dollar.
Motorola plus 1,3 Prozent auf 6,40 Dollar. Analyst Jeff Kvaal von Barclays Capital wertete die Aktie von Equal Weight auf Overweight auf, mit Kursziel $9.
Kvaal sieht solide Verkäufe des Motorola-Smartphones Droid (basierend auf dem Betriebssystem Android von Google). Das firmeneigene Verkaufsziel von 11-14 Mio. verkauften Geräten in 2010 sei erreichbar. Kvaal geht von 13 Mio. Stück aus.
Wenn der Handy-Bereich, wie erwartet, die Gewinnzone erreicht, falle es dem Technologiekonzern leichter, sich von Bereichen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, was wiederum den Aktienkurs steigere. Der jüngste Kursrückschlag sei daher eine Kaufgelegenheit.
Microsoft plus 0,7 Prozent auf 28,02 Dollar.
Internet: Monopol in China?
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets gehörten heute zu den Zugpferden der Wall Street. Die nach dem Kursrutsch entstandenen Schnäppchenpreise lockten anscheinend wieder Käufer an.
Das Online-Kaufhaus Amazon.com plus 1,3 Prozent auf 117,39 Dollar. Bereits gestern bekräftigte der Broker MKM Partners sein Buy-Rating und Kursziel $200 (derzeit das höchste im Markt). Die Aktie seit angesichts der Einnahmen (Free Cash Flow) und der hohen Wachstums attraktiv bewertet, also günstig, hieß es.
Der Rivale Ebay plus 1,2 Prozent auf 22,71 Dollar.
Die Online-Videothek Netflix plus 0,8 Prozent auf 60,84 Dollar.
Shutterfly plus 10,2 Prozent auf 17,66 Dollar. Der Internet-Fotodienst meldete gestern Abend einen Gewinnsprung um 68%, die Umsätze kletterten 21,7 %. Das wurde heute gefeiert.
Google plus 0,9 Prozent auf 531,29 Dollar.
Yahoo plus 1,2 Prozent auf 15,19 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, plus 1,8 Prozent auf 448,80 Dollar. Der Aktienkurs wird derzeit weniger von den eigenen Geschäften beeinflusst, sondern von den Geschäften des Rivalen Google. Seit die Amerikaner mit der Regierung in Beijing - wegen der Zensur - in Streit gerieten und mit Rückzug aus dem Reich der Mitte drohten, stellt sich die Frage, ob Baidu dadurch seinen größten Konkurrenten los wird.
Um dieses Thema dreht sich auch die heutige Notiz, die der Broker RBC Capital Markets an seine Klienten verschickte. Das Wertpapierhaus schraubte das Kursziel für Baidu von $403 auf $554 hoch. Dort sieht man eine Wahrscheinlichkeit von 75%, dass Google die Volksrepublik verlässt. Daher verfüge Baidu über das Potential, in China eine Monopol-Stellung bei den Suchmaschinen zu erreichen.
Gleichzeitig nahm der Broker seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für Q1 zurück (Umsatz: 173 Mio. $, statt 177 Mio. $; Gewinne je Aktie: $1.42, statt: $1.48). Der Grund: Der Broker schätzt die (schwierige) Umstellung (Upgrade) der Werbe-Plattform Phoenix Nest konservativer ein als bisher. Für die Aktien von Baidu seien aber die strategischen Implikationen des möglichen Google-Rückzugs entscheidender, hieß es.
AOL (an der New York Stock Exchange notiert) verlor dagegen 2,2 Prozent auf 23,65 Dollar.
Rohstoffe: Pendelbewegungen
Öl: Preisrückzug setzt sich fort
Der März-Kontrakt für Crude fiel an der New York Mercantile Exchange um 1,95 Dollar und schloss auf 71,19 Dollar.
Gold: Solidarisch mit dem Aktienmarkt
Der Gold-Kontrakt für April fiel heute an der New York Mercantile Exchange um 9,50 Dollar ein und schloss auf 1.053,20 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall wieder auf 1.065,00 Dollar hoch.
Ausblick: Es sieht dünn aus
Montag:
Dienstag:
Quartalszahlen: Coca Cola, Walt Disney
Mittwoch:
16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche plus Einzelhandelsumsätze Januar
Freitag:
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
© 2010 BörseGo
