Von Kenneth Maxwell und Yoshio Takahashi DOW JONES NEWSWIRES
TOKIO (Dow Jones)--Wenn Suzuki-Präsident Osamu Suzuki und Volkswagen-CEO Martin Winterkorn am Mittwoch auf der Tokioter Automesse erscheinen, werden sie feststellen, dass die Stände ihrer Konzerne nur durch einen Gang voneinander getrennt sind. Der Graben zwischen den beiden entfremdeten Partnern könnte derzeit jedoch kaum tiefer sein - ihr Zwist um die gescheiterte Kooperation und Volkswagens 20%-Beteiligung an Suzuki soll vor einem Schiedsgericht in London verhandelt werden. Winterkorn und der 81-jährige Suzuki demonstrieren derweil Unabhängigkeit. Laut den Konzernen haben die beiden Manager nicht vor, auf der Messe miteinander zu sprechen.
Winterkorn hatte dem "Handelsblatt" gesagt, die Volkswagen AG könne den Konflikt auch aussitzen und hoffe auf eine bessere Beziehung mit zukünftigen Konzernlenkern. "Wenn bei Suzuki die aktuelle Führungsmannschaft nicht mit uns zusammen arbeiten will, dann will es vielleicht die nächste Generation", hatte der VW-Chef erst vor ein paar Tagen dem Blatt gesagt.
Nach aktuellen Kursen ist VW mit rund 2,2 Mrd USD in dem japanischen Autohersteller investiert. Angesichts eines vergleichsweise blühenden Geschäfts, starker Absätze und eines hohen Barbestandes stehen die Wolfsburger aber nicht unter Druck, mit ihrer Beteiligung Kasse zu machen. Der Konzern hofft weiterhin auf einen Zugang zum großen Potential des indischen Marktes, wo Suzuki die Nummer eins ist.
Osamu Suzuki, der im Januar seinen 82. Geburtstag feiert, steht vor einer der größten Herausforderungen seiner 33 Jahren an der Spitze einer der erfolgreichsten Kleinwagenproduzenten der Welt. Gegründet 1909 als Webstuhlhersteller, rangiert der Konzern nach Autoabsätzen nun weltweit an 10. Stelle mit einem Marktwert von rund 11 Mrd USD.
Suzuki muss seinen Konzern nun aus einer strategischen Partnerschaft mit einem Konzern loseisen, dem er unrechtmäßige Einflussnahme vorwirft. Gleichzeitig weiß der Manager aber auch, dass er eine andere Zweckehe mit einem größeren Autokonzern eingehen muss. Zudem muss er die Unabhängigkeit des zukünftigen Managements von Japans viertgrößten Autohersteller sicherstellen, der mit schmalen Margen Profit machen will.
"Die Nachfolge ist das größte Thema bei Suzuki", sagt Satoshi Nagashima, Leiter des japanischen Autoteams bei Roland Berger. "Es gibt derzeit niemanden, der das gleiche tun kann, was Osamu Suzuki tut."
Den Manager zeichnet Einzelgängertum und eine Leidenschaft für selbst die winzigsten Kosteneinsparungen aus. Geboren 1930 in eine bescheidene Familie auf dem Lande, begann er mit 15 Jahren die Ausbildung zum Marinepiloten. Mit Anfang 20 war er nach eigenen Angaben ein "Kredit-Hai" und ging mit 28 eine arrangierte Ehe mit der Suzuki-Erbin ein. Wie in Japan üblich, wenn es keinen männlichen Erben gibt, nahm er den Namen seiner Frau an.
Mit 48 Jahren wurde Suzuki Präsident des Konzerns, den er seitdem auf seine Weise lenkte. So bahnte er lange vor anderen einen Weg in den indischen Markt und meisterte den allmählichen Ausstieg des einstigen treuen Partner General Motors. Doch die Produktion von Kleinwagen ist ein heikles Geschäft, das seine volle Aufmerksamkeit und Kontrolle verlangt und in dem jeder Yen zählt.
Bei der Nachfolgefrage gibt es die Möglichkeit, auf die Familie zurückzugreifen. Suzukis Sohn Toshihiro ist dem vierköpfigen Board of Directors im Juni beigetreten. Davor hatte der 52-jährige 17 Jahre lang verschiedene Funktionen im Konzern inne. Laut Konzernbeobachtern sind die Familienbeziehungen aber nicht ausschlaggebend. Der Senior habe zuvor bereits zwei andere, nicht zur Familie gehörende Manager als geeignete Nachfolger ausgemacht - in beiden Fällen seien jedoch gesundheitliche Probleme dazwischen gekommen, so das der unverwüstliche Achtzigjährige noch immer an der Spitze steht.
In Deutschland nehmen VW-Manager den Einfluss eines anderen, neuen Board-Mitglieds zur Kenntnis, Yasuhito Harayama - und das nicht gerade mit Freude. Der 55-jährige, der vor zwei Jahren aus Japans Industrieministerium zu Suzuki wechselte, ist aus Sicht der Wolfsburger derjenige, der in der Öffentlichkeit die Trennung der beiden Konzerne vor allem vorantreibt.
Die Beziehungen zwischen VW und Suzuki waren schon mal wesentlich besser. 2010 hatte VW sogar ein Portrait von Osamu Suzuki für einen üppigen Bildband über einflußreiche Automodelle und Persönlichkeiten in der weltweiten Autobranche in Auftrag gegeben.
Das Foto sollte ursprünglich in einem japanischen Garten aufgenommen werden, doch Suzuki hatte andere Vorstellungen. Er bestand auf einer Aufnahme in einem Produktionswerk. "Ich bin ein Mann der Fabrik, ich liebe den Geruch von Maschinenöl", wurde der Manager in dem Begleittext des Fotos zitiert.
"Der nachhaltige Erfolg des Unternehmens ist kaum denkbar ohne die Persönlichkeit des Mannes an der Spitze und seine besondere Sicht auf das Leben und die Arbeit", heißt es dort weiter.
-Von Kenneth Maxwell und Yoshio Takahashi, Dow Jones Newswires; (Christoph Rauwald hat zu dem Artikel beigetragen.) DJG/DJN/sha/kla
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November 29, 2011 10:37 ET (15:37 GMT)
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