Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt war negativ in den Tag gestartet, profitierte aber dann von einer zunehmend besser gelaunten Wall Street (nachfolgender Wall Street Bericht).
Bis zum Xetra-Schluss gewann der DAX heute 0,73 Prozent auf 5.722 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche kletterte der Index satte 4 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht 5.718 Punkte.
Tagessieger wurden BMW & Daimler. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Der Flop des Tages hieß RWE. Die Société Générale kappte den Stromversorger von "Hold" auf "Sell".
Wall Street: Die Botschaft der Fed
New York (BoerseGo.de) - Was Tiger Woods von dem gestrigen Fed-Entscheid hält, wurde leider nicht überliefert. Jedenfalls war der TV-Auftritt des Golf Stars, bei dem er sich öffentlich für seine außerehelichen Abenteuer entschuldigte, heute eines der beiden Hauptthemen - auch an der Wall Street. Laut Bloomberg sackte jedenfalls während der TV-Sendung der Börsenumsatz vorübergehend kräftig ab, auf der Bloomberg-Homepage gab es zeitweise bis zu vier Schlagzeilen zum Thema Tiger Woods, natürlich auch die Hauptschlagzeile.
Das andere Thema war (natürlich?) die gestrige Diskontanhebung von 0,5% auf 0,75. Die Meldung, die gestern Abend kurz nach Börsenschluss über die Ticker lief, ließ heute Nacht die Wall Street Futures erst einmal abrutschen und drückte auch in Asien & Europa auf die Aktienkurse. Der reguläre Wall Street Handel startete dann auch im roten Bereich, wenn auch nicht so tief, wie die Futures noch in der Nacht signalisierten, gewann dann aber stetig an Boden. Zum guten Ende schlossen die Wall Street Barometer wieder unisono im Plus, den vierten Tag in Folge.
Positives Signal
Anscheinend kam man, nach dem ersten Schrecken, wieder zur Besinnung und zur Auffassung: Das Glas ist halbvoll. Peter Cardillo, Chief Market Economist bei Avalon Partners glaubt jedenfalls, dass die Diskont-Anhebung ein positives Signal ist.
"Der Fed-Entscheid sandte einerseits die Botschaft, dass die Wirtschaft heilt, andererseits aber auch, dass die Fed, ihren Leitzins nicht anheben will", so Cardillo. "Das Finanzsystem erholt sich und braucht daher die Krücken (Diskont-Kredit) nicht mehr", fügte der Stratege hinzu.
Öl auf die Wogen
Jedenfalls war der heutige Börsenverlauf auch der Erfolg diverser Fed-Offizieller, die versuchten, Öl auf die Wogen zu gießen. Bereits gestern hatte die Fed betont, der relevante Zins, der Geldmarktsatz, bleibe unverändert bei nahe Null. Der Diskontkredit diene lediglich als Nothilfe für Banken, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind. Die Anhebung sei daher eine Reaktion auf die verbesserte Situation an den Finanzmärkten. Ohnehin war die Diskont-Anhebung bereits von Fed-Chef Ben Bernankes angedeutet worden, also keine echte Überraschung.
Dennis Lockhart, Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, erläuterte, der Diskont-Schritt diene nicht dazu, die Geldpolitik zu verengen, er sei auch kein Signal für bevorstehende Zinsanhebungen. Die Geldpolitik bleibe weiterhin "untersützend" ("accommodative").
James Bullard, Federal Reserve Bank of St. Louis, erklärte, die Befürchtung einer baldigen Erhöhung des Leitzines sei übertrieiben, zumindest vorerst.
Federal Reserve Governor Elizabeth Duke sagte, der Schritt sei eine Normalisierung, weil der Diskontsatz lediglich für selten benötigte Notfall-Kredite erhoben wird. Die Kreditkosten der Verbraucher & Unternehmen sollten damit nicht angehoben werden.
Spielraum für niedrige Zinsen
Hilfreich (für die Kursgewinne) waren auch die heute gemeldeten Verbraucherpreise. Die Steigerungsraten lagen unter den Erwartungen und unter dem Vormonat. Ex-Nahrungsmittel und Energie (die geldpolitisch wichtige Kernrate) gab es sogar einen winzigen Rückgang. "Niedrige Inflation gibt der Fed Spielraum, die Zinsen niedrig zu halten", hieß die Schlagzeile der Nachrichtenagentur AP.
