
Während der "Landshut"-Entführung zeigte Haddad schwere Vergiftungssymptome und dürfte kaum noch in der Lage gewesen sein, die Operation zu leiten. Er starb sechs Monate später in Ost-Berlin. Der jetzt aufgefundene Obduktionsbericht spricht von einem "toxisch-nutritiven Leberschaden" - von einer Giftaufnahme über die Nahrung. Die Chronologie des Giftmords hinterlässt Fragen: Wusste der Mossad-Maulwurf in Haddads engstem Umfeld auch etwas von der Planung der "Landshut"-Entführung? Hätte der israelische Geheimdienst also die Informationen nach Deutschland weitergeben und die Entführung damit verhindern können?
"Wer so eng dran war, wird alle geplanten Operationen Haddads gekannt haben", sagt Winfried Ridder, damals Chef-Auswerter im Bundesamt für Verfassungsschutz und führender RAF-Experte der deutschen Geheimdienste. Vom Mossad sei aber damals nichts gekommen, jedenfalls nichts Konkretes, erinnert er sich. Ridder zeigt als ehemaliger Nachrichtendienstler Verständnis für die israelischen Kollegen, denn die Weitergabe so sensibler Informationen gefährde womöglich Leib und Leben der Quelle. Wäre das "Landshut"-Kommando in Mallorca aufgeflogen, hätte Wadi Haddad ahnen können, dass es einen Verräter in den eigenen Reihen geben muss. Und für Verräter hätte es keine Gnade gegeben. "Um einen guten Agenten zu schützen, muss man manchmal unschuldige Menschen opfern", sagt ein ehemaliger Mossad-Offizier. Unschuldige Opfer waren in diesem Fall der Lufthansa-Kapitän Jürgen Schumann, den die palästinensischen Kidnapper auf der Odyssee der "Landshut" durch den Nahen Osten erschossen, sowie Passagiere und Besatzung, die überlebten, von denen aber einige bis heute traumatisiert sind. "Die Entführung der Landshut wäre womöglich zu verhindern gewesen", fasst Egmont R. Koch seine zweijährigen Recherchen für die Dokumentation "Tödliche Schokolade" zusammen - "aber der Preis, das Leben seines Maulwurfs aufs Spiel zu setzen, war den Israelis wohl zu hoch."
"Tödliche Schokolade" am 7. Juli 2010, 23.55 Uhr im Ersten.
Akkreditierte Journalisten können die Dokumentation vorab im Vorführraum des SWR-Presseportals ansehen (www.swr.de/presse). Fotos finden Sie unter ARD-Foto.de.
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