Auf der Bildungsmesse "didacta" lassen sich die Firmen so einiges einfallen, um die Blicke der Besucher auf ihren Stand zu lenken. Ein Softwarehersteller aus Frankreich war besonders einfallsreich. Er wirbt dieser Tage mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dem Slogan "Mit uns wäre das nicht passiert" für ein spezielles Programm für Hochschulen, das Plagiate aufspüren kann. Viele Menschen schmunzeln an diesem Morgen beim Blick auf das Plakat. Einige von ihnen wollen auch mehr darüber wissen.
Die Versuchung für Studenten, Texte aus dem Internet zu kopieren und nur schnell in die eigene Arbeit einzufügen, ist im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung sehr groß. Vor allem dann, wenn sie unter Zeitdruck stehen. Doch ein einheitliches Verfahren zur Kontrolle von Doktor- und Diplomarbeiten gibt es an den Hochschulen nicht. Einige versuchen, die Schummler mit speziellen Computerprogrammen zu entlarven. Doch wie genau funktioniert so etwas?
Hélène Ginsz-Kieffer, die in der weltweit agierenden Firma für den deutschen Markt zuständig ist, erklärt es. Das zu prüfende Dokument müsse zuerst in einem der gängigen Dateiformate in das Programm geladen werden. "Danach vergleicht die Anti-Plagiat-Software die hochgeladene Arbeit mit allen kostenlosen Texten aus dem Internet oder auch einer anderen hochgeladenen Arbeit", sagt sie. Nach nur wenigen Sekunden spuckt das Programm dann die Ähnlichkeiten im Detail aus.
Zehn Hochschulen testen derzeit die deutschsprachige Anti-Plagiat-Software des französischen Unternehmens. Und sie scheint zu funktionieren. "Wir bekommen sehr viele positive Reaktionen", sagt Ginsz-Kieffer. Die Anti-Plagiat-Expertin rechnet damit, dass die speziellen Programme an Hochschulen in Deutschland zukünftig eine noch größere Rolle als bisher spielen werden. "Durch den Skandal um Herrn zu Guttenberg ist auch in Deutschland das Tabu Plagiate gebrochen worden. Das spielt uns natürlich in die Karten."
Doch nicht nur für Lehrende, sondern auch für Studierende hat das Unternehmen mittlerweile ein Programm entwickelt. "So können die Studenten ihren Text noch einmal überprüfen, bevor sie ihn abschicken. Viele produzieren unserer Ansicht nach Plagiate nämlich gar nicht mit Absicht", sagt Ginsz-Kieffer.
Aber auch wenn die Anti-Plagiat-Software in den kommenden Monaten einen Aufschwung erleben sollte, macht Ginsz-Kieffer eines klar: "Das Tool nimmt den Wissenschaftlern die Arbeit nicht ab, es ist nur eine Hilfe. Am Ende müssen die Studierenden alle Quellen heraussuchen und angeben und die Lehrenden gegebenenfalls selbst entscheiden, ob und wie sie sanktionieren."
Das Unternehmen aus Frankreich ist vor rund sechs Jahren gegründet worden und mit seiner Software nach eigenen Angaben inzwischen Marktführer in der Heimat. Zudem nutzen Universitäten in Belgien, Kanada, Italien und der Schweiz das Programm. Die deutschsprachige Software ist erst seit diesem Jahr auf dem Markt./may/DP/tw
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