Botschaft angekommen
Der konjunktursensible Transportsektor kletterte 1,36%. Ein Zeichen, dass die Botschaft der Fed angekommen ist. Außerdem wirkte wohl der gestrige Philadelphia-Index noch nach, der eine Beschleunigung des Industriewachstums signalisierte.
Der Bankensektor (KBW Bank-Index) stieg 1,28%. Die Eigenheimbauer gewannen 0,76%.
Der Ölsektor verteuerte 1,5%.
Die Chip-Titel avancierten 0,30%. Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, verbesserte sich 0,37%. Die - als defensiv geltenden - Versorger legten 1,32% zu.
Der Dow Jones Industrial Average plus 0,09 Prozent auf 10.402 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,22 Prozent auf 1.109 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,1 Prozent auf 2.243 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow Jones plus 3,0 Prozent
S&P 500 plus 3,1 Prozent
Nasdaq plus 2,8 Prozent
Dow Jones Average: Des einen Leid, des anderen Freud
Tops:
Der Top des Dow war Pfizer mit plus 1,5 Prozent auf 17,99 Dollar. Der Pharma-Riese profitierte von dem Mischgeschick eines Rivalen. Der Pharmakonzern United Therapeutics entschied sich den Antrag auf eine europäische Zulassung seines Bluthochdruck-Präparats zurückzuziehen, da dafür noch eine weitere klinische Studie notwendig ist.
Die nachfolgenden Platzierungen waren wohl dem Konjunkturoptimismus zu verdanken, der auch vom gestrigen Philadelphia-Index angeregt wurde:
Du Pont (Chemie) plus 1,2 Prozent auf 34,03 Dollar
Boeing plus 1,1 Prozent auf 63,59 Dollar
Caterpillar (Baumaschinen & Minen-Geräte) plus 0,8 Prozent auf 58,25 Dollar
Walt Disney plus 0,7 Prozent auf 31,23Dollar. Der Broker Jefferies & Co. nahm die Beobachtung heute mit einem Buy-Rating und Kursziel $36 auf. Das Management habe die richtigen Schritte unternommen, um die Kostenstruktur zu glätten.
Flops:
Johnson & Johnson minus 1,1 Prozent auf 63,81 Dollar. Der Pharmakonzern kündigte eine Partnerschaft mit der Schweizerischen Basilea Pharmaceutica Ltd. Dabei ging es um ein Präparat gegen Hautinfektionen. Der Deal scheiterte an den EU-Behörden, die eine Zulassung verweigerten, weil sie Test-Daten nicht anerkannten.
S&P 500: Nutznießer der Geldpolitik
Tops:
Für Morgan Stanley ist der Fed-Entscheid ein Kaufgrund - und zwar für US-Bankaktien.
Begründung: Die Diskontsatzanhebung signalisiere ein wachsendes Vertrauen in die konjunkturelle Erholung. Die US-Notenbank hatte ihren Schritt gestern Abend als Normalisierung und als Reaktion auf die verbesserte Situation an den Finanzmärkten bezeichnet.
Sollten die Zinsen in den kommenden Monaten tatsächlich anziehen, so verbessere das die Gewinnmargen in einigen Geschäftsbereichen. Die Zahlungsverkehrskonten etwa bei den Banken sind normalerweise unverzinslich. Bei steigenden Zinsen könnten die Finanzinstitute diese Gelder daher rentabler investieren.
Zu den Favoriten von Morgan Stanley zählen:
Bank of New York Mellon, heute plus 3,5 Prozent auf 28,66 Dollar.
und Northern Trust Corp, heute plus 4,1 Prozent auf 54,60 Dollar.
Charles Schwab plus 5,2 Prozent auf 18,73 Dollar. Die Fed hält den Geldmarktzins bei Null, am langen Ende (langfristige Anleihen) klettert der Zins - wegen der Konjunkturerholung - immer höher. Davon profitieren diverse Finanzdienstleister, darunter auch der Discount Broker, Goldman Sachs beförderte das Papier von Sell auf Neutral mit Kursziel $18. Der Wertpapier-Vermittler profitiere von der steileren Zinsstruktur-Kurve, das heißt, dem zunehmenden Abstand zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen, hieß es.
