Welthandel - Klares Urteil, kaum Folgen
Seltene Erden halten viele womöglich für einen Begriff aus dem Baumarkt oder dem Gartencenter. Dabei sind Metalle, die unter dem Namen zusammengefasst werden, essentiell für die unsere hoch technologisierte Welt. Ohne sie könnte heutzutage kaum ein Computer, Handy oder Elektromotor hergestellt werden.
Die Welthandelsorganisation WTO will es nun nicht länger dulden, dass China Seltene Erden und andere wichtige Mineralien der Welt vorenthält. Das ist ein wichtiger Schritt, denn Peking verhindert mit hohen Exportzöllen, dass die Rohstoffe dem Ausland zu ähnlich günstigen Preisen zur Verfügung stehen wie der eigenen Industrie. Das Urteil gegen dieses Verhalten ist bemerkenswert klar und unmissverständlich. Die Organisation scheut sich offensichtlich nicht, eines seiner jüngsten und zugleich größten Mitgliedsländer zu verprellen.
Die WTO hat erkannt, dass der globale Handel nicht nur durch Importsperren behindert werden kann, sondern auch durch Ausfuhrbeschränkungen. Dass Staaten ihre Rohstofflieferungen verknappen, kannte man bislang allenfalls von den Öl fördernden Staaten in den 70er-Jahren. Inzwischen würde aber ein Lieferstopp Seltener Erden Schlüsselindustrien in der ganzen Welt bedrohen. Somit ist es der richtige Ansatz, auf internationaler Ebene um gleiche Rahmenbedingungen für alle zu streiten.
Allerdings dürfen Unternehmen in Europa und den USA nicht darauf hoffen, dass das Lieferproblem nach dem WTO-Urteil schnell gelöst wird. Erstens kann China in Berufung gehen und die Umsetzung des Urteils verschleppen. Und zweitens sind in China sowohl die Förderkonzerne als auch die verarbeitende Industrie im Staatsbesitz. Peking könnte ohne weiteres billige Rohstoffflüsse vom einen zum anderen verschleiern, ohne dass der Westen dagegen vorgehen kann.
Die Industrie wird sich weiterhin darauf einstellen müssen, dass die raren Rohstoffe immer schwieriger zu erhalten sind und immer teurer werden. Den Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als sich nach Alternativen umzuschauen. Sei es durch die Beschaffung alternativer Materialien oder durch die intensivere Wiederverwertung von Recyclingschrott. Die WTO muss tun, was ihr möglich ist. Der entscheidende Impuls zur Rohstoffsicherung wird aber von der Industrie selbst kommen müssen.
(END) Dow Jones Newswires
July 05, 2011 13:42 ET (17:42 GMT)
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