DJ UPDATE: Prozessrücklagen drücken Gewinn von Merck & Co im 3Q
(NEU: Rücklage für Rechtsstreit, Hintergrund, Aktienkurs)
Von Peter Loftus DOW JONES NEWSWIRES
WHITEHOUSE STATION (Dow Jones)--Der US-Pharmakonzern Merck & Co kann das Kapitel "Vioxx" immer noch nicht schließen. Rückstellungen von 950 Mio USD im Zusammenhang mit dem vor rund sechs Jahren vom Markt genommenen Schmerzmittel haben dem Unternehmen aus Whitehouse Station die Bilanz des dritten Quartals 2010 verhagelt.
Darüber hinaus ließen Restrukturierungs- und Fusionsaufwendungen das Nettoergebnis in den drei Monaten per Ende September um 90% auf 342 Mio USD von 3,4 Mrd USD im Vorjahr einbrechen. Je Aktie verblieben 0,11 (1,61) USD. Im Vorjahr hatte ein Gewinn von 2,76 Mrd USD aus dem Verkauf der Merial-Anteile an die Sanofi-Aventis das Ergebnis gestützt.
Vor Sonderposten verzeichnete Merck & Co einen Gewinnrückgang auf 0,85 (0,90) USD und übertraf damit die Konsensschätzung der Analysten. Sie hatten dem Konzern nur einen Gewinn von 0,82 USD je Anteil zugetraut. Nicht erfüllt wurde die Markterwartung an den Umsatz. Die Einnahmen schossen zwar vor allem dank Schering-Plough um 84% auf 11,13 Mrd USD, verfehlten aber die von den Marktbeobachtern prognostizierten 11,24 Mrd USD.
Der Umsatz mit dem Bestseller "Singulair" zur Behandlung von chronischem Asthma legte im dritten Quartal um 12% auf 1,2 Mrd USD zu. Die Erlöse des Cholesterinsenkers Vytorin sanken um 7,6% auf 485 Mio USD, während das Cholesterinmittel Zetia um 1,4% auf 571 Mio USD zulegte.
An der Wall Street sind Merck & Co mit einem Minus von 1,5% auf 36,99 USD in einem gegen 16.38 Uhr MESZ insgesamt wenig veränderten Markt der zweitschwächste Wert.
Die Rückstellungen von 950 Mio USD wurden für eine noch andauernde strafrechtliche Untersuchung des US-Justizministeriums gebildet. Aktuell laufen den Angaben zufolge Diskussionen über eine Einigung. In der strafrechtlichen Untersuchung prüfen die Juristen die Forschungs- und Vermarktungsaktivitäten von Merck & Co im Zusammenhang mit Vioxx. Der Konzern hatte das Mittel, das mit vermehrten Herzinfarkten und Schlaganfällen in Verbindung gebracht worden war, 2004 vom Markt genommen und 2007 gegen Zahlung von 4,85 Mrd USD Tausende von Produkthaftungsklagen beigelegt.
Merck & Co wollte nicht sagen, ob sie sich im Rahmen der möglichen Einigung mit der US-Justiz schuldig bekennen wird. Schuldanerkenntnisse hat es bei Klagen gegen Pharmakonzerne in den USA in jüngster Zeit immer öfter gegeben. So hat sich in dieser Woche GlaxoSmithKline schuldig bekannt, verunreinigte Medikamente aus einem Werk in Puerto Rico vertrieben zu haben und sich zur Zahlung von 750 Mio USD verpflichtet.
Im Berichtsquartal war die Gesellschaft auch mit der Integration der im November 2009 für 49,6 Mrd USD übernommenen Schering-Plough beschäftigt. Mit dem Unternehmen verbreiterte Merck & Co ihre Researchpipeline. Zudem bringen Stellenstreichungen und Werksschließungen Einsparungen.
Das Unternehmen selbst war mit dem dritten Quartal zufrieden und hob das untere Ende seiner Jahresprognose an. 2010 dürfte der bereinigte Gewinn je Aktie zwischen 3,31 und 3,39 USD liegen, hieß es am Freitag. Bislang hatte Merck ein Ergebnis je Anteil zwischen 3,29 bis 3,39 USD in Aussicht gestellt.
Webseite: www.merck.com -Von Peter Loftus, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 104, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/bam/ebb
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October 29, 2010 10:51 ET (14:51 GMT)
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