J.C. Penney plus 6,6 Prozent auf 27,66 Dollar. Der Warenhausbetreiber meldete heute - bereinigt um Sonderposten - mehr Gewinn als erwartet, nämlich je Aktie $1,02 statt 82 Cents. Außerdem fiel der Ausblick (Gewinn, Umsätze) besser aus als die Wall Street geschätzt hatte.
Davon profitierte auch der Branchenkollege Macy's, dessen Zahlen kommenden Dienstag fällig sind.
Macy's plus 2,1 Prozent auf 18,54 Dollar.
Liz Claiborne sprang 9,4 Prozent auf 6,53 Dollar. Der am New Yorker Broadway beheimatete Fashionkonzern (Design & Verkauf von Bekleidung) wurde heute beim Broker KeyBanc Capital Markets entdeckt. Das Wertpapierhaus beförderte den Konsum-Titel von Hold auf Buy mit Kursziel $7.50. Der Broker lobte, dass das Management den Konzern aggressiv umformt. Kostenkürzungen und weitere strukturelle Änderungen würden dem Fashion-Hersteller erlauben, bis Jahresende in die Gewinnzone zurück zu kehren.
Best Buy plus 0,5 Prozent auf 36,34 Dollar. Für Interesse an dem Elektronik-Discounter sorgte der Broker JMP Securities. Dort wurde der Konsum-Titel mit dem Rating Market Outperform gestartet und Kursziel $45. Die Elektronik-Kette sollte von dem starken Wachstumstrend der Branche profitieren, hieß es.
Smith International kletterte 13 Prozent auf 37,70 Dollar. Das Wall Street Journal hatte berichtet, der Branchen-Riese Schlumberger führe angeblich Übernahmegespräche mit dem texanischen Öldienstleister.
Flops:
United Therapeutics minus 2,1 Prozent auf Dollar. Der Pharmakonzern entschied sich den Antrag auf eine europäische Zulassung seines Bluthochdruck-Präparats zurückzuziehen, da dafür noch eine weitere klinische Studie notwendig ist.
Nasdaq: In Sippenhaft genommen
Die technologielastige Computerbörse litt anscheinend etwas unter Dell.
Dell rutschte 6,7 Prozent auf 13,47 Dollar. Gestern Abend schlugen die Texaner zwar die Gewinnerwartungen (um 1 Cent), beichteten aber eine enttäuschende Gewinnmarge. Als Gründe wurden unter anderem höhere Komponenten-Kosten und ein starker Wettbewerbsdruck genannt. Dafür wurde der PC-Hersteller heute abgestraft.
Die Credit Suisse bestätigte ihr Neutral-Rating und dampfte das Kursziel von $14 auf $12.50 ein.
Die Deutsche Bank trimmte das Kursziel von $22 auf $20.
Morgan Stanley bekräftigte zwar das Equal-weight-Rating, senkte aber die Gewinnschätzungen bis einschließlich 2012.
Eine Ausnahme war die Citigroup. Dort wurde Buy-Rating bekräftigt mit Kursziel $20. Dort sieht man eine stärkere Unternehmensnachfrage.
Wegen der Dell-Enttäuschung wurden anscheinend auch einige Rivalen in Sippenhaft genommen:
Apple minus 0,6 Prozent auf 201,67 Dollar.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, minus 0,4 Prozent auf 71,03 Dollar.
Palm minus 2,4 Prozent auf 9,39 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, plus 0,3 Prozent auf 343 Punkte.
Der Software-Bereich schien ebenfalls unter Dell zu leiden:
Microsoft minus 0,7 Prozent auf 28,78 Dollar.
Der SAP-Rivale Oracle minus 0,8 Prozent auf 24,32 Dollar.
Intuit gewann dagegen 7,9 Prozent auf 32,72 Dollar. Der Spezialist für Finanzsoftware, schlug gestern Abend die Gewinn- und Umsatzerwartungen der Wall Street um Längen. Der Broker Wedbush Morgan bestätigte sein Outperform-Rating, verbesserte aber das Kursziel lediglich von $36 auf $37. Die Credit Suisse bleibt beim Neutral-Rating. Das Kursziel ging von $30 auf $33.
