Von Ulrike Dauer und Jacob Bunge DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Gut einen Monat vor der Entscheidung der EU wachsen die Zweifel unter einigen Großaktionären der Deutschen Börse, ob die Fusion mit der NYSE Euronext gelingen wird. Grund sind die sich hinziehenden Verhandlungen, die auf anhaltenden Widerstand der Brüsseler Wettbewerbsbehörden schließen lassen. Gleichwohl sind sie weiter davon überzeugt, dass der Zusammenschluss zu einer transatlantischen Börse vorteilhaft wäre.
Es gebe nur noch eine 40%-Chance, dass die EU der Fusion bis zum 9. Februar noch zustimmt, sagen mehrere Investment-Manager, die zu den zehn größten Deutsche-Börse-Aktionären gehören. Ins gleiche Horn stößt ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW. Im Sommer hatten alle die Wahrscheinlichkeit noch bei über 50% gesehen.
"Ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit liegt derzeit bei 40% ja, 60% nein", sagte einer der Portfolio-Manager, der nicht genannt werden wollte. "Ich denke, dass die Gespräche mit der EU nicht so flüssig gelaufen sind, das ist mein reines Bauchgefühl", sagte er.
Jürgen Kurz, Sprecher der DSW, sagte: "Die Idee der Konsolidierung ist aus unserer Sicht richtig und nachvollziehbar. Klar ist aber auch, dass jede weitere Verzögerung des Prozesses das Gelingen zumindest nicht gerade wahrscheinlicher macht." Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte dies nicht kommentieren.
Trotz des schwindenden Optimismus sind Deutsche-Börse-Investoren aber zuversichtlicher als einige Aktionäre der NYSE Euronext. Cambiar Investors LLC, zehntgrößter Anteilseigner der NYSE Euronext, hatte in der vergangenen Woche die Chance für ein Zustandekommen der Fusion nur noch bei 15% gesehen.
Der 17 Milliarden US-Dollar schwere Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber war vor elf Monaten angekündigt worden und muss laut Fusionsunterlagen bis Ende März mit allen Genehmigungen in trockenen Tüchern sein. Danach ist der Deal geplatzt. Die beiden Börsen könnten dann zwar nochmal ganz von vorn beginnen, wahrscheinlich ist das aber nicht.
Ins Wanken könnte die Transaktion geraten, weil die EU besorgt über die Marktmacht der beiden Unternehmen bei Derivate-Börsen in Europa ist. Hier hätten Deutsche Börse und NYSE mit ihren Tochtergesellschaften Eurex bzw Liffe mit über 90% eine marktbeherrschende Stellung. Mit ihrem Argument, dass der Derivatemarkt global betrachtet und auch der außerbörsliche Handel mit einbezogen werden müsse, stießen die beiden in Brüssel bisher auf taube Ohren.
Beide haben deshalb mit Zugeständnissen versucht, die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde zu gewinnen. Unter anderem wollen sie das europäische Derivategeschäft auf Einzelaktien der NYSE verkaufen, den Zugang zum Clearing der Eurex für Wettbewerber öffnen sowie ihre Gebühren für die Handelsteilnehmer im Derivatebereich für drei Jahre einfrieren.
Bisher offenbar ohne Erfolg. Mit der Sache vertraute Personen hatten gesagt, dass die "Maximal-Position" der EU ein Verkauf der Eurex oder der Liffe als Ganzes sei. Die Vorstandsvorsitzenden beider Börsen haben dies aber bereits klar abgelehnt, weil damit die "industrielle Logik" des Zusammenschlusses nicht mehr gewährleistet sei. Die versprochenen Kostensynergien von 400 Millionen Euro und Umsatzsynergien von 150 Millionen Euro wären dann nicht mehr erreichbar.
In den nächsten Tagen wird das 'case Team' der EU-Kommission seinen Bericht an Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia übergeben, der dann eine Empfehlung an ein Beratungskomitee geben wird. Anfang Februar dürften dann die 27 EU-Kommissare aus allen EU-Staaten endgültig über die Fusion befinden. In der Vergangenheit ist es aber nur in jedem zehnten Fall passiert, dass die Kommissare einer negativen Empfehlung der Wettbewerbshüter widersprochen haben.
Und selbst im Erfolgsfall stehen noch die Genehmigungen einiger nationaler Regulierer an. Zuletzt waren Befürchtungen aufgekommen, dass die Zugeständnisse an die EU auf nationaler Ebene auf Widerstand stoßen könnten, wenn sie Arbeitsplätze, Steuereinnahmen oder nationale Vorschriften gefährden. Auch der Chef der hessischen Börsenaufsicht, Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), will im Anschluss an die EU über den Zusammenschluss befinden und hat bereits "börsenrechtliche Bedenken" geltend gemacht. Der FDP-Vorsitzende Hessens, Justizminister Jörg-Uwe Hahn, hatte Mitte Dezember gesagt, dass der Finanzplatz Frankfurt durch die Fusion nicht belastet, sondern gestärkt werden müsse. Solange dies nicht sichergestellt sei, tendiere die Waage gegen eine Genehmigung, sagte Hahn.
Von Ulrike Dauer und Jacob Bunge, Dow Jones Newswires; +49 69 29725 500; ulrike.dauer@dowjones.com DJG/DJN/reh/jhe
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January 05, 2012 11:01 ET (16:01 GMT)
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