FRANKFURT (Dow Jones)--Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellt sich einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" auf eine Insolvenz Griechenlands ein. Wie das Blatt ohne Angabe von Quellen berichtet, spielen die Beamten des Bundesfinanzministeriums (BMF) sämtliche Szenarien durch, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls des Landes ergeben könnten.
Auch die "Welt am Sonntag" berichtet, die Bundesregierung sei nun bereit, Griechenlands Insolvenz zu akzeptieren. Laut "Spiegel" gibt es grundsätzlich zwei Varianten einer Griechenland-Pleite. In der ersten bleibt das Land in der Währungsunion, in der anderen gibt es den Euro als Zahlungsmittel auf und führt die Drachme wieder ein. Das BMF wollte den Bericht nicht kommentieren.
Schäuble selbst hatte Spekulationen über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone am Freitag am Rande des Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) in Marseille als "zwecklos" bezeichnet.
Auf der anderen Seite hatten Politiker aus dem Euroraum wiederholt betont, dass Griechenland die mit seinen Kreditgebern vereinbarten Haushaltsziele erreichen müsse, um die nächste Tranche von Hilfszahlungen zu erhalten.
Vertreter von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) hatten kürzlich Gespräche mit der griechischen Regierung abgebrochen, nachdem diese nicht hatte darlegen können, wie sie ihre Fiskalziele erreichen wolle.
Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag, sein Land werde alles Notwendige tun, damit die Haushaltsziele erreicht würden, obwohl die Rezession im laufenden Jahr voraussichtlich viel stärker sein werde als erwartet. Griechenlands Priorität sei, einen Zahlungsausfall zu vermeiden. Auch wolle man nicht die Eurozone verlassen.
Zuvor hatte Finanzminister Evangelos Venizelos gesagt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Griechenlands werden 2011 voraussichtlich um mehr als 5% anstatt der bisher prognostizierten 3,9% schrumpfen.
Eine Schlüsselrolle in den Überlegungen des BMF kommt dem "Spiegel"-Bericht zufolge dem europäischen Rettungsschirm EFSF zu. Er soll so schnell wie möglich mit den neuen Kompetenzen ausgestattet werden, die ihm der Krisengipfel Ende Juli zugedacht hat.
Auch die "Welt am Sonntag" berichtet - gleichfalls ohne Angaben von Quellen - die Bundesregierung verabschiede sich von ihrer Maxime, das Land auf keinen Fall pleitegehen zu lassen. Das liege an der wachsenden Erkenntnis, dass Griechenland sein Schuldenproblem nicht lösen könne. Zudem stünden mit dem erneuerten Euro-Rettungsschirm EFSF bald mehr Instrumente zur Verfügung, mit denen sich eine Staatspleite notfalls beherrschen ließe.
Zwei Instrumente stehen laut "Spiegel"-Bericht bei den deutschen Überlegungen im Vordergrund: Zum einen setzen Schäubles Beamte auf vorbeugende Kreditlinien, die Ländern wie Spanien oder Italien helfen sollen, wenn ihnen Anleger nach einer Insolvenz Griechenlands nichts mehr leihen.
Banken in zahlreichen Euro-Ländern könnten zudem auf Milliarden vom Rettungsschirm angewiesen sein, weil sie ihre Bestände an griechischen Staatsanleihen abschreiben müssten. Solche Folgen sind zu erwarten, gleichgültig ob Griechenland den Euro behält oder aussteigt.
Hessens Ministerpräsident, der stellvertretende CDU-Vorsitzende Volker Bouffier, drängt darauf, möglichst schnell Möglichkeiten zum Austritt aus der Eurozone zu schaffen. "Wenn die Spar- und Reformanstrengungen der griechischen Regierung nicht erfolgreich sind, müssen wir uns auch die Frage stellen, ob wir nicht neue Regeln brauchen, die den Austritt eines Euro-Landes aus der Währungsunion ermöglichen", sagte er.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com (Unter Verwendung von Berichten von Alkman Granitsas und Geoffrey T. Smith) DJG/hab/smh
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September 11, 2011 06:47 ET (10:47 GMT)
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