AlixPartners Studie: LKW-Hersteller richten Blick nach Russland, Indien und China
AlixPartners / Schlagwort(e): Studie
08.09.2010 11:14
AlixPartners-Studie: Europäische LKW-Hersteller richten Blick nach Russland, Indien und China
- Zyklische Industrie: Nach dramatischem Umsatzeinbruch nun robuste und dynamische Erholung in Sicht - Kraftvolle Restrukturierung: Trotz eines bis dahin nie da gewesenen Produktionsrückgangs blieben die meisten Hersteller und Zulieferer im letzten Jahr profitabel - Kein globaler Markt für LKWs: Regionale Lösungen gefragt, insbesondere in Indien, China und Russland - Emerging markets wachsen vor allem im mittleren Preissegment - Chancen für europäische Hersteller - Enges Spielfeld: Begrenzte Zahl von Kooperationsmöglichkeiten verlangt individuelle Strategien in BRIC-Ländern
München, 8. September 2010 - Nach den enormen Umsatzeinbrüchen im letzten Jahr erholt sich die weltweite Nachfrage nach LKWs zunehmend dynamisch. Entsprechend dem zyklischen Verlauf dieser Industrie sind in Europa und selbst den USA klare Tendenzen zur Erholung zu erkennen. Das langfristig stärkste Wachstum wird in Russland, China und besonders Indien erwartet. Diese Märkte sind allerdings von spezifischer Nachfrage nach speziell auf die Region zugeschnittenen Lastwagen geprägt. Technisch hochgerüstete LKWs wie in Europa lassen sich in den aufstrebenden Märkten des Ostens kaum verkaufen. Das mittlere Preissegment hat dort die besten Wachstumsaussichten. Die Besonderheiten der BRIC-Märkte machen Kooperationen mit Herstellern aus den jeweiligen Ländern sinnvoll. Angesichts der hohen Anbieter-Konzentration sind die strategischen Optionen für westliche LKW-Hersteller und Zulieferer jedoch häufig begrenzt. Das ist das Ergebnis einer Studie der auf Turnarounds und Ertragssteigerungsprogramme spezialisierten Unternehmensberatung AlixPartners über die weltweite LKW-Industrie.
Weltweit ging die Produktion im vergangenen Jahr von rund 2,6 Millionen LKWs (2008) auf rund 1,7 Millionen LKWs (2009) zurück. In den europäischen Märkten musste sogar ein bis dahin nie da gewesener Rückgang in der Produktion von Neufahrzeugen von über 60 Prozent verkraftet werden. Angesichts dieser Zahlen nötigt die Tatsache, dass die LKW-Industrie im Durchschnitt noch immer ein positives EBITDA in Höhe von 3,3 Prozent erreicht hat, hohen Respekt ab. Erreicht wurde dies mit Hilfe einer durchgreifenden Restrukturierung: Von der Anpassung der Kapazitäten, extrem flexiblen Arbeitszeitmodellen, übergangsweise vollem Herunterfahren der Produktionswerke bis zur rigiden Liquiditätssicherung wurden alle Register gezogen. In Deutschland ging trotz des dramatischen Absatzeinbruchs lediglich ein Unternehmen der Trailer-Industrie in Insolvenz.
Für die nächsten Jahre ist für die stark zyklische LKW-Industrie eine robuste und dynamische Erholung zu erwarten. Für Europa rechnet die Studie von AlixPartners damit, dass bis 2013 das Absatzniveau auf den Stand vor der Krise zurückkehren wird. Das langfristig stärkste Wachstum wird jedoch für die Märkte Russland, China und Indien erwartet. Gerade die chinesischen Hersteller erlitten während der vergangenen zwei Jahre kaum Umsatzeinbrüche. Entsprechend konnten die asiatischen Hersteller im Jahr 2009 auch die höchsten Gewinne erzielen: Sie erreichten ein durchschnittliches EBITDA von rund sieben Prozent und einen ROCE von rund neun Prozent.
'Es ist eine enorme Leistung, dass die europäischen LKW-Hersteller trotz des beispiellosen Nachfrageeinbruchs von über 60 Prozent im vergangenen Jahr wirtschaftlich relativ erfolgreich waren. Dies zeigt die Leistungsfähigkeit der Branche. Jetzt kommt es für die LKW-Industrie darauf an, Strategien zu entwickeln, um am starken Wachstum der BRIC-Märkte und Schwellenländer teilnehmen zu können', erläutert Elmar Kades, Director bei AlixPartners.
