DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zu Merck/Zukauf - vorab2.3.2010
Merck - Von wegen Strategie Die US-Firma Millipore mag ein guter Kauf sein für den deutschen Pharma- und Chemiekonzern Merck. Immerhin hat das Unternehmen bewiesen, dass es auch in Krisenzeiten Geld verdienen kann. Den Aktionäre von Merck dürfte sich die Logik der Entscheidung dennoch verschließen. Was Merck-Chef Karl-Ludwig Kley hier als die lange angekündigte Stärkung der Chemiesparte verkauft, ist bei genauerer Betrachtung gar keine. Als Dienstleister für die Biotechbranche ist Milipore eher dem Pharmabereich zuzuordnen als der Chemie. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn es nicht dem immer wieder geäußerten Wunsch des Unternehmens und der Haupteigner-Familie widerspräche, die Chemiesparte des Konzerns zu stärken. So sollte die Schlagseite ausgeglichen werden, die Merck spätestens nach dem Kauf des Biotechunternehmens Serono vor drei Jahren bekommen hatte. Doch Merck ließ Möglichkeiten für entsprechende Zukäufe in den vergangenen Jahren ungenutzt - etwa als die Chemiesparte von der Metallgesellschaft zum Verkauf standen. Der Grund: Kley war einerseits auf der Suche nach besonders margenträchtigem Geschäft, wollte andererseits aber keinen hohen Preis dafür zahlen. Ein Vorsatz, den er nun offenbar über Bord geworfen hat. Denn für Milipore zahlt Merck mit 7,2 Mrd. $ durchaus einen deftigen Preis - immerhin das 4,1-Fache des Umsatzes, den das Unternehmen für dieses Jahr erwartet. Angesichts dieser Vorgeschichte liegt der Verdacht nahe, dass der Milipore-Kauf eher einer gewissen Torschlusspanik als rationaler Überlegung und konsequenter Strategie entsprungen ist. Auf eines sollte sich Merck jedenfalls nicht einlassen: einen Bieterwettkampf. Der könnte nämlich immer noch drohen, wenn der bisher unterlegene Konkurrent Thermo Fisher sich nicht geschlagen gibt und eine Gegenofferte für Milipore vorlegt. Dann lieber doch auf die nächste, bessere Gelegenheit warten.
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March 01, 2010 13:23 ET (18:23 GMT)
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