Adobe Systems plus 1,9 Prozent auf 33,88 Dollar. Der Spezialist für Konsum-Software (PhotoShop) profitierte von einem Upgrade. Der Broker FBR Capital hob den Nasdq-100-Titel von Market Perform auf Outperform und das Kursziel von $36 auf $39. Die Kalifornier profitierten davon, dass die Werbung zunehmend ins Internet abwandert. Hilfreich sei auch der bevorstehende Verkaufsstart des Flaggschiffs-Produkts CS5. Nach dem jüngsten Kursrückschlag sei die Aktie außerdem günstig bewertet.
Internet: Terra Incognita
Bei den an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets ragte ein Wert heraus:
Baidu. Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen übersprang heute eine psychologisch wichtige Marke und betrat Neuland (Allzeithoch). Das Papier kletterte 0,5 Prozent auf 500,15 Dollar. Zwei Faktoren sorgen dort für Auftrieb: Die überraschend starken Q4-Zahlen und der mögliche Rückzug des Rivalen Google aus China, wegen Stress mit Peking (Zensur).
Google minus 0,5 Prozent auf 540,48 Dollar. Der Suchmaschinen-King steht schon seit Wochen im Schatten. Derzeit fehlt es an anregenden Nachrichten.
Yahoo plus 0,3 Prozent auf 15,58 Dollar.
AOL (an der New York Stock Exchange notiert) gewann nachrichtenlos 2,95 Prozent auf 25,15 Dollar.
WebMD Health Corp. kletterte 6,4 Prozent auf 41,76 Dollar. Der Dienstleister, der Gesundheitsinformationen über das Internet vermittelt, schlug gestern Abend die Erwartungen der Wall Street. Citigroup-Analyst Mark Mahaney beförderte deswegen die Aktie heute von Hold auf Buy und schraubte das Kusziel von $40 auf $49 Dollar hoch. Mahaney glaubt, dass die Pharmaindustrie zunehmend im Internet wirbt und dass WebMD Health dabei zu den größten Gewinnern zählt. Der Analyst rechnet damit, dass die Online-Pharmawerbung im laufenden Jahr um 21-25% wächst. Davon könne sich das Unternehmen eine überproportional große Scheibe abschneiden.
Der E-Commerce ging getrennte Wege:
Das Online-Kaufhaus Amazon.com bröckelte 0,5 Prozent auf 117,52 Dollar. Seit Tagen belasten Spekulationen über die Perspektiven des E-Book-Marktes. Außerdem verordnen verschiedene US-Bundesstaaten den Onlinehändlern die Abführung einer Steuer auf E-Commerce (Online Tax, auch Amazon Tax genannt).
Der Rivale Ebay gewann 2,5 Prozent auf 23,42 Dollar. No E-Books, no worry. Nachrichten gab es jedenfalls für die deutliche Outperformance nicht. Die Online-Steuer gilt auch für Ebay-Partner.
Die Online-Videothek Netflix klettert ebenfalls seit Tagen nachrichtenlos in die Höhe und avancierte heute 0,8 Prozent auf 66,65 Dollar.
Rohstoffe: Richtung Norden
Öl: Anhaltende Verteuerung
Steigende Vorräte an Crude & Benzin hin oder her. Der März-Kontrakt für Crude verteuerte an der New York Mercantile Exchange um 75 Cents und schloss auf 79,81 Dollar.
Gold: IMF-Verkäufe aus dem Blickfeld
Gestern drückten noch die vom IMF angekündigten massiven Goldverkäufe. Heute sind sie schon wieder vergessen. Der Gold-Kontrakt für April stieg heute an der New York Mercantile Exchange um 3,30 Dollar und schloss auf 1.122,00 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall wieder bei 1.120,30 Dollar.
Ausblick: Das Rad der Konjunktur dreht sich weiter
Montag:
Quartalszahlen: Salesforce.com (Business Software)
Dienstag:
Quartalszahlen: Macy's (Kaufhausbetreiber), Target (Wal-Mart Rivale)
Mittwoch:
16:00 Uhr Verkauf neuer Eigenheime Januar, 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche,Auftragseingänge langlebiger Güter
Freitag:
14:30 Uhr BIP-Wachstum Q4, 2. Schätzung; 15:45 Uhr Chicago Einkaufsmanager Index, 16:00 Uhr Verkauf bestehender Eigenheime Januar.
