Von Jörn Rehren DOW JONES NEWSWIRES
MONACO (Dow Jones)--Die Munich Re geht für 2012 von leicht steigenden Preisen im Rückversicherungsmarkt aus. Auf einer Pressekonferenz in Monaco am Sonntag sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek, dass er für das nächste Jahr ähnliche Prämienentwicklungen erwarte wie sie sich in den Erneuerungsrunden dieses Jahres bereits gezeigt hätten. Höhere Prämien seien daher vor allem im Katastrophengeschäft, aber auch bei Offshore-Energieprodukten und in einigen Autoversicherungsmärkten wie Lateinamerika und Großbritannien zu erwarten.
Jeworrek wies zudem auf neue komplexe "Kumulrisiken" für die Versicherungsbranche hin. Globale Trends erhöhten die Komplexität und die Abhängigkeiten von Risiken untereinander. Die Risiken müssten aber voneinander unabhängig sein, sonst seien sie nicht versicherbar. Außerdem könnte nur so Versicherer vermeiden, dass sie selbst systemrelevant würden, sagte der Vorstand.
Als Beispiel nannte Jeworrek den Umgang mit so genannten Rückwirkungsschäden, deren Risiken von den Versicherern kaum noch quantifizierbar seien. Unternehmen seien weltweit in komplexen Lieferketten immer stärker voneinander abhängig, so dass extreme Naturkatastrophen wie zuletzt das Erdbeben und der Tsunami in Japan zu massiven Betriebsunterbrechnungen geführt hätten. Die Belastungen daraus seien für die Versicherungsbranche kaum noch kontrollierbar.
Rückversicherer müssten deshalb ihre Risiken etwa durch Schadenlimits begrenzen. Verbleibende Risiken müssten die Unternehmen selbst durch verbessertes Risikomanagement ausgleichen, etwa in dem sie sich nicht nur von einem Lieferanten abhängig machten. Auf der anderen Seite müssten die neuen komplexen Risiken, die versichert würden, angemessen gepreist sein. Ansonsten ginge dies zulasten der versicherten Kapazitäten.
Um die neuen komplexen Risiken zu erfassen, hat die Munich Re jetzt auch eine Software entwickelt, die den weltweit größten Rückversicherer in seinem Risikomanagement unterstützen soll. Mit dem 'Complex Accumulation Risk Explorer' (CARE) würden auf der Basis von Expertenwissen aus verschiedenen Disziplinen Einzelereignisse und deren direkten und indirekten Folgen systematisch erfasst.
Dadurch würden Abhängigkeiten zwischen Risiken sichtbar gemacht und könnten unter versicherungstechnischen Gesichtspunkten analysiert werden. "Die Entscheidung, welche Risiken unter welchen Bedingungen versichert werden können, bekommt einen neue Basis", sagte Jeworrek. Die Münchener prüfen zudem, wie sie CARE nach der Pilotphase auch ihren Kunden anbieten können.
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 115, joern.rehren@dowjones.com DJG/reh/mod
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September 11, 2011 10:21 ET (14:21 GMT)
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