"Die Märkte sind vorsichtig geworden", sagt Carsten Brzeski, ING Belgium. Die Situation in Japan und im Nahen Osten ist weiterhin angespannt. Sollte der Ölpreis weiter steigen, wären die Auswirkungen, deutlich spürbarer auf die Weltweltwirtschaft, als die momentane Lage in Japan.
Kaum verändert tendieren Europas Börsen am Montagmittag. Nach Abgaben zur Eröffnung setzt sich die übergeordnet positive Stimmung durch. Die beunruhigenden Radioaktivitätsmessungen und eine mögliche Kernschmelze in Fukushima werden vom Markt verdrängt. Auch die japanische Börse hatte mit einem Minus von 0,6 Prozent relativ widerstandsfähig reagiert. Solange die wirtschaftliche Erholung in den großen Volkswirtschaften intakt bleibe, gebe es Potenzial nach oben, sagen Händler. Unter Bedenken mit Blick auf die Zulieferung aus Japan leiden jedoch die Automobilhersteller. Der Euro-Stoxx-50 notiert gegen 12.15 Uhr kaum verändert bei 2.911 Punkten, der Stoxx-50 legt um 0,1 Prozent oder 3auf 2.600 Zähler zu.
Die Zahl der Konjunkturdaten ist überschaubar: Aus den USA kommen neben Daten zu den persönlichen Einnahmen und Ausgaben nur die ausstehenden Hausverkäufe.
Optimistisch äußert sich Deutsche-Bank-Stratege Jim Reid. Sollten die US-ISM-Indizes Stände um die 60 aufweisen, würde dies Kurse beim S&P-500 von 1.400 rechtfertigen, so der Analyst. Für die kommenden 3 bis 6 Monate seien die Aussichten der Weltwirtschaft positiv zu werten.
Landtagswahlen in Deutschland - Versorger wieder im Plus
Nach Verlusten zur Eröffnung sind die deutschen Versorger leicht ins Plus gedreht. Im Handel ist von Shorteindeckungen die Rede. ;Die Attacke einiger Investoren nach dem Wahlausgang in Baden-Württemberg scheint nicht aufzugehen;, heißt es von einem Händler. Offenbar sei der Wahlausgang in den extremen Kursverlusten der jüngsten Vergangenheit bereits eskomptiert worden. Mittelfristig sollte die Branche auch von steigenden Gas- und Strompreisen profitieren. E.ON notieren unverändert, RWE legen sogar 0,7 Prozent zu.
Klaren Rückenwind von der zu erwartenden Atom-Debatte in Deutschland erhalten die Wind- und Solar-Werte. Nordex, Solarworld, Q-Cells und andere notieren rund 7% im Plus. Völlig unbeeindruckt zeigen sich auch die französischen Versorger. GdF-Suez liegt 0,7 Prozent oben. ;Die Deutschen werden ihren Strom aus Frankreichs AKWs beziehen müssen;, so ein Händler. Der Sektor-Index steigt um 0,1 Prozent.
Autos unter Druck - Sorge um japanische Zulieferung
Auto-Hersteller sind die Hauptverlierer. Mit 1,5 Prozent Minus preist der Sektor die erwarteten Problem mit Zulieferungen aus Japan ein. Laut dem Marktforscher IHS sind wegen der Folgen des Bebens in Japan mittlerweile 13% der weltweiten Automobilproduktion ausgefallen. Davon sei die Produktion von rund 320.000 Fahrzeugen betroffen. ;Und das Schlimmste kommt erst noch, denn es wird die Industrie zunehmend auch außerhalb Japans treffen;, meint Michael Robinet von IHS. Zu den Verkäufern kämen noch Gewinnmitnahmen. Die Aktien hatten nach den Hochstufungen vergangene Woche deutlich zugelegt. Daimler verlieren 2,3%, BMW 1,7%, Fiat und Renault 1,2 Prozent.
Nokia legen nach einer Kaufempfehlung durch Goldman Sachs um 2,7 Prozent auf 6,13 EUR zu. AstraZeneca ziehen nach Erhöhung ihrer Gewinnprognose für 2011 um 0,6 Prozent auf 2.890 pan. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird nun bei 6,90 USD bis 7,20 USD gesehen. Zuvor hatte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn je Aktie von 6,45 bis 6,75 USD je Aktie erwartet. Nach Einschätzung von Shore wird der Gewinn im ersten Quartal um 500 Mio USD höher ausfallen.
Philips verlieren 1,7 Prozent auf 22,20 EUR nach einer Gewinnwarnung fürs TV-Geschäft. Das Unternehmen hat bekanntgegeben, eine Erholung des wichtigen Geschäftsfeldes sei 2011 nicht zu erwarten. Noch im Dezember hatte sich das Unternehmen optimistisch gezeigt, dass ein Gewinn erreichbar sei. Nun erwartet der Konzern einen EBITDA-Verlust zwischen 100 Mio EUR bis 120 Mio EUR.

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