Bis zum Xetra-Schluss gewann der DAX heute 0,73 Prozent auf 5.722 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche kletterte der Index satte 4 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht 5.718 Punkte.
Tagessieger wurden BMW & Daimler. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Der Flop des Tages hieß RWE. Die Société Générale kappte den Stromversorger von "Hold" auf "Sell".
Wall Street: Die Botschaft der Fed
New York (BoerseGo.de) - Was Tiger Woods von dem gestrigen Fed-Entscheid hält, wurde leider nicht überliefert. Jedenfalls war der TV-Auftritt des Golf Stars, bei dem er sich öffentlich für seine außerehelichen Abenteuer entschuldigte, heute eines der beiden Hauptthemen - auch an der Wall Street. Laut Bloomberg sackte jedenfalls während der TV-Sendung der Börsenumsatz vorübergehend kräftig ab, auf der Bloomberg-Homepage gab es zeitweise bis zu vier Schlagzeilen zum Thema Tiger Woods, natürlich auch die Hauptschlagzeile.
Das andere Thema war (natürlich?) die gestrige Diskontanhebung von 0,5% auf 0,75. Die Meldung, die gestern Abend kurz nach Börsenschluss über die Ticker lief, ließ heute Nacht die Wall Street Futures erst einmal abrutschen und drückte auch in Asien & Europa auf die Aktienkurse. Der reguläre Wall Street Handel startete dann auch im roten Bereich, wenn auch nicht so tief, wie die Futures noch in der Nacht signalisierten, gewann dann aber stetig an Boden. Zum guten Ende schlossen die Wall Street Barometer wieder unisono im Plus, den vierten Tag in Folge.
Positives Signal
Anscheinend kam man, nach dem ersten Schrecken, wieder zur Besinnung und zur Auffassung: Das Glas ist halbvoll. Peter Cardillo, Chief Market Economist bei Avalon Partners glaubt jedenfalls, dass die Diskont-Anhebung ein positives Signal ist.
"Der Fed-Entscheid sandte einerseits die Botschaft, dass die Wirtschaft heilt, andererseits aber auch, dass die Fed, ihren Leitzins nicht anheben will", so Cardillo. "Das Finanzsystem erholt sich und braucht daher die Krücken (Diskont-Kredit) nicht mehr", fügte der Stratege hinzu.
Öl auf die Wogen
Jedenfalls war der heutige Börsenverlauf auch der Erfolg diverser Fed-Offizieller, die versuchten, Öl auf die Wogen zu gießen. Bereits gestern hatte die Fed betont, der relevante Zins, der Geldmarktsatz, bleibe unverändert bei nahe Null. Der Diskontkredit diene lediglich als Nothilfe für Banken, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind. Die Anhebung sei daher eine Reaktion auf die verbesserte Situation an den Finanzmärkten. Ohnehin war die Diskont-Anhebung bereits von Fed-Chef Ben Bernankes angedeutet worden, also keine echte Überraschung.
Dennis Lockhart, Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, erläuterte, der Diskont-Schritt diene nicht dazu, die Geldpolitik zu verengen, er sei auch kein Signal für bevorstehende Zinsanhebungen. Die Geldpolitik bleibe weiterhin "untersützend" ("accommodative").
James Bullard, Federal Reserve Bank of St. Louis, erklärte, die Befürchtung einer baldigen Erhöhung des Leitzines sei übertrieiben, zumindest vorerst.
Federal Reserve Governor Elizabeth Duke sagte, der Schritt sei eine Normalisierung, weil der Diskontsatz lediglich für selten benötigte Notfall-Kredite erhoben wird. Die Kreditkosten der Verbraucher & Unternehmen sollten damit nicht angehoben werden.
Spielraum für niedrige Zinsen
Hilfreich (für die Kursgewinne) waren auch die heute gemeldeten Verbraucherpreise. Die Steigerungsraten lagen unter den Erwartungen und unter dem Vormonat. Ex-Nahrungsmittel und Energie (die geldpolitisch wichtige Kernrate) gab es sogar einen winzigen Rückgang. "Niedrige Inflation gibt der Fed Spielraum, die Zinsen niedrig zu halten", hieß die Schlagzeile der Nachrichtenagentur AP.
