APA ots news: WirtschaftsBlatt-Leitartikel: In der Realwirtschaft läuft es noch - von Eva Komarek
Die aktuelle Krise ist bisher vor allem eine Finanzkrise
Wien (APA-ots) - Glaubt man den Prognosen von nationalen und internationalen Instituten, dann sieht es für die Wirtschaft im kommenden Jahr tiefschwarz aus. So zählte erst letzten Freitag die US-Ratingagentur Standard & Poor's Österreich als Nettoexporteur zu den besonders stark durch eine Rezession gefährdeten Ländern der Eurozone. Schwächere Exporte und die Schwierigkeiten im Finanzsektor könnten 2012 die Wirtschaft wesentlich belasten, hieß es in der Studie. Angesichts der strikten Sparmaßnahmen erwartet S&P auch keine Unterstützung der Wirtschaft durch Staatsausgaben. Ähnlich düster ist das Bild, das PwC zeichnet. Der Unternehmensberater geht für die kommenden Quartale von einem Double Dip aus. Zudem verliere Europa als Wirtschaftsstandort an Attraktivität. Asien hingegen hole unglaublich schnell auf. Und auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) rechnet für Österreich für das eine oder andere Quartal mit einem Minus beim Wirtschaftswachstum.
Ganz anders stellen sich die Prognosen der Unternehmen dar, die von einer Krise bisher noch kaum Auswirkungen bemerken. Selbst Siemens, die gestern ihre Bilanz vorgelegt hat, hat zumindest für das erste Quartal noch volle Auftragsbücher und rechnet mit einer stabilen Umsatzentwicklung für 2012. Dabei ist der Konzern zu einem großen Teil von öffentlichen Aufträgen abhängig. Auch ein Blick zu unserem Nachbarn Deutschland, dem wichtigsten Exportpartner Österreichs, gibt Grund zur Hoffnung. Dort sind zuletzt laut aktuellem Ifo-Index die Industrieaufträge sogar kräftig gestiegen, und auch die Konsumausgaben der Verbraucher zeigten sich robust.
Somit liegt der Schluss nahe, dass die aktuelle Krise bisher vor allem eine Finanzkrise ist. Die Banken kämpfen mit hohen Abschreibungen auf Wertpapiere und müssen wegen strengerer Eigenkapitalvorschriften ihre Risikopositionen überdenken. Das könnte dazu führen, dass sie auch weniger Kredite vergeben oder Kreditlinien nicht mehr verlängern. Dann könnte es auch für die Realwirtschaft eng werden, der die größte Gefahr von einer Kreditklemme droht. Ein klares Zeichen setzte diesbezüglich die EZB, die ankündigte, den Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen, damit diese keine Entschuldigung für zu geringe Kreditvergabe hätten.
Wesentlich für die Realwirtschaft ist aber auch, dass die Politik bei ihren Sparpaketen nicht mit Steuern den Unternehmen den Saft abdreht oder am falschen Ort - wie bei Forschung und Innovation - den Rotstift ansetzt. Apropos: Wie steht es eigentlich mit der Verwaltungsreform?
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