Um am schnelleren Wachstum anderer Märkte teilnehmen zu können, müssen die europäischen Hersteller sich auf deren spezifische Gegebenheiten einstellen. Bisher wurden in diesen Ländern vor allem lokale 'Billig-Trucks' für ca. 20.000 EUR hergestellt, welche jedoch den Anforderungen bezüglich Emission und steigender Produktivität nicht länger gerecht werden. Insbesondere das mittlere Preissegment, also der Markt für verbrauchs- und emmissionsärmere LKWs mit großer Ladekapazität im Preissegment von 30.000 bis 50.000 Euro, wächst in den Entwicklungsländern stark an. 2015 wird dieses Segment mehr als 30 Prozent Marktanteil besitzen, wertmäßig sogar rund 50 Prozent. Hersteller in Russland, Indien und China produzieren somit vermehrt auf einem Preisniveau, das der Hälfte des Preisniveaus westlicher Hersteller entspricht. Dabei können die lokalen Hersteller die Nachfrage optimal bedienen, da sie die regionalen Anforderungen an die Fahrzeuge am besten kennen und heute bereits eine marktbeherrschende Stellung einnehmen.
'In den Wachstumsmärkten werden die Hightech-Trucks aus Europa, die rund um die Uhr einsatzbereit sind und höchsten Sicherheitsanforderungen genügen, kaum benötigt. Der Marktanteil wird dort aller Voraussicht nach selbst 2015 nicht mehr als drei Prozent betragen. Auch die günstigeren Auslaufmodelle der westlichen Anbieter finden dort keinen besonders großen Absatz. Es kommt vielmehr darauf an, günstige Fahrzeuge mit passenden Spezifikationen für die jeweilige Region herzustellen', sagt Vinzenz Schwegmann, Managing Director und Leiter des Automobilteams von AlixPartners, zur notwendigen Strategie westlicher LKW-Hersteller Produkte für verschiedene Emerging Markets zu lokalisieren.
Der Studie von AlixPartners zufolge sind westliche LKW-Hersteller in den Emerging Markets insbesondere dann erfolgreich, wenn sie Kooperationen mit einem starken lokalen Anbieter eingehen. Das strategische Spielfeld ist allerdings bereits deutlich eingeschränkt. 'In China, Indien und Russland sind viele Kooperationspartner bereits vergeben', erläutert Elmar Kades. In Russland sind drei von vier lokale Anbieter bereits starke Allianzen eingegangen, in Indien drei von fünf und in China vier der sechs größten Hersteller. Dies stellt die europäischen Anbieter nicht selten vor ein Dilemma, da eine Strategie organischen Wachstums in vielen Ländern nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Ein organisches Wachstum westlicher LKW-Hersteller wie in Brasilien ist in den Ländern China, Indien und Russland aufgrund der Stärke der lokalen Anbieter schlichtweg nicht möglich.
In den Wachstumsmärkten ohne eigene LKW-Industrie liefern sich die verschiedenen LKW-Hersteller aus allen Teilen der Welt ein Wettrennen, so die AlixPartners Studie. Die Exporte westlicher LKW-Hersteller nach Afrika, Asien und Lateinamerika (außer BRIC) sind demnach in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gewachsen. Allerdings erobern die Hersteller aus den BRIC-Staaten in diesen Märkten immer größere Marktanteile. Insbesondere chinesische LKWs finden in Afrika, im Mittleren Osten und in Südostasien immer stärkeren Absatz.
Über die Studie Die AlixPartners Studie über die LKW-Industrie beruht auf einer weltweiten Benchmark-Analyse von Zulieferern und LKW-Herstellern. Zudem wurden öffentlich verfügbare volkswirtschaftliche Daten und Prognosen verwendet.
Über AlixPartners Mit rund 1000 Mitarbeitern in weltweit vierzehn Büros und über 2000 abgeschlossenen Projekten seit der Gründung im Jahr 1981 zählt AlixPartners international zu den führenden Experten für Ertragssteigerungsprogramme und Turnarounds. AlixPartners setzt ausschließlich erfahrene Führungskräfte aus Industrie und Beratung ein, die bei Bedarf als Manager auf Zeit auch operative Führungsverantwortung übernehmen. AlixPartners ist seit dem Jahr 2003 mit eigenen Büros in Deutschland vertreten.
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