Botschaft angekommen
Der konjunktursensible Transportsektor kletterte 1,36%. Ein Zeichen, dass die Botschaft der Fed angekommen ist. Außerdem wirkte wohl der gestrige Philadelphia-Index noch nach, der eine Beschleunigung des Industriewachstums signalisierte.
Der Bankensektor (KBW Bank-Index) stieg 1,28%. Die Eigenheimbauer gewannen 0,76%.
Der Ölsektor verteuerte 1,5%.
Die Chip-Titel avancierten 0,30%. Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, verbesserte sich 0,37%. Die - als defensiv geltenden - Versorger legten 1,32% zu.
Der Dow Jones Industrial Average plus 0,09 Prozent auf 10.402 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,22 Prozent auf 1.109 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,1 Prozent auf 2.243 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow Jones plus 3,0 Prozent
S&P 500 plus 3,1 Prozent
Nasdaq plus 2,8 Prozent
Dow Jones Average: Des einen Leid, des anderen Freud
Tops:
Der Top des Dow war Pfizer mit plus 1,5 Prozent auf 17,99 Dollar. Der Pharma-Riese profitierte von dem Mischgeschick eines Rivalen. Der Pharmakonzern United Therapeutics entschied sich den Antrag auf eine europäische Zulassung seines Bluthochdruck-Präparats zurückzuziehen, da dafür noch eine weitere klinische Studie notwendig ist.
Die nachfolgenden Platzierungen waren wohl dem Konjunkturoptimismus zu verdanken, der auch vom gestrigen Philadelphia-Index angeregt wurde:
Du Pont (Chemie) plus 1,2 Prozent auf 34,03 Dollar
Boeing plus 1,1 Prozent auf 63,59 Dollar
Caterpillar (Baumaschinen & Minen-Geräte) plus 0,8 Prozent auf 58,25 Dollar
Walt Disney plus 0,7 Prozent auf 31,23Dollar. Der Broker Jefferies & Co. nahm die Beobachtung heute mit einem Buy-Rating und Kursziel $36 auf. Das Management habe die richtigen Schritte unternommen, um die Kostenstruktur zu glätten.
Flops:
Johnson & Johnson minus 1,1 Prozent auf 63,81 Dollar. Der Pharmakonzern kündigte eine Partnerschaft mit der Schweizerischen Basilea Pharmaceutica Ltd. Dabei ging es um ein Präparat gegen Hautinfektionen. Der Deal scheiterte an den EU-Behörden, die eine Zulassung verweigerten, weil sie Test-Daten nicht anerkannten.
S&P 500: Nutznießer der Geldpolitik
Tops:
Für Morgan Stanley ist der Fed-Entscheid ein Kaufgrund - und zwar für US-Bankaktien.
Begründung: Die Diskontsatzanhebung signalisiere ein wachsendes Vertrauen in die konjunkturelle Erholung. Die US-Notenbank hatte ihren Schritt gestern Abend als Normalisierung und als Reaktion auf die verbesserte Situation an den Finanzmärkten bezeichnet.
Sollten die Zinsen in den kommenden Monaten tatsächlich anziehen, so verbessere das die Gewinnmargen in einigen Geschäftsbereichen. Die Zahlungsverkehrskonten etwa bei den Banken sind normalerweise unverzinslich. Bei steigenden Zinsen könnten die Finanzinstitute diese Gelder daher rentabler investieren.
Zu den Favoriten von Morgan Stanley zählen:
Bank of New York Mellon, heute plus 3,5 Prozent auf 28,66 Dollar.
und Northern Trust Corp, heute plus 4,1 Prozent auf 54,60 Dollar.
Charles Schwab plus 5,2 Prozent auf 18,73 Dollar. Die Fed hält den Geldmarktzins bei Null, am langen Ende (langfristige Anleihen) klettert der Zins - wegen der Konjunkturerholung - immer höher. Davon profitieren diverse Finanzdienstleister, darunter auch der Discount Broker, Goldman Sachs beförderte das Papier von Sell auf Neutral mit Kursziel $18. Der Wertpapier-Vermittler profitiere von der steileren Zinsstruktur-Kurve, das heißt, dem zunehmenden Abstand zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen, hieß es.
J.C. Penney plus 6,6 Prozent auf 27,66 Dollar. Der Warenhausbetreiber meldete heute - bereinigt um Sonderposten - mehr Gewinn als erwartet, nämlich je Aktie $1,02 statt 82 Cents. Außerdem fiel der Ausblick (Gewinn, Umsätze) besser aus als die Wall Street geschätzt hatte.
Davon profitierte auch der Branchenkollege Macy's, dessen Zahlen kommenden Dienstag fällig sind.
Macy's plus 2,1 Prozent auf 18,54 Dollar.
Liz Claiborne sprang 9,4 Prozent auf 6,53 Dollar. Der am New Yorker Broadway beheimatete Fashionkonzern (Design & Verkauf von Bekleidung) wurde heute beim Broker KeyBanc Capital Markets entdeckt. Das Wertpapierhaus beförderte den Konsum-Titel von Hold auf Buy mit Kursziel $7.50. Der Broker lobte, dass das Management den Konzern aggressiv umformt. Kostenkürzungen und weitere strukturelle Änderungen würden dem Fashion-Hersteller erlauben, bis Jahresende in die Gewinnzone zurück zu kehren.
Best Buy plus 0,5 Prozent auf 36,34 Dollar. Für Interesse an dem Elektronik-Discounter sorgte der Broker JMP Securities. Dort wurde der Konsum-Titel mit dem Rating Market Outperform gestartet und Kursziel $45. Die Elektronik-Kette sollte von dem starken Wachstumstrend der Branche profitieren, hieß es.
Smith International kletterte 13 Prozent auf 37,70 Dollar. Das Wall Street Journal hatte berichtet, der Branchen-Riese Schlumberger führe angeblich Übernahmegespräche mit dem texanischen Öldienstleister.
Flops:
United Therapeutics minus 2,1 Prozent auf Dollar. Der Pharmakonzern entschied sich den Antrag auf eine europäische Zulassung seines Bluthochdruck-Präparats zurückzuziehen, da dafür noch eine weitere klinische Studie notwendig ist.
Nasdaq: In Sippenhaft genommen
Die technologielastige Computerbörse litt anscheinend etwas unter Dell.
Dell rutschte 6,7 Prozent auf 13,47 Dollar. Gestern Abend schlugen die Texaner zwar die Gewinnerwartungen (um 1 Cent), beichteten aber eine enttäuschende Gewinnmarge. Als Gründe wurden unter anderem höhere Komponenten-Kosten und ein starker Wettbewerbsdruck genannt. Dafür wurde der PC-Hersteller heute abgestraft.
Die Credit Suisse bestätigte ihr Neutral-Rating und dampfte das Kursziel von $14 auf $12.50 ein.
Die Deutsche Bank trimmte das Kursziel von $22 auf $20.
Morgan Stanley bekräftigte zwar das Equal-weight-Rating, senkte aber die Gewinnschätzungen bis einschließlich 2012.
Eine Ausnahme war die Citigroup. Dort wurde Buy-Rating bekräftigt mit Kursziel $20. Dort sieht man eine stärkere Unternehmensnachfrage.
Wegen der Dell-Enttäuschung wurden anscheinend auch einige Rivalen in Sippenhaft genommen:
Apple minus 0,6 Prozent auf 201,67 Dollar.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, minus 0,4 Prozent auf 71,03 Dollar.
Palm minus 2,4 Prozent auf 9,39 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, plus 0,3 Prozent auf 343 Punkte.
Der Software-Bereich schien ebenfalls unter Dell zu leiden:
Microsoft minus 0,7 Prozent auf 28,78 Dollar.
Der SAP-Rivale Oracle minus 0,8 Prozent auf 24,32 Dollar.
Intuit gewann dagegen 7,9 Prozent auf 32,72 Dollar. Der Spezialist für Finanzsoftware, schlug gestern Abend die Gewinn- und Umsatzerwartungen der Wall Street um Längen. Der Broker Wedbush Morgan bestätigte sein Outperform-Rating, verbesserte aber das Kursziel lediglich von $36 auf $37. Die Credit Suisse bleibt beim Neutral-Rating. Das Kursziel ging von $30 auf $33.
Adobe Systems plus 1,9 Prozent auf 33,88 Dollar. Der Spezialist für Konsum-Software (PhotoShop) profitierte von einem Upgrade. Der Broker FBR Capital hob den Nasdq-100-Titel von Market Perform auf Outperform und das Kursziel von $36 auf $39. Die Kalifornier profitierten davon, dass die Werbung zunehmend ins Internet abwandert. Hilfreich sei auch der bevorstehende Verkaufsstart des Flaggschiffs-Produkts CS5. Nach dem jüngsten Kursrückschlag sei die Aktie außerdem günstig bewertet.
Internet: Terra Incognita
Bei den an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets ragte ein Wert heraus:
Baidu. Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen übersprang heute eine psychologisch wichtige Marke und betrat Neuland (Allzeithoch). Das Papier kletterte 0,5 Prozent auf 500,15 Dollar. Zwei Faktoren sorgen dort für Auftrieb: Die überraschend starken Q4-Zahlen und der mögliche Rückzug des Rivalen Google aus China, wegen Stress mit Peking (Zensur).
Google minus 0,5 Prozent auf 540,48 Dollar. Der Suchmaschinen-King steht schon seit Wochen im Schatten. Derzeit fehlt es an anregenden Nachrichten.
Yahoo plus 0,3 Prozent auf 15,58 Dollar.
AOL (an der New York Stock Exchange notiert) gewann nachrichtenlos 2,95 Prozent auf 25,15 Dollar.
WebMD Health Corp. kletterte 6,4 Prozent auf 41,76 Dollar. Der Dienstleister, der Gesundheitsinformationen über das Internet vermittelt, schlug gestern Abend die Erwartungen der Wall Street. Citigroup-Analyst Mark Mahaney beförderte deswegen die Aktie heute von Hold auf Buy und schraubte das Kusziel von $40 auf $49 Dollar hoch. Mahaney glaubt, dass die Pharmaindustrie zunehmend im Internet wirbt und dass WebMD Health dabei zu den größten Gewinnern zählt. Der Analyst rechnet damit, dass die Online-Pharmawerbung im laufenden Jahr um 21-25% wächst. Davon könne sich das Unternehmen eine überproportional große Scheibe abschneiden.
Der E-Commerce ging getrennte Wege:
Das Online-Kaufhaus Amazon.com bröckelte 0,5 Prozent auf 117,52 Dollar. Seit Tagen belasten Spekulationen über die Perspektiven des E-Book-Marktes. Außerdem verordnen verschiedene US-Bundesstaaten den Onlinehändlern die Abführung einer Steuer auf E-Commerce (Online Tax, auch Amazon Tax genannt).
Der Rivale Ebay gewann 2,5 Prozent auf 23,42 Dollar. No E-Books, no worry. Nachrichten gab es jedenfalls für die deutliche Outperformance nicht. Die Online-Steuer gilt auch für Ebay-Partner.
Die Online-Videothek Netflix klettert ebenfalls seit Tagen nachrichtenlos in die Höhe und avancierte heute 0,8 Prozent auf 66,65 Dollar.
Rohstoffe: Richtung Norden
Öl: Anhaltende Verteuerung
Steigende Vorräte an Crude & Benzin hin oder her. Der März-Kontrakt für Crude verteuerte an der New York Mercantile Exchange um 75 Cents und schloss auf 79,81 Dollar.
Gold: IMF-Verkäufe aus dem Blickfeld
Gestern drückten noch die vom IMF angekündigten massiven Goldverkäufe. Heute sind sie schon wieder vergessen. Der Gold-Kontrakt für April stieg heute an der New York Mercantile Exchange um 3,30 Dollar und schloss auf 1.122,00 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall wieder bei 1.120,30 Dollar.
Ausblick: Das Rad der Konjunktur dreht sich weiter
Montag:
Quartalszahlen: Salesforce.com (Business Software)
Dienstag:
Quartalszahlen: Macy's (Kaufhausbetreiber), Target (Wal-Mart Rivale)
Mittwoch:
16:00 Uhr Verkauf neuer Eigenheime Januar, 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche,Auftragseingänge langlebiger Güter
Freitag:
14:30 Uhr BIP-Wachstum Q4, 2. Schätzung; 15:45 Uhr Chicago Einkaufsmanager Index, 16:00 Uhr Verkauf bestehender Eigenheime Januar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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